Quelle: DHB

Kopftreffer beim 7-Meter-Wurf

Ein harter 7-Meter-Wurf kann für den Torwart eine Gesundheitsgefährdung darstellen. Hin und wieder zielen 7-Meter-Schützen leider in die Nähe des Kopfes des Torhüters, um diesen zu verunsichern oder seinen Angstreflex zu nutzen.

Was im Video geschieht

ROT 10 führt einen 7-Meter-Wurf aus. Nachdem der Schiedsrichter den Wurf angepfiffen hat, macht der Werfer eine Täuschungsbewegung. Der Torwart reagiert darauf, indem er vom Werfer in die angetäuschte Ecke geht. Da der Werfer aber die Situation nicht nutzt und mit dem Wurf wartet, kommt der Torwart wieder zurück in die Ausgangsposition und wird bei der Abwehrbewegung am Kopf/im Gesicht getroffen.

Die Entscheidung lautet: Vollverantwortung beim Werfer + direkter Kopftreffer = Disqualifikation ohne Bericht (DoB)

Spielfortsetzung: Freiwurf für die Torwartmannschaft

Regeltechnische Einordnung von Kay Holm, Leiter Bereich Lehre im DHB-Schiedsrichterwesen

Regel 8:9d wertet Kopftreffer des 7-Meter-Schützen als grob unsportlich. Bisher kam eine Disqualifikation nur in Betracht, wenn der Wurf den Torwart am Kopf trifft, ohne dass er diesen Richtung Ball bewegte. Die Intensität des Wurfs spielte für die Bewertung keine Rolle.

Eher „unglückliche“ bzw. zufällige Kopftreffer bei normalen Abwehrbewegungen des Torwarts waren bis dato nicht strafwürdig!
Jetzt muss sich der Werfer darüber im Klaren sein, dass allein er für die Folgen eines gesundheitsgefährdenden Kopftreffers verantwortlich gemacht wird. Er muss also das Risiko einer Disqualifikation abwägen, wenn er Würfe in Kopfnähe platzieren will. Obwohl der Regeltext bei Regel 8:9d bei der Regeländerung unverändert geblieben ist, hat die IHF ihre Interpretation eines Kopftreffers bei einem 7-Meter-Wurf auf die gleiche Auslegung (was die Bewegung des Torwarts angeht, aber nicht das Strafmaß) wie bei einem freien Wurf aus dem Spiel heraus auf den Torwart angepasst. Das hat in der Praxis folgende Konsequenzen:

  1. Torwarttypische Aktionen, die zu einem Treffer am Kopf führen, werden auch beim 7-Meter-Wurf der Verantwortung des Schützen (hier Vollverantwortung wegen ruhender Ausgangslage) zugeführt, d. h. die bisher geltende „fadenkreuzartige“ Abweichung beim Treffer gilt nicht mehr.
  2. Straffrei bleiben in allen dynamischen Fällen die vom Torwart bewusst herbeigeführten Kopftreffer (z. B. beim Lob-Shot bzw. Heber/Leger), die quasi als Kopfball gehalten werden, denn dabei geht eindeutig der Kopf zum Ball und nicht der Ball zum Kopf. Dass solche Dinge passieren, ist eher theoretischer Natur. Das Ziel des Gesundheitsschutzes ist hier auch nicht der zentrale Punkt. Die gleiche Auslegung gilt ebenso bei Regel 8:9e.

Die Regelinterpretation wird für den Bereich des DHB empfohlen.

Fazit

Die Konsequenz bei einem Kopftreffer bei der 7-Meter-Ausführung oder bei einem direkten Freiwurf bleibt unverändert die Disqualifikation. Die Einschränkung der Wurflinie entfällt. In beiden Situationen liegt die volle Verantwortung beim Werfer, sodass dem direkten Kopftreffer die DoB folgt.

Spielfortsetzung: Freiwurf für die nicht fehlbare Mannschaft.

Kopftreffer bei einem direkten Freiwurf

Quelle: DHB

Regeltechnische Einordnung von Kay Holm, Leiter Bereich Lehre im DHB-Schiedsrichterwesen

Der Abwehrspieler BLAU springt hoch und wird dabei von ROT 15 am Kopf getroffen. Hier ist nach der neuen Anweisung eine DoB gemäß Regel 8:9e zu geben.