Schiedsrichter Malte Frank und Leonard Bona bei der Begrüßung (Foto: IMAGO/wolf-sportfoto)
Dass die Anreise zum Spielort für die Performance auf dem Spielfeld von entscheidender Bedeutung sein kann, mussten Malte Frank und sein Partner Leonard Bona erst einmal lernen. Nach ihrem Aufstieg in den Perspektivkader des Deutschen Handballbundes ging es plötzlich über die Grenzen des heimischen Niederrhein-Verbands hinaus.
„Wir mussten bei den ersten Spielen in der Jugendbundesliga feststellen, dass uns die Fahrt noch in den Knochen steckt“, erinnert sich Frank. Statt 30 bis 60 Minuten zum Spiel zu fahren, dauerten die Fahrten auf einmal über 90 Minuten. „Wir hatten beim Pfeifen wirklich Probleme, weil wir einfach wie vorher auch durchgefahren sind und uns keine großen Gedanken gemacht haben“, beschreibt der Bundesliga-Schiedsrichter. „In den ersten Spielen haben wir gemerkt, dass uns das nicht gut tut und wir einen Weg finden müssen, um damit umzugehen.“
Diese Erfahrung dürften auch andere Schiedsrichter*innen machen, wenn es plötzlich über den heimischen Bezirk hinausgeht und die Fahrtstrecken mit jedem Aufstieg ein bisschen länger werden. „Der allerwichtigste Ratschlag, den ich geben kann: Niemals selbstverschuldet in Zeitdruck geraten“, hält Frank fest. „Das nimmt dir Ressourcen, die für die Spielleitung fehlen.“
Ob es in die Nachbarstadt oder den benachbarten Verband geht: Mit der Reiseplanung beginnt nicht nur für Bona/Frank und ihre Kolleg*innen im Deutschen Handballbund der Einsatz. „Ich kann nur empfehlen, sich bereits drei, vier Tage vor dem Spiel schon einmal die Strecke anzusehen. Ist die Autobahn eventuell gesperrt? Gibt es Baustellen, die für Stau sorgen könnten? Welches Verkehrsmittel nimmt man überhaupt?“, so Frank.
Seine Empfehlung ist klar: Mindestens eine Stunde vor dem Anpfiff in der Halle sein; je länger die Strecke, desto größer sollte das Zeitpuffer sein. „Entspannt am Spielort anzukommen und mit einem Spaziergang oder einem Kaffee die Anreise abzuschließen, ist ein schönes Ritual“, so Frank. „Bei Strecken von über 90 Minuten legen wir einen kurzen Zwischenstopp ein, um uns unterwegs die Beine zu vertreten.“
Das Puffer von 60 bis 90 Minuten plus x gilt natürlich erst ab einer gewissen Alters- bzw. Spielklasse. „In der E- oder D-Jugend muss kein Schiedsrichter eine Stunde vor dem Spiel in der Halle sein“, erläutert Frank. „Da würde ich eine halbe Stunde empfehlen, denn es gibt immer Aufgaben zu erledigen und so kommt man auch dabei nicht in Zeitnot.“
Außerdem gibt es immer Unwägbarkeiten: Muss man sich die Schiedsrichterkabine eventuell mit dem Kollegen teilen, der das Spiel vorher pfeift? Dann wäre es sinnvoll, sich umzuziehen, wenn das vorherige Spiel noch läuft. Oder kennt man generell die Halle nicht oder ist sie unerwartet voll, „dann kommen neue Eindrücke auf einen zu“, so Frank. „Ist man rechtzeitig da, gerät man nicht in Hektik.“
Wenn die Anreise – wie es oft der Fall ist – mit dem Auto erfolgt, gibt es neben der Streckenplanung und Staumeldungen auch Stolperfallen zu vermeiden. Dass das Auto gewartet und rundum verkehrssicher sein sollte, versteht sich von selbst. „Und wenn ihr nach Navi fahrt, prüft unbedingt, ob die Eingabe der Halle wirklich korrekt ist“, betont Frank.
Bei einem ihrer ersten Einsätze in der Verbandsliga ging genau das schief: Den Straßennamen der Halle gab es sowohl in Dinslaken als auch im benachbarten Duisburg – und so war das junge Team auf dem Weg zur falschen Halle. Auf der Autobahn fiel der Fehler auf, Bona/Frank waren noch rechtzeitig in der Halle – einen Spruch des Coaches, der sie damals im Jugendförderkader des HV Niederrhein betreute und vor Ort in der Halle auf das Duo wartete, gab es dennoch obendrauf.
Als Gespann ist es zudem empfehlenswert, gemeinsam an der Halle anzukommen. „Wenn es ein zu großer Umweg wäre, sich gegenseitig mitzunehmen, trefft euch unterwegs an einem geeigneten Platz“, rät Frank. „Ich finde es nicht nur wichtig, schon vor dem Spiel ein bisschen Zeit zu haben, sondern auch, zusammen anzukommen, denn dann präsentiert man sich sofort im ersten Eindruck als Einheit.“
Ebenfalls ein Baustein: Das einheitliche Outfit. „Den ersten Eindruck bilden sich die Leute schon auf dem Parkplatz oder spätestens, wenn ihr die Halle betretet“, betont Frank. „Kommt nicht in Badelatschen und habt eure Sachen in einer ordentlichen Tasche und nicht – überspitzt gesagt – in einer Plastiktüte.“
Das einheitliche Outfit gilt natürlich auch nach dem Spiel. Für die Abreise vom Spielort kommt es ansonsten vor allem auf eine Sache an: Sicherheit geht vor. „Wir fahren nach einem Einsatz entspannt nach Hause und machen eine Pause, wenn nach einem späten Spiel die Müdigkeit kommt oder wechseln uns mit Fahren ab“, erläutert Frank. „Das ist aus meiner Sicht der wichtigste Punkt, denn wir wollen nach einem Spiel einfach nur gut zu Hause ankommen.“
Die (gemeinsame) Autofahrt eignet sich natürlich für einen ersten Austausch, „aber wenn es mal nicht so gut lief, ist die Nachbereitung im Auto meistens nicht hilfreich“, sagt Frank. „Dann ist es vielleicht besser, erst einmal eine Nacht drüber zu schlafen, bevor man sich Dinge an den Kopf wirft.“
Dass diese Ratschläge möglicherweise Selbstverständlichkeiten sind, weiß Frank. „Viele Dinge sind ab einer gewissen Erfahrung Alltag, aber gerade, wenn man anfängt, ist vieles neu – und es gibt immer Dinge, die einem selbst vielleicht gar nicht ein- oder auffallen“, so der Bundesliga-Schiedsrichter. „Wir mussten das, was heute für uns absolut normal ist, auch erst lernen.“ Ihren Weg, nach dem Aufstieg in den DHB mit längeren Anreisen umzugehen, haben sie auch gefunden – und inzwischen muss Frank darüber schmunzeln, dass zwei Stunden Fahrtweg ihnen früher unfassbar weit vorkamen. „Heute“, grinst er, „fühlt sich ein Fahrtweg von drei Stunden nach um die Ecke an.“