Quelle: DHB

Das Nichtniederlegen des Balls

Das bewusste Nichtniederlegen des Balls kann unter Umständen einen Gegenstoß des Gegners verhindern. Häufig versuchen Spieler in dieser Situation auch, die Schiedsrichter zu täuschen: Beispielsweise „stolpern“ sie „zufällig“ über den Ball, um ein paar Sekunden herauszuholen, in denen sie in die Abwehr zurücklaufen können. Hier ist ein Beispiel:

Was im Video geschieht

Mannschaft WEISS ist im Angriff und spielt ohne Torwart (leeres Tor) mit sieben Angreifern gegen fünf Abwehrspieler. Die Schiedsrichter entscheiden auf Stürmerfoul von WEISS 15. Die Spielerin kann jedoch vorher noch den Ball zu ihrer Mitspielerin WEISS 18 spielen. WEISS 18 erkennt die Entscheidung der Schiedsrichter auf Freiwurf für Mannschaft BLAU und will den Ball sofort niederlegen. Dies gelingt ihr nur bedingt, denn mit dem Knie/Unterschenkel trifft sie den Ball so, dass er nach vorne rollt. BLAU 4, die hinter WEISS 18 steht, will den Ball sofort aufnehmen, muss aber erst dem Ball hinterherlaufen. Bei 9 Metern, an der Freiwurflinie, kann sie den Ball aufnehmen, macht noch einen Schritt nach vorne und führt dann den Freiwurf bei ca. 10,5 Metern als Wurf auf das leere Tor von WEISS aus. Der Ball landet im Tor. Die Schiedsrichter entscheiden auf Tor für Mannschaft BLAU.

Regeltechnische Einordnung von Kay Holm, Leiter Bereich Lehre im DHB-Schiedsrichterwesen

Freiwurf gegen die angreifende Mannschaft – Verhalten des Ballbesitzers

Bestimmte Unsportlichkeiten werden als schwerwiegender angesehen und haben deshalb eine direkte Hinausstellung zur Folge, unabhängig davon, ob der betreffende Spieler oder Offizielle zuvor eine Verwarnung erhalten hat. Dazu gehört auch, wenn der Spieler bei einer Entscheidung gegen seine Mannschaft den Ball nicht sofort fallen lässt oder niederlegt, sodass er spielbar ist.

WEISS 18 versucht hier zwar, den Ball sofort niederzulegen, sodass er spielbar wäre, trifft ihn aber – wenn auch unglücklich – mit dem Knie/Unterschenkel. Der Ball rollt dadurch nach vorne und BLAU 4 muss dem Ball erst hinterherlaufen, um den Freiwurf ausführen zu können. Die Kriterien der Regel 13:5 sind damit nicht erfüllt, der Ball ist nicht sofort spielbar.Diese unsportlichen Verhaltensweisen sind in solchen Situationen gemäß Regel 8:8b generell mit einer Hinausstellung wegen unsportlichen Verhaltens zu bestrafen.

Die Ausführung von Freiwürfen

Freiwurf-Entscheidungen sind auf dem gesamten Spielfeld (außerhalb des Torraums) denkbar. Während Freiwürfe grundsätzlich an der Stelle auszuführen sind, an der die geahndete Regelwidrigkeit begangen wurde (13:6), empfiehlt der Kommentar zu Regel 13:6 eine unterschiedlich große Toleranz, was den Ort der tatsächlichen Freiwurfausführung in Bezug zum Ort der geahndeten Regelwidrigkeit angeht.

Bei Freiwurf-Entscheidungen für eine Mannschaft in der Nähe ihres eigenen Torraums kann diese Toleranz (großzügig) bis zu drei Meter betragen. Pfiffe, um (kleinliche) Korrekturen des Ortes der Freiwurfausführung vorzunehmen, stören hier nur das Spiel und führen zu Unmut bei Mannschaften und Zuschauern. Nicht zuletzt soll durch die empfohlene Toleranz die Einleitung von schnellen Gegenstößen durch die bisher abwehrende Mannschaft gefördert werden.

Es darf der bisher abwehrenden Mannschaft durch eine Überschreitung der Toleranz von drei Metern jedoch kein Vorteil (z.B. durch einen schnellen Gegenstoß oder Wurf auf das leere Tor) entstehen. Auf die Einhaltung der hier angegebenen Toleranzbereiche ist insbesondere dann zu achten, wenn die neu angreifende Mannschaft den Versuch unternimmt, den ihr zugesprochenen Freiwurf direkt auf das „leere Tor“ auszuführen, da hier eine klare Torgelegenheit vorliegen kann.

Fazit

Die Auswirkungen bezüglich des Versuchs von WEISS 18, den Ball sofort niederzulegen (was ihr offensichtlich nicht gelungen ist), sind als unsportliches Verhalten zu bewerten und gemäß Regel 8:8b mit einer sofortigen Hinausstellung zu ahnden.

Die fehlende Hinausstellung kann und darf auch nicht durch den falsch ausgeführten Freiwurf und den Torerfolg kompensiert werden. Die Regelfehler beider Mannschaften dürfen nicht aufgehoben werden. Die „falsche“ Ausführung des Freiwurfs ergibt sich aus dem falschen Ausführungsort (mehr als drei Meter von der Regelwidrigkeit entfernt) sowie der nicht korrekten Ausführung gemäß Regel 15:1.

Bild 1

Richtig wäre hier gewesen, das Spiel sofort mit einem Time-out zu unterbrechen, wenn klar ist, dass der Ball nicht sofort niedergelegt wurde, sodass er spielbar ist und der Freiwurf dadurch nicht korrekt ausgeführt werden kann.

Die Spielfortsetzung bei derartigen Situationen ist, ungeachtet dessen, ob das Tor leer ist oder nicht, nur Freiwurf. Ausgenommen, das Vergehen passiert während der letzten 30 Sekunden des Spiels, dann ist die Spielfortsetzung ein 7-Meter-Wurf und der Spieler muss disqualifiziert werden. Siehe hierzu auch den Beitrag vom 06.01.2025 (Leeres Tor und 7-Meter-Entscheidungen).