Unsere olympischen Schiedsrichtergespanne (Foto: privat)
Die deutschen Olympia-Schiedsrichter*innen Robert Schulze/Tonias Tönnies und Tanja Kuttler/Maike Merz kehren nach starken Leistungen zufrieden aus Lille zurück und haben viele positive Erlebnisse im Gepäck. „Wir sind drei Wochen wie durch einen Traum gelaufen“, sagt Kuttler, während Schulze von einem „absolut tollen Erlebnis“ spricht.
„Wir sind sehr glücklich und stolz, dass zwei unserer Schiedsrichter-Teams an den Olympischen Spielen teilgenommen haben“, betont Jutta Ehrmann-Wolf, Leiterin Schiedsrichterwesen im Deutschen Handballbund. „Das ist eine Auszeichnung für ihre jahrelange sehr gute Arbeit und ein Beweis für die Qualität. Das Stahlbad Bundesliga hat sie vorbereitet, um dem Druck und den Erwartungen bei solchen Großevents standzuhalten.“
Beide Schiedsrichter-Team absolvierten in der Gruppenphase in Paris jeweils vier Einsätze. Schulze/Tönnies leiteten die Männer-Begegnungen Dänemark gegen Frankreich, Argentinien gegen Ungarn, Norwegen gegen Ägypten und Schweden gegen Japan. Kuttler/Merz kamen bei den Frauen-Spielen Niederlande gegen Angola, Frankreich gegen Brasilien, Spanien gegen Ungarn und Spanien gegen Frankreich zum Einsatz.
Die vier Unparteiischen zeigten sich durchweg beeindruckend von der Atmosphäre in der Arena South Paris und den anderen Sportstätten. An ihren spielfreien Tagen besuchten Schulze/Tönnies unter anderem Beachvolleyball, Schwimmen und Fechten; Kuttler/Merz waren unter anderem bei Tischtennis, Beachvolleyball, Turnen, Leichtathletik und Tennis.
„Es hat uns begeistert, wie jede Sportart begleitet wurde und die Fans immer da waren“, schwärmt Merz. „Das hat einfach Spaß gemacht, denn es waren alle positiv - auch die ganzen Volunteers. Was die für einen Job gemacht, ist der Wahnsinn.“ Auch Kuttler war begeistert: „Der olympische Spirit, der in der Luft lag, ist etwas ganz besonderes.“
Auch Schulze/Tönnies genossen die Atmosphäre - ihre Olympia-Premiere vor drei Jahren in Tokio fand aufgrund der pandemiebedingten Einschränkungen vor leeren Zuschauerrängen statt. „Egal, bei welcher Sportart - die Leute haben in jeder Arena Stimmung gemacht und supportet“, sagt Schulze. „Es war eine einzige Sportparty.“
Sportlich zog das deutsche Top-Gespann ebenfalls ein positives Fazit. „Wir waren mit unserer Performance zufrieden“, sagt Schulze. Direkt ihr erster Einsatz war mit dem Match zwischen Gastgeber Frankreich und Weltmeister Dänemark ein echter Kracher. „Unter den olympischen Ringen in voller Halle die französische Hymne zu erleben, ist sehr beeindruckend - da bekommt man eine ganze Menge Gänsehaut“, beschreibt Tönnies.
Dass sie nach der Vorrunde und dem Umzug nach Lille keinen Einsatz mehr erhielten, hakten beide ab. „Es gibt als Schiedsrichter nichts schöneres, als wenn man selbst zurücksteckt, weil die eigene Mannschaft bis ins Finale kommt“, betont Tönnies. „Diese Rolle kennen sie als Magdeburger bereits“, flachst auch Ehrmann-Wolf. „Robert und Tobias haben in den letzten Jahren immer wieder die Erfahrung machen müssen, dass sie aufgrund der guten Leistungen des Vereins aus ihrer Heimatstadt nicht für Finalspiele oder den Supercup in Frage gekommen sind.“
Die Schiedsrichter-Chefin zeigt sich dennoch höchstzufrieden. „Robert und Tobias haben erneut ihre Klasse unter Beweis gestellt, sie gehören zurecht zu den Weltbesten ihres Fachs“, so Ehrmann-Wolf, die sich zudem über eine Anerkennung abseits des Feldes freute: „Dass unsere beiden Teams eine Einladung ins Deutsche Haus sowie zu einem Sponsorenabend des Deutschen Handballbundes in Lille erhalten haben, ist eine große Wertschätzung.“
Für Kuttler/Merz kamen in der K.O.-Runde mit dem Viertelfinale zwischen Norwegen und Brasilien sowie dem Halbfinale von Gastgeber Frankreich gegen Schweden noch zwei Einsätze hinzu. „Ich habe mich persönlich natürlich sehr für Tanja und Maike gefreut“, sagt Ehrmann-Wolf. „Das Halbfinale der Heimmannschaft war die Krönung, nachdem sie bereits ein Viertelfinale erhalten hatten. Aus meiner Sicht haben sie auch das Halbfinale sehr gut geleitet und ihre gute Turnierform bestätigt.“
Die beiden Schwestern konnten es selbst kaum glauben. „Wir wollten ein gutes Turnier abliefern, aber hatten keinerlei Ansprüche auf irgendwelche großen Spiele, weil die Schiedsrichtergruppe so erfahren ist - und umso stolzer sind wir, wie es alles gelaufen ist“, betonte Kuttler. „Wir waren einfach schon glücklich, als wir ein Viertelfinale bekommen haben“, ergänzte Merz. „Als wir dann noch erfahren haben, dass wir Frankreich im Halbfinale pfeifen dürfte - das war unbeschreiblich.“