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Der Traum von der höheren Liga

Sieben Tipps von Frank Wenz an junge Schiedsrichter*innen für den Weg nach oben ...

Ob Oberliga, Jugendbundesliga oder das Fernziel Bundesliga: Ebenso wie zahlreiche Nachwuchsspieler*innen träumen auch viele Schiedsrichter*innen vom Aufstieg – und wollen in ihrem Sport so weit wie möglich nach oben kommen. Wie kann man sich als (junger) Referee auf höhere Aufgaben vorbereiten? Was ist wichtig und worauf sollte man mit Blick auf den weiteren Werdegang Wert legen? 

Frank Wenz pfiff gemeinsam mit Ralf Damian über 600 Spiele für den Deutschen Handballbund und ist heute verantwortlich für die Delegierten in der LIQUI MOLY HBL. Der ehemalige Spitzenschiedsrichter hat sieben Tipps für den Nachwuchs an der Basis zusammengestellt. 

1. Übung macht den Meister

Es klingt banal, aber es führt kein Weg daran vorbei: Um als Schiedsrichter erfolgreich zu sein und es so weit wie möglich nach oben zu schaffen, kommt es darauf an, viel zu pfeifen – und das von Anfang an. Bevor man den nächsten Schritt angehen kann, braucht man eine Basis, muss verschiedenste Spiele aktiv gepfiffen und Rückschläge erlebt haben. Nur, wer diesen Erfahrungsschatz hat und mit voller Überzeugung sagen kann, dass ihm das Pfeifen richtig Freude bereitet, wird erfolgreich sein. 

2. Signalisiert euer Interesse 

Es ist Fakt, dass nicht jeder Schiedsrichter aufsteigen will. Damit ihr nicht übersehen werdet, seid mutig und kommuniziert euer Interesse aktiv gegenüber eurem Schiedsrichterwart oder eurem Schiedsrichter-Lehrwart. Signalisiert den Verantwortlichen ganz deutlich: „Wir haben Interesse, aufzusteigen; wir wollen weiterkommen.“ Und unterstreicht diesen Willen, indem ihr euch durch viel Pfeifen – siehe Punkt 1 – und gute Leistungen abhebt. 

3. Sucht den Austausch

Diejenigen, die euch am meisten auf eurem Weg helfen können, sind diejenigen, die genau den Weg bereits gegangen sind! Scheut euch daher nicht davor, den Austausch mit erfahrenen Kollegen aus eurem Landesverband zu suchen. Nehmt Kontakt auf, stellt eure Fragen und begleitet einen höherklassig pfeifenden Kollegen vielleicht auch mal bei einem Einsatz. So erlebt ihr hautnah mit, wie es weiter oben zugeht und wisst, worauf ihr euch eventuell einlasst. 

Ich bin mir sicher, dass alle Bundesliga- und Drittligaschiedsrichter gerne Rede und Antwort stehen, um jungen Kollegen zu helfen, weiterzukommen – und auch die Oberliga-Schiedsrichter in den Landesverbänden sind euch bestimmt behilflich. Wenn ihr selbst niemanden kennt, fragt in eurem Verein oder eurem Landesverband nach, ob euch jemand den Kontakt herstellen kann. Denn wir haben nicht so viele Schiedsrichter, daher unterstützen wir alle gerne. 

4. Körperliche Fitness ist das A & O

Kurz und knapp: Ihr müsst körperlich in der Lage sein, die Belastung eines Spiels stemmen zu können. Eine gute Trainingsform ist natürlich auch für die Leistungsüberprüfungen wie Shuttle Run und Lauftest unabdingbar. 

5. Bleibt immer „up to date“ 

Neben der körperlichen Fitness (siehe Punkt 4) muss natürlich auch die fachliche Kompetenz stimmen. Daher ist es wichtig, dass ihr immer am Ball bleibt. Beschäftigt euch nicht nur einmal im Jahr – kurz vor dem Regeltest – mit dem Fragenkatalog, sondern schaut immer mal wieder rein. Setzt euch mit Videos oder dem „Pfiff der Woche“ hier im Schiedsrichterportal auseinander. 

6. Hinterfragt, was ihr wirklich wollt

Macht euch nichts vor: Eine Schiedsrichterkarriere ist – ebenso wie die Spielerlaufbahn – mit Entbehrungen verbunden. Wenn ihr wirklich so hoch wie möglich kommen wollt, müsst ihr bereit sein, an den Wochenenden regelmäßig in Bestform zu pfeifen – und das bedeutet auch, die ein oder andere Party nicht zu besuchen. Seid ihr dazu bereit? 

Je höher ihr kommt, desto länger werden die Wege zu den Spielen, desto mehr Zeit müsst ihr für das Pfeifen aufwenden. Hinterfragt, ob ihr bereit seid, 100, 150, 200 Kilometer zu einem Spiel zu fahren und so viel zu investieren. Ihr könnt viele Dinge von der Schiedsrichterei für euer Leben mitnehmen, aber ihr müsst es aus vollem Herzen wollen.  

Dazu gehört auch, dass ihr euch im Gespann einig seid, was ihr wollt. Wenn der eine weiterkommen und der andere nicht mehr will, wird es nichts. Sprecht offen darüber – und wenn eure Ziele, Wünsche, Träume nicht zusammenpassen, müssen sich eure Wege an der Pfeife vielleicht wirklich trennen. Wenn ihr (noch oder wieder) auf der Suche nach einem passenden Gespannpartner seid, wendet euch an euren Schiedsrichterwart. Wir sind immer daran interessiert, junge und leistungswillige Schiedsrichter zu fördern und vermitteln daher gerne. 

7. Der Rahmen muss stimmen 

Die Leistung auf dem Platz ist natürlich der wichtigste Part, aber die wird nur stimmen, wenn euer Umfeld die Schiedsrichterei mitträgt. Denn je höher es geht, desto größer werden die Entbehrungen – und umso wichtiger der Rückhalt der Familie und eventuell auch des Arbeitgebers, wenn es in Richtung Wochenspiele geht. Auch die Unterstützung des Vereins und des Landesverbands sind wichtig und müssen gegeben sein. 

Und abschließend: Eine Schiedsrichter-Karriere lässt sich nicht am Reißbrett planen. Es gehört immer auch Glück dazu. Ihr könnt daher nur alles dafür tun, dass der Rahmen stimmt, um bereit zu sein, wenn sich euch die Chance bietet.