Quelle: DHB

Der Torraum gehört dem Torwart ...

... allerdings darf er keine Gegenspieler gefährden! Welche Situationen es geben kann, wie man sie richtig beurteilt und als Schiedsrichter sich verhält, soll der heutige Pfiff der Woche zeigen.

Was im Video geschieht

Mannschaft WEISS hat nach einem Gegentor den schnellen Anwurf ausgeführt. Der Ball gelangt zum Links Außen WEISS 6 der aus einer freien Spielsituation in den Torraum springt. Der Torwart SCHWARZ 12 versucht in einer zunächst torwartüblichen Abwehr den Ball abzuwehren. Dies gelingt ihm nicht und der Ball landet im Tor. Durch den Schwung und die Geschwindigkeit kann der in den Torraum springende Abwehrspieler seine Bewegung nicht sofort stoppen und versucht daher links an dem Torwart vorbeizulaufen. SCHWARZ 12 hat aber immer noch sein rechtes Bein angewinkelt und hält im weiteren WEISS 6 am Hals und zieht ihn dann zu Boden. Die Schiedsrichter geben das Tor und anschl. nach Time-out eine Hinausstellung gegen Torwart SCHWARZ 12.

REGELTECHNISCHE EINORDNUNG VON KAY HOLM, LEITER BEREICH LEHRE IM DHB-SCHIEDSRICHTERWESEN

Auch für Torwarte gilt natürlich, dass sie Gegenspieler nicht gefährden dürfen.

Dies bezieht sich zunächst auf alle Abwehraktionen im Torraum. So darf ein Torwart beispielsweise einen in den Torraum springenden Angriffsspieler nicht anspringen, stoßen, anrennen oder auf andere Weise regelwidrig stören, behindern oder gefährden (8:2c, d). Häufig springen Torwarte dem von der Torraumlinie frei zum Wurf ansetzenden Angreifer entgegen. Dabei dürfen sie weder Beine noch Arme in gefährdender Art gegen den Werfer einsetzen.

Solche Regelwidrigkeiten müssen auch unter dem Aspekt der Gesundheitsgefährdung (8:5) beurteilt werden.

Bei der Beurteilung dieser Situation bedarf es dazu der gezielten Anwendung der Beurteilungskriterien (8:3) in Verbindung mit ergänzenden Kriterien/Beispielen aus Regel 8:4.

Hier wird die Gefährdung des Gegenspielers in Kauf genommen. Es handelt sich um ein Vergehen überwiegend gegen Hals/Nacken und der Torwart zieht/ringt den Gegenspieler zu Boden. Hier muss der fehlbare Spieler direkt hinausgestellt werden (8:4).

Für die Einstufung der Regelwidrigkeit als gesundheitsgefährdend treffen die (gesundheitsgefährdenden) Kriterien der Regel 8:5 nicht zu.

Die Schiedsrichter haben in dieser Situation richtig und vorbildlich entschieden und proaktiv gehandelt.

Nachdem die Torschiedsrichterin zunächst auf Tor entschieden hat, ist sie auf der Situation geblieben und hat diese sofort richtig und gut erkannt. Sehr gut dann auch das weitere Verhalten, indem sie nicht stehen bleibt und erst mal auf Time-out entscheidet, sondern gleich zum Brennpunkt läuft und in der Bewegung Time-out gibt, um schnell vor Ort zu sein, was ihr auch gelingt. Die Schiedsrichterin geht auch sofort dazwischen und verhindert damit eine weitere Eskalation. 

Fazit

Als Torschiedsrichter muss man in Situationen, in denen der Angriffsspieler in den Torraum Richtung Torwart springt, den Blickkontakt halten und sehen was anschließend passiert. Die meisten Fehler passieren dann, wenn man sich nur auf den Ball konzentriert. Ein schneller Blickwechsel vom Ball zur Situation ist erforderlich.

Hinweis

Ähnliche Situationen mit anderen Intensitäten und Auswirkungen finden Sie unter Sonderfall Torwart.