Quelle: DHB
Der achte Spieler und die Folgen
Was im Video geschieht
Mannschaft WEISS spielt mit sechs Feldspielern im Angriff gegen Mannschaft BLAU. WEISS 10 erzielt ein Tor. Mannschaft BLAU führt einen schnellen Anwurf aus. RA WEISS 11 wechselt aus und WEISS 24 und WEISS 25 wechseln ein. WEISS 25 fängt den Pass von Mannschaft BLAU ab und startet einen Gegenstoß, den er nicht erfolgreich abschließt.
Regeltechnische Einordnung von Kay Holm, Leiter des Bereichs Lehre im DHB-Schiedsrichterwesen
Betritt ein zusätzlicher Spieler die Spielfläche, ohne ein vorheriges Verlassens eines anderen Spielers derselben Mannschaft, erhält dieser Spieler eine Hinausstellung (Regel 4:6).
Wer in diesem Beispiel der zusätzliche Spieler ist, der die Spielfläche ohne Auswechselung betritt, ist nicht eindeutig im Video sichtbar. Hier in dieser Situation wechselt Spieler WEISS 11 aus und zwei Spieler WEISS wechseln ein (WEISS 24 und WEISS 25)! Da WEISS 25 den Pass abfängt, ist vermutlich er der fehlbare Spieler.
Gemeinsame Aufgabe von Zeitnehmer/Sekretär
Beide kontrollieren zusammen die ordnungsgemäße Besetzung der Auswechselbänke. Darüber hinaus überwachen sie die Auswechselvorgänge. Die Beobachtung der Auswechselvorgänge und Auswechselbänke wird in der Regel zwischen Zeitnehmer und Sekretär aufgeteilt: Jeder übernimmt die Mannschaft auf seiner Seite.
Wie ist zu verfahren, wenn die Regelwidrigkeit wahrgenommen wird?
In solchen Fällen muss der Zeitnehmer sofort pfeifen und den fehlbaren Spieler benennen. Wenn Z/S bzw. Delegierter WEISS 25 als zusätzlichen Spieler wahrgenommen hätten, erhält er auch die Hinausstellung.
Was ist aber, wenn Z/S und Delegierter nicht mitbekommen haben, wer der zusätzliche Spieler ist?
Lässt sich der fehlbare Spieler nicht mehr feststellen, ist wie folgt vorzugehen (IHF-GUIDELINES Zusätzlicher Spieler; Regel 4:6, Abs. 1):
Der Technische Delegierte (die Schiedsrichter) fordern den Mannschaftsverantwortlichen auf, den fehlbaren Spieler zu benennen. Dieser Spieler erhält eine Hinausstellung, die ihm persönlich angelastet wird.
Weigert sich der Mannschaftsoffizielle, den fehlbaren Spieler zu benennen, benennt der Technische Delegierte (die Schiedsrichter) einen Spieler. Dieser Spieler erhält eine Hinausstellung, die ihm persönlich angelastet wird.
Wichtiger Hinweis:
Als „fehlbarer Spieler“ kann nur ein Spieler benannt werden, der sich zum Zeitpunkt der Unterbrechung auf der Spielfläche befindet. Handelt es sich für den benannten Spieler um seine dritte Hinausstellung, ist er nach Regel 16:6d zu disqualifizieren.
Wie sähe es mit der Spielfortsetzung aus?
Das Spiel wird mit Freiwurf BLAU mit Anpfiff an der Stelle ausgeführt, an der die Regelwidrigkeit begangen wurde (13:6).
Fazit:
Dass die „Überzahl“ keinem der Beteiligten und auch nicht den Zuschauern unmittelbar aufgefallen ist, ist schon erstaunlich. Auch wenn die Balleroberung keine Konsequenzen hatte (kein Tor), ist dennoch Mannschaft BLAU benachteiligt. Denn durch die Regelwidrigkeit hätte Mannschaft WEISS für zwei Minuten in Unterzahl spielen müssen. Solche Aktionen dürfen nicht erst nach dem Spiel aufgedeckt werden.
Pfiff der Woche
Unter der Rubrik "Pfiff der Woche" präsentieren wir jeweils eine beachtenswerte Szene aus dem aktuellen Spielbetrieb der Bundesligen von Männern und Frauen – und gegebenenfalls auch aus den Ligen darunter. Warum die ausgewählten Situationen besondere Beachtung verdienen? Nun, weil sie einen bestimmten Regelaspekt verdeutlichen, der uns Schiedsrichtern nicht in jedem Spiel „vor die Pfeife“ kommt.