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Der Pfiff ist deine Stimme
Obwohl Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter während eines Spiels mehrere hundert Mal pfeifen, existiert im Regelwerk keine eigenständige Regel, die den „Pfiff“ detailliert beschreibt. Einzelne Regeln nehmen lediglich Bezug auf das Pfeifen, etwa Regel 2:3, in der festgelegt ist, dass die Spielzeit mit dem Anpfiff des Anwurfs durch einen Schiedsrichter beginnt. Ein Time-out wird durch drei kurze Pfiffe und das Handzeichen 15 angezeigt (Regel 2:9). Die Wiederaufnahme des Spiels nach einem Time-out erfolgt wiederum durch Anpfiff. Der Torgewinn (Regel 9:1) wird durch zwei kurze Pfiffe und Handzeichen 12 bestätigt. Gemäß Regel 14:4 ist der 7-Meter-Wurf nach dem Pfiff des Feldschiedsrichters auszuführen. Die Hinausstellungszeit beginnt mit der Wiederaufnahme des Spiels durch einen Pfiff (Regel 16:5).
Welche Vorgaben macht das Regelwerk zu Lautstärke und Länge des Pfiffs?
Kurz gesagt: nahezu keine.
Zur Lautstärke finden sich keinerlei Hinweise. Zur Länge gibt es kleine Präzisierungen – beim Time-out (drei kurze Pfiffe) und beim Tor (zwei kurze Pfiffe). Von langen Pfiffen ist nicht die Rede. Bedeutet das, dass alle anderen Pfiffe gleich lang und gleich laut sein sollen? Hoffentlich nicht!
Während bei einem Zugabfahrtssignal ein immer gleich klingender Pfiff völlig ausreicht, sollten sich die Pfiffe im Handball an der jeweiligen Situation orientieren und klar unterscheidbar sein.
Was bedeutet das konkret?
Viele Entscheidungen bestehen aus einem Pfiff und einem Handzeichen. Während klare Handzeichen die Basis für transparente Entscheidungen bilden, ist der Pfiff mindestens genauso wichtig. Seine Lautstärke sollte an die Bedingungen der Halle angepasst sein: Es macht einen Unterschied, ob man vor voller Kulisse oder beinahe leerer Halle pfeift. Bei starker Geräuschkulisse – etwa durch Trommeln oder Trompeten – muss der Pfiff unabhängig von der Zuschauerzahl entsprechend lauter erfolgen.
Darüber hinaus sollten Lautstärke und Länge des Pfiffs zur Bedeutung der Entscheidung passen. Als Faustformel gilt: Je besonderer die Entscheidung, desto deutlicher (lauter oder länger) sollte der Pfiff ausfallen. Häufig spricht man in diesem Zusammenhang von der „Melodie des Pfeifens“.
Was sind „besondere“ Entscheidungen?
Häufige Entscheidungen wie Freiwürfe für die angreifende Mannschaft zählen nicht dazu. Seltenere Situationen – etwa 7-Meter-Entscheidungen, Stürmerfouls, Schrittfehler oder das Betreten des Torraums – sollten sich durch einen deutlich wahrnehmbaren Pfiff abheben. Ziel ist es, dass man bereits am Klang erkennt, dass das Spiel nicht mit einem gewöhnlichen Freiwurf fortgesetzt wird.
Übersicht: Pfiff, Lautstärke, Länge
Faustregel: Je besonderer die Entscheidung, desto lauter und/oder länger der Pfiff.
Typische Fehler vermeiden
- Dauerpfeifen ohne Differenzierung
- Unterschiedliche Pfiffe für gleiche Situationen
- Pfeifen während des Laufens (grundsätzlich vermeiden)
Merksätze für die Praxis
- Der Pfiff eröffnet die Entscheidung.
- Der Pfiff kommt vor dem Handzeichen.
- Besondere Entscheidung = besonderer Pfiff.
- Klar pfeifen, dann ruhig stehen.
- Unsicherer Pfiff = unsichere Entscheidung (auch wenn sie richtig ist).
Fazit
Der Pfiff ist deine Stimme. Er transportiert die Entscheidung genauso wie das Handzeichen. Gute Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter sind oft schon am Pfiff zu erkennen.
Im Idealfall lässt sich bereits am Klang erkennen, was entschieden wurde. Eine eindeutige Kombination aus Pfiff und Handzeichen schafft Akzeptanz und Transparenz.
Zum Abschluss ein kleines Experiment: Schließt während eines Angriffs einmal die Augen und versucht, allein anhand des Pfiffs zu erkennen, welche Entscheidung getroffen wurde. Bei Schiedsrichterinnen und Schiedsrichtern, die die „Melodie des Pfeifens“ beherrschen, werdet ihr überrascht sein, wie gut das funktioniert.
Pfiff der Woche
Unter der Rubrik "Pfiff der Woche" präsentieren wir jeweils eine beachtenswerte Szene aus dem aktuellen Spielbetrieb der Bundesligen von Männern und Frauen – und gegebenenfalls auch aus den Ligen darunter. Warum die ausgewählten Situationen besondere Beachtung verdienen? Nun, weil sie einen bestimmten Regelaspekt verdeutlichen, der uns Schiedsrichtern nicht in jedem Spiel „vor die Pfeife“ kommt.