Quelle: DHB

Der Ball – das Objekt der Begierde

Ohne Ball kein Spiel und ohne Ballbesitz keine Möglichkeit, ein Tor zu erzielen. Der Kampf um den Ball ist aber nicht nur während des Spiels ein Thema. Denn schon vor dem Spiel kommt es mitunter, insbesondere in den unteren Klassen, zum Kampf um den Ball, nämlich immer dann, wenn es um die Auswahl der "richtigen" Bälle geht. Im heutigen Beitrag beleuchten wir Aspekte, die gerade an und für die Basis wichtig sind.

Wie viele Bälle müssen eigentlich vorhanden sein?

Gemäß Regel 3:4 müssen bei jedem Spiel mindestens zwei Bälle vorhanden sein. […] Die Bälle müssen den Regeln 3:1-2 entsprechen.

Manchmal hilft auch ein Blick in die jeweiligen Durchführungsbestimmungen, denn hier könnte eine abweichende Anzahl festgelegt sein.

So heißt es in der „Richtlinien für die Durchführung von Spielen der Lizenzligen (DFO)“ der HBL: „Der Heimverein stellt für das Spiel drei der Regel 3:2 der Internationalen Handballregeln (IHR) entsprechenden Bälle. Bei Spielen der Bundesliga mit Fernsehübertragung müssen dies drei neuwertige Bälle sein. Heimvereine der Bundesliga müssen einen Geo-Daten-Tracking (derzeit: KINEXON) unterstützenden Ball ihres Ballpartners verwenden, der dreifach funktionsbereit vorhanden sein und im Spiel genutzt werden muss. Ein nicht funktionsbereiter Spielball muss nach Aufforderung des technischen Delegierten unverzüglich (jedoch spätestens bei nächstmöglicher Spielunterbrechung) ausgetauscht werden.“

Kann die Heimmannschaft keinen entsprechenden Ball zur Verfügung stellen, können die Schiedsrichter auch auf Bälle der Gastmannschaft zurückgreifen. Dies sollte aber dann auch von den Schiedsrichtern im Spielprotokoll vermerkt werden.

Wer bestimmt mit welchen Bällen gespielt wird?

Gemäß Regel 17:3 sind die Schiedsrichter verantwortlich für das Prüfen […] der Bälle vor Spielbeginn. Sie bestimmen, welche Bälle zum Einsatz kommen (3:1).

Spätestens an dieser Stelle muss die Frage kommen: Wer stellt eigentlich die erforderliche Anzahl an Spielbällen?

Aus den oben angeführten Regelpassagen wird deutlich, dass das im Regelwerk nicht festgelegt ist. Das Regelwerk schreibt lediglich vor, dass bei jedem Spiel mindestens zwei Bälle vorhanden sein müssen. Wenn also im Regelwerk keine Festlegung dazu getroffen wird, muss man sich die Mühe machen, in die Durchführungsbestimmungen zu schauen (z.B. der Heimverein stellt für das Spiel die entsprechenden Bälle). Ist auch hier keine Festlegung getroffen, dann können die Schiedsrichter auch entscheiden einen Ball vom Gastverein zu nehmen, wenn er den Regeln entspricht.

Es kann daher festgehalten werden, dass nicht zwingend der Heimverein die Bälle stellen muss, es sei denn, es ist in den Durchführungsbestimmungen so festgelegt.

Die Bälle vom Gastverein könnten aber trotzdem zum Einsatz kommen, auch wenn in den Durchführungsbestimmungen der Heimverein dazu verpflichtet ist. Denn folgende Problemstellung könnte eintreten, dass zu Spielbeginn kein regelgerechter Ball durch den Heimverein zur Verfügung gestellt werden kann.

Hier ist die Lösung: Kann die Heimmannschaft keinen entsprechenden Ball zur Verfügung stellen, können die Schiedsrichter auch auf Bälle der Gastmannschaft zurückgreifen. Dies sollte aber dann auch von den Schiedsrichtern im Spielprotokoll vermerkt werden.

Sind zu Spielbeginn überhaupt keine regelgerechten Bälle vorhanden, ist trotzdem anzupfeifen und so lange damit zu spielen, bis ein korrekter Ersatz eingetroffen ist. Die Spieldurchführung hat in analoger Anwendung von Regel 17:12 2. Satz Vorrang. Der Vorgang ist von den Schiedsrichtern im Spielprotokoll zu vermerken.

Abschließend bleibt noch die Frage offen: Wie kann der Schiedsrichter den Ball überprüfen?

Lösung: Sind die IHF-Kategorien auf dem Ball vermerkt, erübrigt sich eine weitere Überprüfung. Wenn nicht, sollten die Schiedsrichter den Ball mit einem Maßband überprüfen (setzt aber voraus, dass die Schiedsrichter ein Maßband in ihrer Ausrüstung dabeihaben). Wenn sie dennoch durchgeführt werden muss, dann wird empfohlen, dies ausschließlich in der Schiedsrichterkabine, ohne weitere beteiligte Personen zu tun.

Hinweis

Im Spielbetrieb des DHB müssen Handbälle der Kategorie gemäß Regel 3.2a verwendet werden, auch wenn ohne Harz gespielt wird.

Anmerkung

Über die Verwendung von Haftmitteln wird hier bewusst keine Aussage gemacht, da das in den Landesverbänden, Bezirken und/oder Kreisen sehr unterschiedlich gehandhabt wird. Zu beachten sind jedoch die Bestimmungen zur Regel 4:9 und die entsprechenden Bestimmungen in den Guidelines.

Fazit

Die Mindestanzahl ist im Regelwerk festlegt, Abweichungen sind ggf. in den Durchführungsbestimmungen zu finden.

Wer die erforderlichen Bälle zur Verfügung stellen muss, ist in den Durchführungsbestimmungen zu regeln. Ist dort keine Festlegung getroffen, kann der Schiedsrichter auch Bälle vom Gastverein nehmen.

Letztendlich prüfen und bestimmen die Schiedsrichter welche Bälle zum Einsatz kommen.

Welche Bälle in welchen Altersklassen zu verwenden sind, ist hier im SR-Portal unter Der Ball (Link hier) im DHB Schiedsrichterportal zu finden.

Zugetragene Anekdote

Bei einem Männerspiel in der unteren Klasse ging es auch um das Thema Bälle.

Ein Spieler von einem der beteiligten Vereine stellte seinen persönlichen Ball zur Verfügung, der auch von den Schiedsrichtern akzeptiert und als Spielball genutzt wurde. Der besagte Spieler wurde dann Anfang der 2. Halbzeit disqualifiziert. Nach zeigen der Roten Karte nahm er den (seinen Ball) unter den Arm und sagte „Wenn ich nicht mehr mitspielen darf, dann nehme ich auch meinen Ball mit“.  Wie die Schiedsrichter darauf reagierten, wurde leider nicht überliefert.