Auf der Platte sind 1,5 Meter Mindestabstand nicht immer einzuhalten. Für Thorsten Kuschel kein Grund für ein mulmiges Gefühl, denn Spieler wie Schiedsrichter werden wöchentlich auf Corona getestet. (Foto: imago images/wolf-sportfoto)
Bundesligaspiele unter Coronabedingungen
Nach fast einem halben Jahr Abstinenz vom aktiven Handball ging die langersehnte Saison auch für die Schiedsrichter im Elitekader endlich wieder los. Aufgrund großer Unsicherheit bei den Mannschaften verliefen die Vorbereitungen mit Freundschaftsspielen in diesem Jahr zurückhaltender als sonst. Dennoch liefen die ersten Spiele gut – wenn auch nach so langer ungewollter Handballpause "Holprigkeiten" bei allen Beteiligten sichtbar waren. Insgesamt blieb alles im grünen Bereich und es war und ist gut, dass der Sport wieder ins Laufen gekommen ist. Natürlich war es auch spannend zu sehen, ob Zuschauer in den Hallen sein werden und ob man es durchgängig schafft, sich an die vorgegebenen Hygieneregularien zu halten.
Das Virus fordert uns alle
Geisterspiele – Spiele ohne Zuschauer – sind mittlerweile nichts Ungewöhnliches mehr. Dennoch sind gerade sie sehr speziell. Der Druck von Seiten des Publikums fehlt. Man darf nicht in einen „Testspielmodus“ verfallen. Trotz des fehlenden Drucks von den Rängen muss 100-prozentige Konzentration herrschen. Meist ist man im Spiel allerdings so fokussiert, dass die Geisterspiel-Kulisse in den Hintergrund tritt.
Eine neue und zusätzliche Belastung ist die regelmäßige Corona-Testung, die von den Schiedsrichterteams eigenverantwortlich vorgenommen werden muss. Es besteht die Pflicht, einen Test pro Woche mit nicht mehr als neun Tagen Abstand zum vorhergehenden zu machen – bei niedrigeren Neuinfektionszahlen "entspannte" sechs Tage, bei hohen Neuinfektionszahlen (wie es sie gerade fast überall in Deutschland gibt) spätestens zwei Tage vor dem Spiel. Dabei ist von uns sicherzustellen, dass das Testergebnis rechtzeitig zum Spiel da ist. Ein fester Testtermin wiederum ist nicht möglich, da sich die Spieltage auf Mittwoch bis Sonntag verteilen. Da müssen erst einmal Arzt und Labor gefunden werden, die diesen Anforderungen uneingeschränkt entsprechen können. Nicht zu vergessen, dass auch der Arbeitgeber zustimmen muss, um eventuell während des Arbeitstages zum Testen zu gehen.
Manchmal geht es dennoch schief
Dennoch kann es vorkommen, dass Arzt und Labor das Testergebnis – trotz aller Hebel, die in Bewegung gesetzt werden – nicht mit hundertprozentiger Sicherheit termingerecht zusichern können. Das hat zur Folge, dass man sicherheitshalber "aus dem Verkehr gezogen wird". Ziemlich frustrierend, denn wir bereiten uns – neben dem Job – intensiv auf die Spiele vor. Wir trainieren unter der Woche, betreiben im Vorfeld ein Videostudium der beteiligten Mannschaften und anschließend analysieren wir unsere eigenen Spiele. Wir beachten in besonderem Maße die Kontaktbeschränkungen, um die Teilnahme am Spiel nicht zu gefährden. Auch Anreise und eventuelle Hotelübernachtungen müssen organisieren werden. Kurz gesagt: Man richtet fast alles – auch im privaten Bereich – nach diesen Spielen aus. Und wenn man dann nicht zu 'seinem' Spiel fahren darf, ist das ernüchternd.
Nichtsdestotrotz sehen wir uns als ein Teil des Handballsports und verzichten aktuell bei Geisterspielen auf 25 % der Spielleitungsentschädigung – ebenso wie Spieler und Trainer, die auch auf Teile ihres Gehalts verzichten –, um finanziellen Anteil zu leisten.
Pfeifen ohne Corona im Kopf
Insgesamt gehen wir sehr sensibel mit dem Thema Corona um und versuchen, möglichst wenig Kontakte zu haben. Die diversen Hygienekonzepte der Hallen sind gut ausgearbeitet und werden uns für die jeweiligen Spiele von den Vereinen teilweise im Vorfeld zugeschickt, sodass wir wissen, wie die genauen Rahmenbedingungen vor Ort sind. Wir fahren daher ohne Angst zu den Spielen.
Es ist außerdem für uns selbstverständlich, vor Ort einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen und Abstand zu halten. Meiner Auffassung nach haben wir hier eine Vorbildfunktion. Während des Spiels sind wir entspannt und sehen kein Ansteckungsrisiko, denn die Spieler sind ja wie wir getestet. Sobald das Spiel losgeht, ist Corona aus dem Kopf.