(Foto: IMAGO/Claus Bergmann)

Das Kampfgericht: Freund und Helfer für Schiedsrichter

Ob Bundesliga oder Kreisklasse: Neben den Schiedsrichter*innen darf auch das Kampfgericht bei keinem Spiel fehlen. Was ist aus Sicht von beiden Seiten in der Zusammenarbeit wichtig? Wie können sich Unparteiische sowie Zeitnehmer*in und Sekretär*in gegenseitig unterstützen – und was sind No-Gos?

Stellt man diese Fragen Drittliga-Schiedsrichter David Homa und Bundesliga-Zeitnehmer Tobias Dings fallen die Antworten unabhängig voneinander nahezu identisch aus: Entscheidend ist – aus beiden Perspektiven – eine Kommunikation auf Augenhöhe.

„Natürlich steht der Schiedsrichter auf dem Feld stärker im Fokus und ist präsenter als das Kampfgericht an der Seitenlinie, aber dennoch ist ein Spiel ohne Kampfgericht nicht möglich“, sagt Dings. „Wir begegnen uns daher auf Augenhöhe – und lösen die Aufgabe gemeinsam.“ Es ist eine Sichtweise, der Homa zustimmt: „Wir sehen das Kampfgericht als einen Teil unseres Teams.“

Der Ton macht die Musik – ein respektvolles Miteinander sollte selbstverständlich sein

Entsprechend wichtig ist ein wertschätzender Umgang miteinander – und der beginnt bereits vor dem Spiel. „Es gab schon Schiedsrichter, die das Kampfgericht das erste Mal bewusst wahrnehmen, als sie beim Anpfiff zum Tisch schauten“, formuliert Dings, der gemeinsam mit Sekretärin Alexandra Wiench von der LIQUI MOLY HBL bis zur Bezirksliga in seinem Landesverband Hamburg im Einsatz ist, bewusst plakativ das Negativbeispiel.

Eine nette Begrüßung, ein kurzer Smalltalk über die Anreise, ein Fachsimpeln über bestimmte Spielsituationen oder den letzten Einsatz: Das reicht aus Sicht von Dings schon, um das Eis zu brechen und eine gute Atmosphäre für die anstehenden 60 Minuten zu schaffen. „Die Schiedsrichter müssen sich auf das Kampfgericht verlassen können“, betont er. „Zeitnehmer und Sekretär sind daher zwei wichtige Personen für die Schiedsrichter, denn sie können mit einer guten Leistung am Tisch für Entlastung sorgen, sodass sich die Schiedsrichter auf ihre Aufgaben auf dem Feld konzentrieren können.“

Entsprechend klar fällt auch die Empfehlung aus, die Homa in seiner Tätigkeit als Schiedsrichter-Lehrwart in Bayern weitergibt. „Das Kampfgericht ist Teil des Spiels und muss ernst genommen werden“, sagt er. Wenn er gemeinsam mit Teampartner Oliver Mehl in der 3. Liga im Einsatz ist, nimmt sich das Duo nach der technischen Besprechung ganz bewusst noch einmal Zeit für einen Austausch mit dem Kampfgericht.

„Wir sprechen mit Zeitnehmer und Sekretär zum Beispiel über die Besonderheiten der Halle und der Mannschaften, testen zusammen das Signal der Zeitmessanlage und fragen explizit: Passt alles? Habt ihr alles? Braucht ihr noch was?“, erläutert der Unparteiische. „Wenn ich das Kampfgericht als lästig empfinde, gibt es keine Basis für die Zusammenarbeit in den nächsten 60 Minuten.“

Ein Team bilden – Rückendeckung inklusive

Ebenso wichtig wie die (gute) Kommunikation: die gegenseitige Unterstützung. „Ich wünsche mir von einem Schiedsrichter, dass er zu 100 Prozent hinter dem Kampfgericht steht“, sagt Dings. „Es gibt Situationen in einem Spiel, die sich abseits der Augen der Schiedsrichter im Aufgabenbereich des Kampfgerichts abspielen. Hier ist der Rückhalt der Schiedsrichter für Entscheidungen des Kampfgerichts zum Beispiel bei einem Wechselfehler enorm wichtig.“ Denn zum einen, so Dings weiter, „erfährt das Kampfgericht dadurch Unterstützung für eine getroffene Entscheidung und zum anderen unterstreicht es die Teamarbeit zwischen Schiedsrichtern und Kampfgericht.“

Aus Sicht von Homa ist das eine Selbstverständlichkeit; er fordert allerdings im Gegenzug ebenfalls volle Rückendeckung. „Als Schiedsrichter stehst du ohnehin unter Anspannung“, sagt er. „Der Worst Case wäre es, wenn das Kampfgericht Nebenkriegsschauplätze schafft, weil es sich mit dem Trainer zofft oder – das andere Extrem – sich wohlmöglich mit dem Trainer gegen dich ‚verbündet‘.“

Fehler können passieren

Zudem wünscht er sich auch vom Kampfgericht einen offenen Umgang, wenn etwas schief läuft – sei es, dass die Uhr zu spät gestoppt oder bei einem Wechselfehler zuerst die falsche Nummer genannt wurde. „Fehler passieren und uns auf der Platte passieren definitiv mehr Fehler als dem Kampfgericht“, sagt Homa „Doch wenn doch mal etwas falsch war, ist es wichtig, das uns gegenüber klar zu kommunizieren statt herumzudrucksen oder sich herauszureden.“

Fehler zugeben zu können schafft Vertrauen – ebenso wie ein gewisses Fingerspitzengefühl. „Viele Hallen sind so eng, dass man leicht ins Feld tritt, wenn ein Spieler sich eine Wasserflasche holt oder der Trainer zum Ersatzspieler am anderen Bankende will“, beschreibt Homa. „Entsteht dadurch kein Vorteil, will das niemand gepfiffen haben.“ Dings sieht es genauso: „Kein Schiedsrichter möchte ein Kampfgericht, das in seinem Bereich übertrieben agiert. Wir sollten immer im Sinne des Spiels entscheiden.“

Wissen, was man tut

Regelkenntnis ist daher auch für ein Kampfgericht hilfreich – und insbesondere im höheren Bereich auch erforderlich. „Natürlich freuen wir uns besonders, wenn wir ehemalige Schiedsrichter am Tisch haben, weil sie in vielen Situationen wissen, was kommt – beispielsweise bei einem Vorteil mit nachträglicher Bestrafung“, sagt Drittliga-Referee Homa. „An der Basis brauchen wir aber natürlich erst einmal jeden Interessierten, der Lust auf den Job hat; auch wenn er zunächst keine regeltechnischen Vorkenntnisse hat. Das notwendige Grundwissen lässt sich jedoch schnell und spezifisch erlernen.“

In Bayern, dem Landesverband von Homa, wurde die Schulung für Zeitnehmer und Sekretäre kürzlich zudem komplett digitalisiert, um den Einstieg so einfach wie möglich zu machen. Das kann aus seiner Sicht langfristig nur Vorteile haben, denn: „Du fühlst dich als Schiedsrichter einfach viel sicherer auf der Platte, wenn du merkst, dass das Kampfgericht weiß, was es tut.“

Zweimal drei Tipps für die Zusammenarbeit mit dem Kampfgericht 

Von David Homa (Drittliga-Schiedsrichter)

  1. Wenn du vor dem Spiel mit dem Kampfgericht sprichst, klopfe kurz ab, wie es um die Regelkenntnis und die Erfahrung am Tisch bestellt ist. In der 3. Liga wissen wir, dass auch Zeitnehmer und Sekretär einen Vorbereitungslehrgang absolvieren müssen und irgendwann kennt man sich untereinander, aber gerade an der Basis kann es sein, dass du zwei Leute am Tisch hast, die du nicht kennst. Wenn du durch den kurzen Check weißt, was du vom Tisch erwarten kannst – und dem Kampfgericht eventuell noch ein, zwei Sachen sagen kannst, die dir wichtig sind – habt ihr eine gute Basis für die folgenden 60 Minuten.
  2. Wenn wir merken, dass ein neues Kampfgericht am Tisch sitzt, versuchen wir, die beiden über Blickkontakt und Kommunikation immer mitzunehmen. Wenn du mit einem ungeschulten Kampfgericht arbeitest, gib die Zeichen klar und deutlich, gleiche regelmäßig Spielstand und Spielzeit ab und lass dir die Strafe im Zweifelsfall einmal öfter bestätigen. Und wenn du merkst, dass es mit dem Wechseln nicht sauber ist, gib dem Tisch einen kurzen Hinweis im Vorbeilaufen.
  3. Das Kampfgericht kann noch so gut geschult sein: Du bist als Schiedsrichter verantwortlich. Daher lass immer selbst die Uhr mitlaufen und notiere dir den Spielstand. Wenn die Batterie der Stoppuhr ihren Geist aufgibt, der Akku des Tablets leer ist oder der Trainer an der Seitenlinie über das Kabel stolpert, damit den Stecker zieht und die elektronische Zeitmessanlage erlischt: Du musst wissen, wie Spielstand und Spielzeit sind!

Von Tobias Dings (Bundesliga-Zeitnehmer)

  1. Es ist zwar nicht vorgeschrieben, aber ich kann jedem Schiedsrichter nur empfehlen, sich selbst das eine oder andere Mal an den Tisch zu setzen und ein paar Spiele als Zeitnehmer oder Sekretär zu absolvieren. So lernt man die andere Perspektive kennen und hat ganz automatisch ein besseres Verständnis für Arbeit des Kampfgerichts.
  2. Es gibt Situationen, die für den Tisch besonders stressig sind – insbesondere, wenn mehrere Dinge gleichzeitig auf der Platte passieren, die sowohl auf der öffentlichen Zeitmessanlage angezeigt als auch im Spielprotokoll eingetragen werden müssen. Ein Beispiel wäre ein Torerfolg mit anschließender Zeitstrafe und zusätzlich noch eine Bestrafung gegen die Bank. Wer als Schiedsrichter in dieser Phase das Kampfgericht entlasten möchte, macht sich dies bewusst und wartet mit dem Heben des Armes einen Augenblick, bis der Zeitnehmer das bestätigende Handzeichen gibt, dass das Kampfgericht alles mitbekommen und korrekt protokolliert hat.
  3. Im Amateurbereich gibt es immer mal wieder die Situation, dass ein Zuschauer kurz vor Spielbeginn gebeten wird, sich mit an den Tisch zu setzen, weil ein Zeitnehmer und/oder ein Sekretär fehlt. Macht in diesem Fall vor dem Spiel noch einmal mit netten, aber klaren Worten deutlich, dass das Kampfgericht keine Zuschauerrolle hat, sondern einen wichtigen Part des Spiels darstellt und bittet darum, dieses Amt gewissenhaft auszuführen. Und natürlich schadet auch ein Dank zur Bereitschaft, die Aufgabe zu übernehmen, nicht.