Quelle: DHB

Der Anwurf

Die Ausführung des Anwurfs aus der Anwurfzone hat sich insgesamt positiv auf eine schnelle Spielfortsetzung ausgewirkt und macht es für die Schiedsrichter in einigen Punkten prinzipiell einfacher. Worauf es für die Schiedsrichter ankommt und was genau zu beachten ist, wurde hier im SR-Portal schon mehrmals thematisiert. Auch wenn die Ausführung aus der Anwurfzone seit 01.07.2022 neu ist, haben sich einige Regelauslegungen im Vergleich zur alten Ausführung aber nicht geändert.

Was im Video geschieht

Mannschaft ROT erzielt ein Tor und Mannschaft BLAU will schnell den Anwurf ausführen. Der Torwart spielt den Ball ungehindert zu BLAU 4, der mit dem Ball in die Anwurfzone läuft. Nachdem er sich mit Ball und mindestens mit einem Fuß in der Anwurfzone befindet und der Schiedsrichter den Anwurf anpfeift, spielt er den Ball ungehindert noch innerhalb der Anwurfzone zu seinem Mitspieler BLAU 25. Während der Ausführung läuft der Torschütze von Mannschaft ROT vor den Spielern von Mannschaft BLAU durch die Anwurfzone. Kurz nach dem Anpfiff zum Anwurf unterbricht der Schiedsrichter das Spiel mit einem Time-out und bestraft den Torschützen von Mannschaft ROT mit einer Hinausstellung.

Regeltechnische Einordnung von Kay Holm, Leiter Bereich Lehre im DHB-Schiedsrichterwesen

Der Anwurf ist innerhalb von drei Sekunden nach Anpfiff von der Anwurfzone aus in beliebiger Richtung auszuführen. Der Anpfiff durch die Schiedsrichter kann erfolgen, wenn sich der Ball innerhalb der Anwurfzone befindet und der Werfer mindestens einen Fuß (vollständig) innerhalb der Anwurfzone hat.

Gegenüber dem Anwurf zu Beginn einer Halbzeit bestehen zum Anwurf nach einem Torerfolg wichtige Unterschiede. Während sich im ersten Fall alle Spieler in der eigenen Hälfte befinden müssen, dürfen sich die Abwehrspieler beim Anwurf nach einem Torerfolg in beiden Hälften der Spielfläche aufhalten. Sie müssen sich dabei jedoch – wie auch im ersten Fall – außerhalb der Anwurfzone befinden und dürfen Ball oder Gegenspieler innerhalb der Anwurfzone nicht berühren, bis der Wurf als ausgeführt gilt.

In diesem Beispiel befindet sich der ausführende Spieler BLAU 4 mit mindestens einen Fuß sowie dem Ball innerhalb der Anwurfzone. Der Anwurf gilt als ausgeführt, da der Ball (ungehindert) gepasst und von einem Mitspieler (ungehindert) innerhalb der Anwurfzone gefangen wurde. Ein Spieler der verteidigenden Mannschaft ROT läuft dabei durch die Anwurfzone.

Die entscheidende Frage hier ist also, wie der Fehler der gegnerischen Mannschaft bei der Wurfausführung zu bewerten, bzw. ob der Fehler zu ahnden ist? Haben die Schiedsrichter also korrekt gehandelt?

Antwort: NEIN. Das Verhalten des Abwehrspielers ist zwar nicht korrekt, es hat allerdings keine Auswirkung auf die (schnelle) Ausführung des Anwurfes. Der zurücklaufende Spieler nimmt keinen Einfluss auf die Ausführung. Die richtige Lösung wäre hier gewesen: Vorteil laufen lassen, im Nachgang Hinweis an den Spieler.

Dies war übrigens nicht anders bei der alten Ausführung des Anwurfes, wenn der erforderliche 3m-Abstand nicht eingehalten wurde. Ergo hat sich diesbezüglich nichts geändert.