Kommunikation und respektvoller Umgang miteinander sind laut Erik Wudtke entscheidende Kriterien für die Weiterentwicklung unseres Handballnachwuchses. (Foto: privat)

Der Schiedsrichternachwuchs im Austausch mit Junioren-Nationaltrainer Erik Wudtke

Was macht man als DHB-Schiedsrichter eigentlich in der coronabedingten Pause? Man schaut über den berühmten Tellerrand – hier auf die Trainerperspektive.

Seit Anfang März ruht vernünftigerweise der Spielbetrieb in ganz Deutschland und unser geliebtes Hobby ist plötzlich zur Nebensache geworden. Genau wie die zahlreichen Spieler standen wir Schiedsrichter auf einmal vor folgenden Fragen: Wie halten wir uns fit? Wie können wir uns weiterhin austauschen? Wie verlieren wir nicht den Kontakt zu unserer Sportart? Der Schiedsrichterauschuss hat schnell reagiert und uns einige Antworten geboten. Von David Gröger, Athletiktrainer des DHB, haben wir einen umfangreichen Trainingsplan, mit dem wir uns fit halten können, zur Verfügung gestellt bekommen. Unsere Lehrwarte haben uns mit Videoszenen und kleinen Aufgaben versorgt, die speziell auf unsere Rückmeldungen aus der Saison zugeschnitten waren. Gleichzeitig wurde die frei gewordene Zeit genutzt, um alternative Fortbildungsangebote zu schaffen, über die im Folgenden kurz berichtet wird.

Nils Szuka und Kay Holm – beide sind Mitglieder des DHB-Schiedsrichterauschusses – haben gemeinsam mit Erik Wudtke, Nationaltrainer Jugend des DHB, einen Austausch mit den Schiedsrichtern des Bundesliga- und Nachwuchskaders organisiert. Folgende Fragen wurden uns Teilnehmern vorab gestellt, damit sich alle erste Gedanken zu den Themen machen konnten:

  • Wie entwickelt sich der Handball im Männer- und im Frauenbereich derzeit? Womit muss man in der kommenden Saison rechnen? 
  • Wie entwickeln sich unsere jungen Spieler*innen, worauf legt der DHB-Trainerstab im taktischen und athletischen Bereich besonderen Wert?
  • Können unsere Schiedsrichter*innen helfen, dass sich der Nachwuchs und unsere jungen Spieler*innen im internationalen Vergleich entwickeln und durchsetzen? Wenn ja, wie? 

Auf Basis der Fragestellungen hat Erik Wudtke uns Schiedsrichter durch eine kurze Präsentation geführt, anschließend bot sich in einer Fragerunde die Gelegenheit zu einer offenen Diskussion.  

Ein solcher Austausch ermöglicht Schiedsrichtern einen Perspektivwechsel. Es ist wichtig für Schiedsrichter, taktische Grundlagen zu kennen und den Sinn und Zweck von Trainermaßnahmen zu verstehen. So hat Wudtke beispielsweise betont, dass viele Defensivtaktiken der Mannschaften dem Provozieren von Fehlern dienen. Kennen die Schiedsrichter die Finessen der Mannschaft, sind sie besser auf mögliche Konstellationen vorbereitet. So kann beispielsweise der Feldschiedsrichter sein Stellungsspiel den taktischen Ausrichtungen der Mannschaften variabel anpassen.

Wudtke betonte bei der Zusammenarbeit mit den Schiedsrichtern die Wichtigkeit des respektvollen Umgangs. Ein Gespräch auf Augenhöhe sei der beste Weg für gegenseitige Weiterentwicklung. Gleichzeitig warb er in seinem Vortrag aber auch um Verständnis für Emotionen. Unterschiedliche Perspektiven und aus Trainersicht unverständliche Entscheidungen würde es im Handball immer wieder geben. Wudtke fügte an, dass vor allem die Schilderung der Wahrnehmung der Schiedsrichter in einem kurzen Gespräch oft einen entwaffnenden Effekt hätte. 

Unser Résumé zu diesem Austausch: Solche Veranstaltungen sind sehr positiv für uns Schiedsrichter. Insbesondere die Erarbeitung von taktischem Verständnis kann zukünftig – neben den bekannten Säulen aus Regeltechnik und Persönlichkeit – ein weiterer positiver und wichtiger Aspekt für eine erfolgreiche Spielleitung werden.