Quelle: dyn
Blut an der Spielkleidung – Korrektes Vorgehen für Schiedsrichter
Was passiert im Video?
Die Mannschaft WEISS befindet sich im Angriff. Nach einem Freiwurfpfiff für WEISS unterbricht der Delegierte das Spiel und weist die Schiedsrichter darauf hin, dass Spieler WEISS 71 Blut an der Hose hat. Der Schiedsrichter fordert den Spieler auf, die Spielfläche sofort zu verlassen und das Blut zu entfernen. Nach einem regulären Wechsel wird das Spiel fortgesetzt.
Regeltechnische Betrachtung
Ein Blick ins Regelwerk hilft weiter. In Regel 4:10 Abs. 1 heißt es:
„Blutet ein Spieler oder hat ein Spieler Blut am Körper oder an der Spielkleidung, muss er die Spielfläche umgehend und von sich aus (durch eine reguläre Auswechselung) verlassen, um die Blutung zu stoppen, die Wunde abzudecken und Körper und Spielkleidung zu reinigen. Erst dann darf er die Spielfläche wieder betreten.“
Daraus ergibt sich eindeutig:
- Ein Spieler muss nicht nur bei aktiver Blutung,
- sondern auch bei Blutspuren auf Körper oder Spielkleidung
- sofort ausgewechselt werden.
Eine Rückkehr ist erst erlaubt, wenn:
- die Blutung gestoppt,
- die Wunde abgedeckt und
- alle Blutspuren restlos entfernt wurden.
Regelergänzung – Unsportliches Verhalten
Ein Spieler, der im Zusammenhang mit dieser Bestimmung den Anweisungen der Schiedsrichter nicht Folge leistet, begeht unsportliches Verhalten. Dies ist gemäß Regel 8:7, 16:1b und 16:3d entsprechend zu ahnden.
Warum gilt diese strenge Regelung?
Die Regelung dient dem Schutz vor Infektions- und Hygienerisiken, der Vermeidung von Kontamination anderer Spieler und der Spielfläche sowie einem klaren und einheitlichen Vorgehen im Sinne der Gesundheit aller Beteiligten.
Praxis-Tipps für Schiedsrichter
- Bei sichtbarem Blut (egal ob eigene Wunde oder fremdes Blut) sofort eine Auswechslung verlangen.
- Den Spieler erst wieder einwechseln lassen, wenn keine sichtbaren Blutspuren an Körper oder Kleidung mehr vorhanden sind.
- Beginnt der Spieler zu diskutieren oder verzögert die Auswechslung, konsequent auf Regel 4:10 verweisen und bei Nichtbefolgung wegen unsportlichen Verhaltens sanktionieren.
- Auch auf Kleinigkeiten achten: Kleine Blutspritzer, z. B. auf Shorts oder Trikot, gelten ebenfalls.
- Bei Bedarf darauf hinweisen, dass Kleidungsstücke gewechselt werden dürfen.
- Ist ein Trikottausch notwendig, kann der Spieler anschließend auch mit einer anderen Rückennummer weiterspielen, wenn kein Ersatztrikot mit derselben Nummer vorhanden ist.
- Die geänderte Rückennummer ist zwingend im Spielbericht zu vermerken.
Pfiff der Woche
Unter der Rubrik "Pfiff der Woche" präsentieren wir jeweils eine beachtenswerte Szene aus dem aktuellen Spielbetrieb der Bundesligen von Männern und Frauen – und gegebenenfalls auch aus den Ligen darunter. Warum die ausgewählten Situationen besondere Beachtung verdienen? Nun, weil sie einen bestimmten Regelaspekt verdeutlichen, der uns Schiedsrichtern nicht in jedem Spiel „vor die Pfeife“ kommt.