Quelle: DHB
Der Anwurf
Was im Video geschieht
Mannschaft ROT erzielt ein Tor und Mannschaft SCHWARZ will den Anwurf schnell ausführen. Es befindet sich ein Spieler (SCHWARZ 22) komplett in der Anwurfzone (weißer Kreis), SCHWARZ 9 steht vor SCHWARZ 22 am Rand der Anwurfzone. SCHWARZ 9 erhält den Ball vom Torhüter auf der Anwurfzonenlinie. Der Schiedsrichter pfeift den Anwurf an und SCHWARZ 9 läuft nach rechts weg und überschreitet die Anwurfzonenlinie, bevor der Wurf als ausgeführt gilt. Die Schiedsrichter entscheiden auf Freiwurf für Mannschaft ROT.
Regeltechnische Einordnung von DHB-Schiedsrichterlehrwart Kay Holm
Der Anwurf ist innerhalb von drei Sekunden nach Anpfiff von der Anwurfzone aus in beliebiger Richtung auszuführen. Der Anpfiff durch die Schiedsrichter kann erfolgen, wenn sich der Ball innerhalb der Anwurfzone befindet und der Werfer mindestens einen Fuß in der Anwurfzone hat.
Der Werfer darf die Anwurfzonenlinie mit keinem Körperteil überschreiten, bevor der Wurf als ausgeführt gilt. Er darf sich innerhalb der Anwurfzone bewegen, den Ball jedoch nach dem Anpfiff nicht mehr prellen.
Fehleranalyse
An dieser Stelle wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass der Anpfiff durch die Schiedsrichter erst erfolgen kann, wenn sich der Ball innerhalb der Anwurfzone befindet und der Werfer mindestens einen Fuß (deutlich) darin hat.
In diesem Beispiel befindet sich der ausführende Spieler SCHWARZ 9 nicht mit mindestens einem Fuß innerhalb der Anwurfzone. Das bloße Berühren der Linie reicht in keinem Fall aus. Grenzwertig ist auch, ob sich auch der Ball innerhalb der Anwurfzone befand.
Die Schiedsrichter müssen sicher daher vor dem Anpfiff davon überzeugen, ob beide Kriterien bei dem ausführenden Spieler erfüllt sind.
Fazit
Der Schiedsrichter hätte in dieser Situation den Anwurf nicht anpfeifen dürfen, sondern die Stellung des Ausführenden hätte korrigiert werden müssen. Die Entscheidung auf Freiwurf für ROT ist dann insoweit korrekt, da SCHWARZ 9 nach dem (falschen) Anpfiff nach rechts läuft und die Anwurfzonenlinie überschreitet, bevor der Wurf als ausgeführt gilt.
Was kann ein Schiedsrichter besser machen?
Der Feldschiedsrichter muss bereit sein, den Anwurf umgehend anzupfeifen, wenn der Werfer eine korrekte, regelgerechte Position erreicht hat bzw. die Kriterien erfüllt sind – vorausgesetzt, es bedarf keiner Korrektur von Positionen des Ausführenden oder anderer Spieler.
Dazu muss sich aber der Torschiedsrichter nach einem Torerfolg umgehend um eine gute Beobachtungsposition bemühen. Neben dem richtigen Timing für den Anpfiff ist auch eine optimale Sicht auf die Anwurfzone zwingend erforderlich.
In diesem Beispiel verharrt der Torschiedsrichter zu lange in seiner Position. Er muss schneller Richtung Mittelinie laufen und auf den Anwurf schauen. Hier erfolgt der Anpfiff von neun bis zehn Meter (also ca. 11 bis 12 m vom Mittelpunkt entfernt) – da hat der TSR eher ein Problem, eine korrekte Stellung gut zu beurteilen.
Pfeift besonders am Anfang die eindeutigen Situationen ab, damit sich die Vereine dahingehend gewöhnen können und Euch nicht in Zugzwang bringen wollen, indem sie erwarten, dass ihr unmittelbar dann anpfeift, wenn der Anwerfende gerade den Kreis berührt.
Hinweis auf einen Beitrag zum neuen Anwurf
Den Beitrag vom 25. Juli 2022 zum neuen Anwurf finden Sie hier.