Quelle: DHB
Das leere Tor
Was im Video geschieht
Mannschaft ROT ist im Angriff und spielt aufgrund einer Hinausstellung ohne Torwart (leeres Tor). ROT 7 kann den Pass von seinem Mitspieler ROT 20 nicht fangen, und der Ball landet im Seitenaus. Spieler WEISS 51 nimmt den Ball sofort auf und will den Einwurf als Torwurf auf das leere Tor ausführen. ROT 29 läuft an dem Ausführenden vorbei und verhindert aktiv die Wurfausführung. Die Schiedsrichter entscheiden nach Time-out auf 7-m-Wurf für Mannschaft WEISS und Hinausstellung für ROT 29.
Regeltechnische Einordnung von Kay Holm, Leiter Bereich Lehre im Schiedsrichterwesen des DHB
Regeltechnische Einordnung von Kay Holm, Leiter Bereich Lehre im DHB-Schiedsrichterwesen
Die Anlässe, aufgrund derer das Tor von seinem Hüter verlassen wird, können vielfältig sein. Ob er nur an den Auswechselbereich seiner Mannschaft geht, um etwas zu trinken, oder ob er zugunsten eines weiteren Feldspielers ausgewechselt wird; immer ist das Hauptkriterium dieser Regelung erfüllt: Der Torwart hat seinen Torraum verlassen.
Gemäß Regel 14:1 ist von den Schiedsrichtern auf 7-m-Wurf zu entscheiden, wenn durch einen Spieler der gegnerischen Mannschaft regelwidrig eine klare Torgelegenheit vereitelt wird. Der Ort des regelwidrigen Verhaltens ist dabei unerheblich. Es gilt die gesamte Spielfläche.
Zusätzliche Informationen über den Begriff der „klaren Torgelegenheit" enthält die IHF-Erläuterung 6. Gemäß der dort unter dem Buchstaben c) dargestellten Situation besteht eine klare Torgelegenheit auch dann, wenn ein Gegenspieler mit Ball- und Körperkontrolle eine klare und ungehinderte Möglichkeit zum Wurf des Balls ins leere Tor der gegnerischen Mannschaft hat.
In den Guidelines und Interpretationen heißt es unter der Überschrift „7-m-Wurf-Entscheidung bei leerem Tor (Regel 14:1, Erläuterung 6c)": Die in Erläuterung 6c beschriebene Definition einer klaren Torchance bei einer klaren und ungehinderten Gelegenheit zum Wurf des Balls ins leere Tor setzt voraus, dass der Spieler in Ballbesitz ist und klar versucht, direkt auf das leere Tor zu werfen. Diese Definition einer klaren Torchance gilt ungeachtet der Art des Vergehens und unabhängig davon, ob der Ball im Spiel war oder nicht. Bei der Ausführung jedes Wurfs müssen sich Werfer und Mitspieler in einer korrekten Position befinden.
Regelwidrig
15:9 Abwehrspieler, die die Wurfausführung stören, indem sie z.␣B. eine nicht korrekte Position einnehmen oder diese vor der Wurfausführung verlassen, sind mit Ausnahme der Fälle der Regeln 14:8, 14:9, 15:4 Absatz 2 und 15:5 Absatz 3 zu bestrafen. Dies gilt unabhängig davon, ob diese Aktion vor oder während der Wurfausführung erfolgt (bevor der Ball die Hand des Werfers verlassen hat).
Dabei ist es ohne Belang, ob der Wurf anzupfeifen war oder nicht (8:7c oder 8:8f, 16:1b und 16:3d).
Bestrafung
Gemäß Regel 8:8f hat die aktive Verhinderung der Wurfausführung der gegnerischen Mannschaft und Nichteinhalten des 3-m-Abstands und/oder andere Regelverstöße, die die Ausführung des Wurfs verhindern, eine direkte Hinausstellung zur Folge.
Fazit
Die Schiedsrichter haben hier richtig auf 7-m-Wurf und Hinausstellung entschieden.
Pfiff der Woche
Unter der Rubrik "Pfiff der Woche" präsentieren wir jeweils eine beachtenswerte Szene aus dem aktuellen Spielbetrieb der Bundesligen von Männern und Frauen – und gegebenenfalls auch aus den Ligen darunter. Warum die ausgewählten Situationen besondere Beachtung verdienen? Nun, weil sie einen bestimmten Regelaspekt verdeutlichen, der uns Schiedsrichtern nicht in jedem Spiel „vor die Pfeife“ kommt.