Gespann Jan Krüger/Björn Schmidt bei einer Drittliga-Partie (Foto: IMAGO/Lobeca)
Der (neue) Weg in die 3. Liga
Die 3. Liga ist der Schmelztiegel im deutschen Schiedsrichterwesen. Bundesliga-Absteiger pfeifen dort ebenso wie Aufsteiger aus den Regionalligen, langjährige Drittliga-Routiniers ebenso wie aufstrebende Jugendbundesliga-Referees. Außerdem ist die 3. Liga der einzige Weg in den Deutschen Handballbund für all diejenigen, die nicht über den Perspektivkader – den Förderkader der Jugendbundesligen – nach oben kommen können.
„Die 3. Liga ist für Schiedsrichter, die Bock darauf haben, eine extrem attraktive Liga; die Rahmenbedingungen und der Zuschauerzuspruch sprechen für sich", sagt Thore Poguntke, der in diesem Sommer das Amt des Schiedsrichterwartes 3. Liga von Dirk Eggert übernommen hat. „Ich war selbst einige Jahre als Schiedsrichter in der 3. Liga aktiv und es macht richtig Spaß." Aktuell pfeifen 61 Schiedsrichter-Teams in der 3. Liga – darunter sind sechs Aufsteiger-Gespanne, die im vergangenen Jahr noch im Landesverband aktiv waren. Sie haben alle das neue Aufsteigerkonzept durchlaufen und sich am Ende in der Sichtung durchgesetzt.
„Vorher gab es zwölf Aufsteiger, einen Platz pro Landesverband bzw. Region", erklärt Poguntke. Mit dem neuen System habe man der Fluktuation entgegenwirken wollen. Außerdem habe man seine neuen Unparteiischen erst auf dem Sommerlehrgang kennengelernt und sie erst beim ersten Saisonspiel an der Pfeife erlebt. „Mit dem neuen Konzept können wir sie früher begleiten und besser auf die Anforderungen vorbereiten", begründet Poguntke die Reform.
Jetzt gibt es statt zwölf nur noch sechs feste Aufsteiger. „Wenn es viele Aufhörer in der 3. Liga gibt, kann es sein, dass wir in einem Jahr auch mal sieben oder acht Teams nehmen, aber sechs ist erst einmal die feste Zahl", sagt Poguntke und ergänzt: „Die Neulinge, die aus dem Perspektivkader kommen oder aus der Bundesliga absteigen, haben darauf keinen Einfluss."
Die Sichtung beginnt bereits mehrere Monate vor dem Saisonende: Jede der zehn Regionalligen meldet ihr bestes Gespann bis zum 31. Januar an die 3. Liga. Der erste Schritt ist eine Videosichtung von den Topspielen der benannten Gespanne; die Drittliga-Verantwortlichen geben den potenziellen Aufsteigern anschließend ein Feedback.
Anschließend schalten sich im zweiten Schritt alle zu einer „Onboarding-Veranstaltung", wie Poguntke es nennt, zusammen. „Wir erklären die Rahmenbedingungen und sagen, was wir von Drittliga-Schiedsrichtern erwarten und warum es geil ist, in der 3. Liga zu pfeifen", fasst der Schiedsrichterwart zusammen. „Es geht ja nicht darum, den Leuten Angst zu machen, sondern ihnen zu zeigen, warum es sich lohnt, in der 3. Liga zu pfeifen."
Wenn es um die Anforderungen gehe, falle dieser Aspekt oft hinten runter. „Die 3. Liga ist für Schiedsrichter total attraktiv und das macht man, weil man weiterkommen will", ist Poguntke überzeugt. „Der Aufwand ist natürlich anders, die Fahrten werden weiter und man muss sich entwickeln wollen, aber wenn man das will und Bock darauf hat, ist es genau der richtige Schritt."
Nach Videosichtung und „Onboarding" folgt der dritte Schritt – und die potenziellen Aufsteiger werden bereits vor dem Sommer in der 3. Liga eingesetzt. Jeder Anwärter erhält zwei Spiele in der 3. Liga, dabei werden die Teams von einem Delegierten begleitet, der sie am Spieltag unterstützt und Feedback gibt. Die sechs besten Teams steigen zur neuen Saison in die 3. Liga auf.
Natürlich müssen sich die sechs Aufsteiger aus den Landesverbänden auf dem Sommerlehrgang beweisen und die notwendigen Regel-, Video- und Lauftests bestehen. Für die Vorbereitung auf den Lehrgang erhalten sie unter anderem Bildmaterial aus alten Videotests zur Übung. Poguntke: „Außerdem gehen wir mit den Anforderungen von Beginn an sehr transparent um, sodass die Regionalligen genau wissen, was wir erwarten und ihre Leute frühzeitig entsprechend vorbereiten können."
Poguntke ist überzeugt von dem neuen System. „Gunnar Beyer, der aus unserem Ausschuss für diesen Bereich verantwortlich ist, macht eine hervorragende Arbeit", lobt er. „Wir haben total gute Erfahrungen im ersten Jahr gemacht. Die Gespanne, die wir über die Sichtung ausgesucht haben, waren so gut vorbereitet wie noch kein Schiedsrichter-Team aus dem Landesverband vorher und sie hatten einen wesentlich einfacheren Start."