Darnel Jansen und Lucas Hellbusch sind auf der Platte und als Freunde ein gutes Gespann. (Foto: IMAGO/wolf-sportfoto)

Der Gespannpartner: Mehr als nur der „Pfeif-Kumpan“

Für Lucas Hellbusch und Darnel Jansen stand von Anfang an fest, dass sie gemeinsam pfeifen wollen. Die beiden Freunde haben es bis in die Bundesliga geschafft. Sie sind überzeugt: „Von Anfang an zu zweit pfeifen zu können bzw. zu dürfen, kann ein großer Anreiz sein.“

Es dürfte nur wenige Menschen geben, mit denen Lucas Hellbusch und Darnel Jansen in den vergangenen Jahren mehr Zeit verbracht haben als miteinander. Die beiden 25-Jährigen pfeifen seit zehn Jahren im Gespann, zur Saison 2021/22 stieg das Duo in den Elite-Anschlusskader des Deutschen Handballbundes auf.

Begonnen hat die Karriere der beiden talentierten Referees ganz klassisch: Die damals 15-Jährigen spielten selbst Handball, der Verein suchte Schiedsrichter und die beiden Freunde probierten es einfach mal aus – allerdings unter einer Bedingung. „Wir haben von Anfang an klar gesagt: Wenn wir pfeifen, dann gemeinsam“, erinnert sich Hellbusch. Ihre ersten Einsätze hatten die beiden Jugendlichen dennoch alleine – die Ausbildung war in dieser frühen Phase nicht auf Gespanne angelegt.

„Die Erfahrung, alleine auf dem Feld zu stehen, kann hilfreich sein, aber dennoch ist es schade, dass es damals so ausgelegt war, dass wir die ersten Spiele alleine überstehen mussten“, blickt Jansen zurück. „Ich glaube, von Anfang an zu zweit pfeifen zu können bzw. zu dürfen, kann ein großer Anreiz sein – so lassen sich vielleicht zwei Freunde gemeinsam (als Schiedsrichter; Anm. d. Red.) gewinnen, die diesen Schritt alleine nicht gehen würden. Ich halte das für ein probates Mittel für die Zukunft.“

Für Hellbusch und Jansen war genau dieser Weg erfolgreich: Die beiden Freunde hielten durch, kämpften sich nach oben und sind heute gemeinsam in der 1. Bundesliga angekommen. Dass es auch anders laufen kann, erlebten beide hautnah mit. „Mein jüngerer Bruder hat seinen Gespannpartner durch einen Umzug ‚verloren‘ und war kurz davor, hinzuschmeißen“, sagt Jansen. „Nur, weil er durch einen Zufall einen neuen Partner gefunden hat, macht er weiter.“

Solche Geschichten gibt es immer wieder – Schiedsrichter, die aufhören, weil der Gespannpartner aus beruflichen oder privaten Gründen wegbricht. Ein weiterer Knackpunkt: Schiedsrichter-Neulinge, die nach der Ausbildung schnell wieder aufhören – auch, weil sie alleine ins ‚kalte Wasser’ geschmissen wurden. „Du brauchst natürlich weiterhin Einzel-Schiedsrichter, denn sonst ließen sich gerade in den unteren Ligen nicht alle Spiele besetzen“, weiß auch Hellbusch. „Aber es wäre durchaus sinnvoll, in der Ausbildung dazu überzugehen, von Anfang an gezielt Gespann-Lehrgänge anzubieten.“

Denn mit einem Gespannpartner an der Seite, da sind sich Hellbusch und Jansen einig, ist es leichter. „Ich habe einen großen Respekt vor den Schiedsrichtern, die alleine pfeifen, denn du kannst nun einmal gar nicht alles sehen, was auf dem Spielfeld passiert“, betont Hellbusch. „Bist du zu zweit, nimmst du einfach mehr wahr.“

Das ist jedoch der rein fachliche Teil – viel schwerer wiegt der emotionale Part. „Ich vergleiche das gerne mit einem Urlaub“, beschreibt Jansen. „Alleine in den Urlaub zu fahren, ist schön – aber noch schöner ist ein Urlaub zu zweit, sodass man die Erlebnisse miteinander teilen kann. Ich würde es bereuen, wenn ich alle Erfahrungen, die Lucas und ich gemeinsam machen durften, alleine erlebt hätte.“

Das ist für die beiden Freunde ein wichtiger Punkt. „Handball ist ein Teamsport – und auch als Schiedsrichter ist es schöner, wenn du nicht alleine dastehst, sondern selbst ein Team bildest“, sagt Hellbusch. Jansen stimmt zu: „Man freut sich gemeinsam über das, was gut lief und muss nicht alleine mit dem kämpfen, was nicht gut lief.“

Dass es schwer sein kann, den richtigen Gespannpartner zu finden, wissen die beiden Schiedsrichter. „Man muss sich unbedingt bewusst machen, dass der Handball nicht nur die 60 Minuten auf der Platte sind, sondern man viel mehr Zeit miteinander verbringen wird“, rät Jansen. „Es ist oft ein guter Indikator, sich auch mal außerhalb der Halle zu treffen. Wenn man sich bei einer Tasse Kaffee gut versteht, ist das schon einmal die halbe Miete.“ 

Außerdem sei es wichtig, sich bewusst zu machen, dass es nicht von Anfang an rund laufen kann. „Sich als Gespann zu finden, ist eine Herausforderung“, weiß auch Hellbusch. „Man muss offen dafür sein, gemeinsam an sich zu arbeiten. Dieser Prozess braucht Zeit.“ In die Entwicklung als Gespann spielen viele Faktoren hinein, wie auch die ehemaligen Bundesliga-Schiedsrichter Kay Holm und Peter Behrens betonten ("Wie findet man als junges Gespann den eigenen Weg").

Von Anfang an befreundet zu sein, ist aus Sicht von Hellbusch und Jansen übrigens kein Muss – auch, wenn es bei ihnen funktioniert hat. „Natürlich ist es eine klasse Lösung, mit dem besten Kumpel loszuziehen, aber das sollte kein Ausschlusskriterium sein“, sagt Hellbusch. „Denn so sehr es hilft – eine zu enge Freundschaft kann auch im Weg stehen, wenn man beispielsweise Kritik äußern müsste, den anderen aber nicht verletzen will.“

Parallel zu ihrer eigenen Karriere bringen sich Hellbusch und Jansen bereits jetzt in der Nachwuchsarbeit ein. In ihrem Handball-Bezirk Darmstadt halten sie Vorträge bei Lehrabenden oder Neulingsausbildungen. „Ich werbe immer dafür, das Pfeifen auf jeden Fall auszuprobieren – es ist keine Schande, aufzuhören, aber es lohnt sich, dem eine Chance zu geben“, fasst Jansen zusammen. „Wenn man sich alleine schwertut oder sich nicht so recht traut, sollte man es unbedingt zu zweit versuchen. Das Gefühl mit einem Gespannpartner ist ganz anders.“ Denn auch beim Pfeifen, ergänzt Hellbusch, gelte ein einfacher Grundsatz: „Teamwork makes the dream work.“