Quelle: DHB

Der Torgewinn

Die Mannschaft, die mehr Tore erzielt hat als die gegnerische Mannschaft, ist Sieger. Haben beide Mannschaften die gleiche Anzahl an Toren erzielt, ist das Spiel unentschieden. Dies setzt aber voraus, dass die korrekt erzielten Tore auch für die richtige Mannschaft dokumentiert und angezeigt werden bzw. dass irregulär erzielte Tore nicht notiert und angezeigt werden. Wie wichtig es ist als Schiedsrichter darauf zu achten, zeigt das heutige Beispiel.

Was im Video geschieht

Es steht 1:0 für Mannschaft BLAU. Mannschaft ROT ist im Angriff. ROT 7 erzielt ein Tor, das auch durch den Torschiedsrichter mit zwei kurzen Pfiffen bestätigt wird. Anschließend geben die Schiedsrichter Time-out und sprechen gegen BLAU 11 eine Hinausstellung aus.  Das Spiel wird mit Anwurf BLAU fortgesetzt. Auf der Anzeigentafel steht es immer noch 1:0 für Mannschaft BLAU! Ca. 30 Sekunden nach Anpfiff des Anwurfes gibt der Feldschiedsrichter Time-out und weist Zeitnehmer und Sekretär auf den falschen Spielstand hin, erst danach wird das Tor für Mannschaft von ROT 7 auf der Anzeigentafel angezeigt.

REGELTECHNISCHE EINORDNUNG VON KAY HOLM, LEITER BEREICH LEHRE IM SCHIEDSRICHTERWESEN DES DHB

Wie heißt es in Regel 9:1:

Ein Tor ist erzielt, wenn der Ball die Torlinie vollständig überquert hat, sofern vor dem oder beim Wurf der Werfer, seine Mitspieler oder Offizielle sich nicht regelwidrig verhalten haben oder Schiedsrichter, der Zeitnehmer oder der Delegierte das Spiel vorher nicht unterbrochen hat.

Im Kommentar Regel 9:2 heißt es weiter:

Ein von den Schiedsrichtern anerkanntes Tor sollte sofort auf der Anzeigetafel angezeigt werden.

Wer hat welche Aufgabe bzw. wer trägt die Verantwortung?

Der Torschiedsrichter bestätigt durch zwei kurze Pfiffe und Handzeichen 12, dass ein Tor erzielt ist. Der Zeitnehmer sorgt für die Anzeige des Spielstands auf der offiziellen Anzeigetafel. Der Sekretär erfasst die Torfolge im Spielprotokoll.

In derartigen Fällen sind vorrangig auch die Schiedsrichter gefragt. Gemäß Regel 17:8 Satz 1 sind beide bzw. der (Einzel-)Schiedsrichter für das Zählen (Notieren) der Tore verantwortlich.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser – und notwendig

Zeitnehmer und Sekretär übernehmen bei der Spielleitung durchaus Mitverantwortung, indem sie die Schiedsrichter unterstützen. Sich darauf verlassen, ist die eine Seite. Die andere Seite ist aber das Regelwerk und die damit verbundene zugeschriebene Verantwortung.

Schlussendlich sind aber die Schiedsrichter verantwortlich für die Richtigkeit der Spielstände während des Spiels. Sie müssen auch während des Spiels die Anzeigetafel nach einem Torpfiff kontrollieren, damit derartige Fälle sich nicht ereignen.

Wie sollte der optimale Ablauf aussehen?

Nach einem Tor sollen sich die Schiedsrichter zunächst auf den Anpfiff zur Spielfortsetzung konzentrieren. Die Schiedsrichter sollten grundsätzlich ein Tor erst nach dem Anpfeifen des Anwurfs notieren und nicht gleichzeitig, damit immer einer von ihnen die Spieler beobachten kann.

Nach dem Anpfiff des Anwurfs sollten dann die Schiedsrichter die Anzeigetafel kontrollieren, ob der Spielstand stimmt. Dies ist eine Konzentrations- und Gewöhnungssache und sollte im besten Fall automatisiert stattfinden. 

Was ist aber, wenn der Spielstand nicht stimmt?

Bestenfalls sollte es den Schiedsrichtern unmittelbar auffallen, dass der Spielstand nicht korrekt angezeigt wird. In der Regel kommt der Protest aber eher von der Bank oder aus dem Bereich der Zuschauer.

Sollte es offensichtlich zu Unregelmäßigkeiten kommen, sollten die Schiedsrichter unmittelbar das Spiel unterbrechen und den Sachverhalt klären. Die Klärung auf die Halbzeitpause zu verschieben, ist kein guter Ansatz. Das Ergebnis auf der Anzeigentafel muss jederzeit den korrekten Spielstand anzeigen.

FAZIT

Schiedsrichter und/oder Zeitnehmer/Sekretäre sind alle Menschen, denen selbstredend auch Fehler passieren können. Wenn es aber um den richtigen Spielstand bzw. das richtige Endergebnis geht, sollten derartige Fehler nicht passieren.

Die Kontrolle des Spielstands nach einem Tor ist eine besondere Chronistenpflicht in jeder Liga, unabhängig davon, ob ich als Schiedsrichter die Treffer mitschreiben muss oder nicht.

Da die Spielzeit wegen der Hinausstellung angehalten wurde, hätte der Feldschiedsrichter vor dem Anpfiff des Anwurfs alle Zeit gehabt, die Anzeigetafel zu kontrollieren. Dann wäre die Unterbrechung 30 Sekunden später nicht erforderlich gewesen.

Das Spiel ist 31:30 ausgegangen. Unabhängig von der Höhe eines Sieges, Niederlage oder gar Unentschieden muss das Ergebnis in jedem Spiel zu jeder Zeit korrekt sein. Dies sicherzustellen, ist auch eine wesentliche Aufgabe als Schiedsrichter.

Hinweis für Sekretäre: Auch der Sekretär sollte seinen Spielstand nach jedem Tor mit der Anzeigentafel abgleichen. Der Sekretär kann den Zeitnehmer so bei seiner Aufgabe unterstützen.