Bereit für die Schlacht: Jannis Johannmeier, Kapitän des TuS Brake, in seinem Wettkampfoutfit: 1. Stirnband, 2. Thermoshirt, 3. Schweißband, 4. Ellbogenschoner, 5. hochgezogene Wadenschoner, 6. Socken, 7. Thermohosen (Foto: Oliver Krato)

Der moderne Gladiator – so gehen Sportler heute in den Wettkampf

Die Ausstattung mancher Spieler erinnert bisweilen an die martialisch gerüsteten Kämpfer der Antike. Aber es gibt klare Vorschriften.

Diesen Beitrag dürfen wir mit freundlicher Genehmigung der Neuen Westfälischen (Bielefeld) veröffentlichen. Dort erschien er am 20. November 2019 und wurde fast unverändert übernommen.

Sportler werden gerne als moderne Gladiatoren bezeichnet. Ein Vergleich, der selbstverständlich hinkt, denn auf dem Spielfeld der heutigen Zeit geht es nicht mehr um Leben und Tod oder gar gegen wilde Tiere. Optisch kommen die Heroen des 21. Jahrhunderts ihren antiken Vorgängern allerdings scheinbar wieder näher. Die Ausrüstung, mit der sich mancher Spieler vor der Partie ausstaffiert, erinnert bisweilen schon an einen Murmillo (schwer bewaffneter römischer Gladiator), Dimachaerus (Kämpfer mit zwei Klingen) oder Retiarius (leicht bewaffneter Gladiator).

Jannis Johannmeier staunte nicht schlecht. Der 31-Jährige Kapitän des TuS Brake hat bereits ein paar Jahre als Handballer auf dem Buckel, aber vor der Partie gegen Spenge erlebte er erstmals, dass die Schiedsrichter sein Stirnband überprüften. „Sie haben gefragt, ob es elastisch ist. Dann habe ich dran gezogen und sie haben es abgenickt“, erzählt Johannmeier. Da hatte der Linksaußen endlich mal zwei besonders korrekte Referees, die den Wortlaut des Regelbuchs beherrschten. In der Vorschrift 17:3 heißt es nämlich: „Außerdem stellen die Schiedsrichter die Anwesenheit der beiden Mannschaften in vorschriftsmäßiger Spielkleidung fest, prüfen das Spielprotokoll und die Ausrüstung der Spieler.“

„In meinem Alter dient das Meiste dazu, den Körper zusammenzuhalten.“

Wenn es die Herren Spielleiter mit der Überprüfung ganz ernst gemeint hätten, wäre die Partie wohl mit Verspätung angepfiffen worden. Denn allein Johannmeiers Ausstattung ist umfangreich: „In meinem Alter dient das Meiste dazu, den Körper zusammenzuhalten“, scherzt der Braker. Eine Viertelstunde brauche er zum Ankleiden. „Es ist wie ein Ritual vor dem Spiel und gehört dazu. Aber fast alles, was ich zusätzlich trage, hat auch eine Verletzung als Hintergrund und dient jetzt dem Schutz“, sagt Johannmeier.

Der Kapitän ist ein gutes Beispiel für die Vielzahl der möglichen Ergänzungen: Neben bereits beschriebenem Stirnband trägt er unter dem Trikot ein Thermo-Shirt. Den rechten Ellenbogen schützt ein klassischer Schoner. Über den linken Arm streift Johannmeier ein Schweißband. Unter der Trikothose sorgt eine Thermohose für zusätzliche Wärme. Was wie Knieschoner aussieht, sind besonders hoch gezogene Wadenschoner, die noch von zusätzlichen Socken gehalten werden.

Darf der das alles? Klare Antwort: Ja. Regel 4:9 beschreibt umfangreich, wie die Ausrüstung auszusehen hat: „Das Tragen von Gegenständen, welche die Spieler gefährden könnten, ist nicht erlaubt. Dies umfasst zum Beispiel Kopfschutz, Gesichtsmaske, Armbänder, Armbanduhren, Ringe, sichtbares Piercing, Halsketten oder Ketten, Ohrschmuck, Brillen ohne Haltebänder oder mit festen Gestellen sowie alle anderen Gegenstände, welche eine Gefährdung darstellen könnten. Flache Ringe, kleine Ohrringe und Piercing sind erlaubt, wenn sie abgedeckt sind und Spieler nicht gefährden. Das Tragen von Stirnbändern, Kopftüchern und Kapitänsbinden aus weichem, elastischem Material ist erlaubt.“

Wie verhält es sich mit langen, künstlichen Fingernägeln?

Der Schiedsrichterwart des Handballkreises Bielefeld/Herford, Sven Windmann, fasst es zusammen: „In erster Linie geht es um Sachen, die sichtbar sind und den Gegner verletzen könnten.“ Der Tiefschutz beim Torwart ist unstrittig – er muss sein und ist obendrein verdeckt. Doch es gibt Grauzonen: Stützen aus Hartplastik am Fußgelenk etwa. „Am Fuß stellen sie weniger eine Gefährdung dar, als etwa am Ellenbogen oder Knie“, sagt Windmann.

Eine besonders kniffelige Frage erreichte Windmann bei einer Schiedsrichter-Tagung: „Kollegen, die viel im Frauenbereich pfeifen, fragten, wie es sich mit langen, künstlichen Fingernägeln verhält.“ Hierzu hat der DHB bereits im handballschiedsrichter 3/2014 klar Stellung bezogen.

Am Ende – und auch da unterscheidet sich der moderne Sport von den Gladiatorenkämpfen der Antike – darf der Gegner nur durch die sportliche Leistung zur Strecke gebracht werden.