Das Spielfeld muss für Spielaktionen genügen
Um mit möglichst viel Schwung einen Sprungwurf weit in den gegnerischen Torraum hinein ausführen zu können, startet die Aktion gelegentlich schon außerhalb des Spielfelds. Das Videobeispiel ist ein beredtes Beispiel für ein solch regelwidriges Verhalten.
Hier die regeltechnische Einordnung von DHB-Schiedsrichterwart Wolfgang Jamelle:
Gemäß Regel 7:10 Abs. 2 müssen die Schiedsrichter einen Spieler der ballbesitzenden Mannschaft, der die Spielfläche verlässt, auffordern, auf die Spielfläche zurückzukehren.
Für den Fall, dass der Spieler die Anweisung der Schiedsrichter ignoriert oder sich ein solches Verhalten bei dieser Mannschaft zum wiederholten Male ereignet, haben die Schiedsrichter auf Freiwurf für die abwehrende Mannschaft zu entscheiden. Zu Beginn der Situation greifen die Schiedsrichter allerdings noch nicht ein. Aufgrund der weiteren Angriffsaktion der auf Rechtsaußen befindlichen Spielerin von Team SCHWARZ kommt es aber zu einer Freiwurfentscheidung des Torschiedsrichters für Team GRÜN. Was war geschehen?
Im Verlauf eines geplanten Spielzugs von Team SCHWARZ, für den von den Schiedsrichtern das Vorwarnzeichen angezeigt ist, soll die Mitspielerin auf Rechtsaußen den Angriff mit einem Torwurf abschließen. Noch bevor sie den Ball zugepasst bekommt, tritt sie – bereits außerhalb des Spielfelds stehend – noch einen weiteren Schritt zurück. Sie startet ihre Angriffsaktion mit einem Linksschritt, um dann im Rechtsschritt den Ball anzunehmen. Dabei steht die Spielerin mit dem rechten Fuß hinter der Torlinie. Nach einem weiteren Linksschritt ist akustisch und optisch zu erkennen, dass der Torschiedsrichter das Spiel bereits mit einem Pfiff unterbricht.
Dennoch läuft die Aktion der Außenspielerin weiter. Bei einem weiteren Rechtsschritt wechselt sie zudem den Ball in ihre linke Hand und hebt zum Sprungwurf in den Torraum der gegnerischen Mannschaft ab, den die Torfrau ins Toraus abwehren kann. Selbst wenn sie den Ball ins Tor geworfen hätte, wäre der Treffer vom Torschiedsrichter nicht anerkannt worden. Er hatte ein regelwidriges Verhalten der Angreiferin gemäß Regel 7:10 Abs. 1 erkannt. Die ballbesitzende Spielerin hatte sich bei ihrer Aktion mit einem Fuß außerhalb der Spielfläche bewegt. Dies ist mit einem Freiwurf für die gegnerische Mannschaft zu ahnden.
Das Verhalten des Schiedsrichters, der deutlich auf einen Ausführungsort außerhalb des Torraums hinweist, bestätigt diese Entscheidung. Hätte er auf Torraumbetreten entschieden, wäre die Spiel mit Abwurf fortzusetzen gewesen (siehe Regel 6:2a). Eine Entscheidung auf Angreifervergehen kann es auch nicht gewesen sein, weil der Pfiff bereits beim ersten Linksschritt der Angreiferin erfolgte und zu diesem Zeitpunkt noch kein Körperkontakt zur Abwehrspielerinn bestand.
Weiterer Hinweis
Selbst wenn die Außenspielerin bei der Ballannahme den rechten Fuß im Spielfeld gehabt hätte (sie bei der Ballannahme vollständig im Spielfeld gewesen wäre), müsste aufgrund des Anlaufs von außerhalb der Spielfläche auf Freiwurf für die abwehrende Mannschaft entschieden werden.
Weitere Informationen zum Thema finden sich hier (bitte dort diesen Unterpunkt auswählen: Spieleraktionen ohne Ball außerhalb des Spielfelds)
Pfiff der Woche
Unter der Rubrik "Pfiff der Woche" präsentieren wir jeweils eine beachtenswerte Szene aus dem aktuellen Spielbetrieb der Bundesligen von Männern und Frauen – und gegebenenfalls auch aus den Ligen darunter. Warum die ausgewählten Situationen besondere Beachtung verdienen? Nun, weil sie einen bestimmten Regelaspekt verdeutlichen, der uns Schiedsrichtern nicht in jedem Spiel „vor die Pfeife“ kommt.