Die Schwestern Maike Merz und Tanja Kuttler waren im vergangenen Dezember auch bei der WM der Frauen in Spanien mit dabei. (Foto: IMAGO/wolf-sportfoto)
„Das Spiel soll im Mittelpunkt stehen“ – Kuttler/Merz ziehen WM-Bilanz
Redaktion: Frau Kuttler, Frau Merz – wie fällt Ihr Fazit von der Weltmeisterschaft aus?
Maike Merz: Hinter uns liegt eine Weltmeisterschaft, an die wir immer gerne zurückdenken werden. Wir wurden für viele verantwortungsvolle Spiele nominiert und waren bis zur Finalrunde im Einsatz. Auch außerhalb des Spielfelds konnten wir unfassbar viel mitnehmen. Die Stimmung innerhalb der Gruppe war sehr gut und es gab viele Möglichkeiten sich auszutauschen.
Was war Ihr Highlight?
Tanja Kuttler: Das lässt sich definitiv nicht auf einen Höhepunkt reduzieren. Der Vorrundenkracher Schweden gegen Norwegen war sportlich gesehen mit das beste Handballspiel, das wir je geleitet haben. Die Stimmung in der Halle war super und das Spiel sehr intensiv.
Mit der Nominierung für das Viertelfinale zwischen Norwegen und Russland dachten wir unseren Turnier-Höhepunkt erreicht zu haben. Dass wir zwei Tage später im Halbfinale der Heimmannschaft Spanien gegen Norwegen erneut auf der Platte standen, hat einem für uns bis dahin guten Turnier noch ein Krönchen aufgesetzt.
Ein Großturnier wie die Weltmeisterschaft bedeutet zwei, drei Wochen lang einen stetigen Wechsel aus Anspannung und Entspannung. Wie gelingt es, für sich die Balance zu finden zwischen Konzentration und Fokus auf der einen Seite und der Notwendigkeit, den Kopf freizukriegen, auf der anderen Seite?
Maike Merz: Für die mentale Balance haben wir in den letzten Jahren unsere eigene Vorgehensweise entwickelt, um den Kopf trotz der enormen Drucksituationen immer wieder frei zu bekommen. So setzen wir uns unmittelbar nach den Spielen sehr intensiv mit unserer Leistung auseinander und nehmen uns sehr viel Zeit für die Nachbereitung.
Wichtig ist dabei, nicht nur herauszuarbeiten, was nicht gut lief, sondern auch, warum es nicht gut lief und was wir tun müssen, um entsprechende Fehler im nächsten Spiel zu vermeiden. Anschließend haken wir das Spiel dann aber auch final ab und richten den Blick nach vorn. So können wir in den Tagen bis zur nächsten Nominierung durchaus entspannen und uns voll auf die nächsten Aufgaben fokussieren.
Tanja Kuttler: Und was die körperliche Balance angeht, werden wir bei Großturnieren bestens von den Fitness-Trainern der IHF unterstützt. Aus der Ferne bereiten uns die Coaches das ganze Jahr über auf entsprechende Großereignisse vor und vor Ort planen sie dann beispielsweise unsere Trainings vor bzw. nach einem Spiel, beraten bei der optimalen Turnier-Ernährung und sorgen mit lockeren Trainingseinheiten auch mal für eine geistige Auszeit vom Turnier-Druck.
Welche Schwerpunkte gab es bei der Weltmeisterschaft regeltechnisch – und welche Entwicklungen lassen sich daraus eventuell für die Ligen in Deutschland ableiten?
Tanja Kuttler: Das lässt sich wohl am besten unter der Überschrift „Spielfluss“ zusammenfassen. Das Spiel soll im Mittelpunkt stehen – so sollten unnötige Pfiffe generell vermieden werden und der Vorteilsgedanke unter Berücksichtigung aller Regeln maximal gelebt werden. Das sorgt dafür, dass nicht der Schiedsrichter bzw. seine Pfiffe, sondern das Spiel selbst im Mittelpunkt steht.
Was nehmen Sie von der Weltmeisterschaft mit?
Maike Merz: Die Erlebnisse und Erfahrungen, die wir in Spanien machen durften, entlohnen uns für all die Arbeit, die wir in den letzten Jahren investiert haben, um überhaupt zu Weltmeisterschaften zu fahren. Das Vertrauen, dass uns die IHF, aber auch die Verantwortlichen in Deutschland und Europa geben, gibt uns einen großen Motivationsschub, um voller Energie an unseren weiteren Zielen zu arbeiten.
EHF EURO 2022
Ab 13. Januar: Schulze/Tönnies bei EHF EURO 2022 im Einsatz
Robert Schulze und Tobias Tönnies vertreten das Schiedsrichterwesen des Deutschen Handballbundes bei der EHF EURO 2022 der Männer, die vom 13. bis 30. Januar 2022 in Ungarn und der Slowakei ausgetragen wird. Für die beiden Magdeburger ist es die zweite Nominierung für eine Männer-Europameisterschaft in ihrer Karriere.
Das Top-Gespann des Deutschen Handballbundes reist nach einem erfolgreichen Jahr 2021 mit großem Selbstbewusstsein an. „Wir haben uns in den letzten ein, zwei Jahren ein neues Standing erarbeitet“, weiß auch Tobias Tönnies. Damit geht jedoch auch eine neue Anspruchshaltung einher. Tönnies: „Es wird inzwischen ein gewisses Level von uns erwartet. Wir dürfen daher keinen Zentimeter nachlassen. Das wird unsere größte Herausforderung bei der Europameisterschaft.“
Schulze und Tönnies fiebern ihrem dritten Großturnier innerhalb zwölf Monaten entgegen. „Spiele bei einer Europameisterschaft sind immer sehr ausgeglichen, darauf freuen wir uns“, blickt Schulze voraus. Schiedsrichter-Chefin Ehrmann-Wolf, die selbst als Delegierte vor Ort sein wird, ist überzeugt, dass das Duo eine gute Rolle spielen kann: „Sie gehören inzwischen zu den absoluten Top-Teams Europas und bringen von der Weltmeisterschaft und Olympia eine große Reputation mit.“
Die Linie für die EHF EURO 2022 hat die EHF-Schiedsrichterkommission früh festgelegt und die teilnehmenden Nationen mit über 100 Videosequenzen vorbereitet. Ein wichtiger Punkt dabei ist die progressive Bestrafung: „Wir haben analysiert, dass Schiedsrichter zu viele Gelbe Karten zeigen, nur um sie zu zeigen, wir müssen diese Zahl reduzieren. Wir werden neue Wege der progressiven Bestrafung einführen“, sagt Kommissionschef Dragan Nachevski: „Wir brauchen mehr zwei Minuten, weniger Rote Karten.“ Weitere Schwerpunkte sind der Kampf am Kreis, Fouls an Außenspielern sowie das passive Spiel.