Torwart Finn Zecher beim Abwurf (Quelle: IMAGO/Picture Point)

Der Abwurf – Die schnelle Ausführung ist vorteilhaft, muss aber korrekt sein!

Mit dem Abwurf bringt der Torwart den Ball wieder ins Spiel. Häufig ist das bereits ein entscheidender Pass zu einem Mitspieler, der mit einem Gegenstoß die gegnerische Mannschaft überlaufen kann. Seitdem Mannschaften häufiger mit dem siebten Feldspieler agieren, werden mit dem Abwurf auch häufiger Tore erzielt. Daher ist auf eine korrekte Ausführung zu achten.

Beispiel 1

Mannschaft SCHWARZ ist im Angriff und SCHWARZ 7 führt einen Torwurf aus, der über das Tor ins Toraus geht. Die Schiedsrichter entscheiden auf Abwurf für Mannschaft WEISS. Der Torwart holt schnell den Ball, um den Abwurf auszuführen. Noch deutlich hinter der Torauslinie passt er den Ball zu WEISS 33. Die Schiedsrichter lassen den Angriff weiterlaufen.

Quelle: DHB

Beispiel 2

Mannschaft WEISS ist im Angriff und WEISS 20 führt einen Torwurf aus, der neben das Tor ins Toraus geht. Die Schiedsrichter entscheiden auf Abwurf für Mannschaft BLAU/ROT. Der Torwart holt schnell den Ball, um den Abwurf auszuführen. Noch hinter der Torauslinie führt er den Abwurf aus. Die Schiedsrichter lassen den Angriff weiterlaufen.

Quelle: DHB

 

Regeltechnische Einordnung von Kay Holm, Leiter Bereich Lehre im DHB-Schiedsrichterwesen

Abwurfsituationen – auch an deutliche Zeichengebung sowie den frühen Start denken!

Attraktives Tempospiel durch klare Handzeichen für die Spielfortsetzung unterstützen: z. B. bei der Entscheidung auf Abwurf immer Handzeichen Nr. 8 geben.

Quelle: DHB

Wie verhält sich nun der Torschiedsrichter?

Um rechtzeitig eine adäquate Feldschiedsrichterposition zu erreichen (z. B. bei einem unmittelbar folgenden Gegenstoß), kann der Torschiedsrichter durchaus schon starten, während der Torwart den Abwurf ausführt. Er sollte etwa auf Höhe der Freiwurflinie beobachten, ob der Torwart den Abwurf korrekt ausführt, und gleichzeitig die Spieler auf seiner Höhe im Blick haben.

Hier das korrekte Verhalten von Torwart, Mit- und Gegenspielern bei der Abwurfausführung:

Torwart

Der Abwurf wird vom Torwart aus dem Torraum über die Torraumlinie ausgeführt. Der Torwart muss sich innerhalb seines Torraums befinden und der Ball muss in Richtung Spielfeld gespielt werden. Der Abwurf ist erst dann ausgeführt, wenn der Ball die Hand des Torwarts verlassen und die Torraumlinie überschritten hat.

Beachte: Spielt eine Mannschaft ohne Torwart, muss zur Ausführung des Abwurfs ein Feldspieler gegen einen Torwart ausgewechselt werden.

Mit- und Gegenspieler

Beliebige Verteilung, sofern nicht die Torraumlinie betreten wird und dies Einfluss auf den Abwurf hat. Der Ball darf von ihnen erst berührt werden, nachdem er die Torraumlinie vollständig überquert hat.

Wichtig: Der Abwurf wird nicht angepfiffen; Ausnahmen sind bspw. bei Wiederaufnahme nach Time-out, Verzögerungen des Torwarts, etc.

Fazit

Beide Abwürfe in Video 1 und 2 wurden nicht regelkonform ausgeführt, da sich die beiden Torhüter bei der Ausführung nicht innerhalb ihres Torraums befanden. Der Ball wurde deutlich hinter der Torauslinie gespielt.

In derartigen Situationen ist aber nicht erforderlich, dass sich der Torwart vollständig (mit beiden Füßen) im Torraum befinden muss. Hier ist es auch ausreichend, wenn sich nur ein Fuß innerhalb des Torraums befindet (siehe Ausführung Video 3).

Richtige Entscheidung wäre gewesen: Korrektur und Anpfiff.

Beispiel 3

Quelle: DHB

Quintessenz

Der Torschiedsrichter muss zwingend auf eine korrekte Ausführung des Abwurfs achten. Die Kunst des Schiedsrichters ist zum einen, nicht den Anschluss an das Spiel zu verlieren und zum anderen, dennoch auf eine korrekte Ausführung zu achten.

Hier nochmal eine Übersicht, über die häufigsten Fehler bei der Abwurfausführung:

Genereller Hinweis

Der Feldschiedsrichter sollte seine Position erst dann verlassen, wenn er sicher ist, dass die Spielfortsetzung mit Abwurf erfolgen soll. Ein voreiliger Start zum anderen Tor ohne Absicherung (Blickkontakt zum Partner) kann wie eine vermeintlich widersprüchliche Entscheidung der Schiedsrichter wirken und für die Spieler ein falsches ‚Signal’ zur Spielfortsetzung sein. Hatte sich der Torschiedsrichter nämlich für eine andere Spielfortsetzung entschieden, ist der Unmut bei Spielern, Offiziellen wie Zuschauern in der Regel groß.