Betreten des Torraums plus Kopftreffer

Bei dem Pfiff der Woche geht es heute um die Regel zum Thema „Treffer mit Ball gegen den Kopf des Torwartes“ und das Entscheidungsverhalten der Schiedsrichter, wenn der Angreifer zusätzlich den Torraum betritt.

Was in Video 1 geschieht

Mannschaft PINK ist im Angriff und PINK 22 spielt den Ball zur RA PINK 38, die zum Torwurf ansetzt. Dabei betritt sie den Torraum und trifft mit dem Wurf den Torwart bei dem unbedrängten Wurf am Kopf/im Gesicht.

Regeltechnische Einordnung von Kay Holm, Leiter Bereich Lehre im DHB-Schiedsrichterwesen

Trifft der Werfer den Torhüter bei einem unbedrängten Wurf am Kopf und befindet sich dabei kein Abwehrspieler zwischen ihm und dem Torhüter, wird dies mit einer 2-Minuten-Zeitstrafe bedacht.

Die Situation in diesem Beispiel ist klar. RA PINK 38 befindet sich in einer freien Spielsituation und kann ungehindert auf das Tor werfen. Der erste Kontakt mit dem Ball erfolgt unmittelbar am Kopf – hier im Gesicht. Gleichwohl die Angreiferin den Torraum regelwidrig betritt (durch den Torschiedsrichter auch gut und sehr schnell erkannt und entschieden), kommt Regel 8:8d zur Anwendung. Da der Torschiedsrichter vorher richtigerweise auf Abwurf entschieden hat, ist die Spielfortsetzung nicht Freiwurf, sondern Abwurf.

Die Hinausstellung für PINK 38 (hier gegeben durch den anderen Schiedsrichter im Video nicht sichtbar) und Spielfortsetzung Abwurf SCHWARZ sind daher korrekt.

Hinweis zur Regeländerung zum 01.07.2024

Diese Situation ist auch nach dem 01.07.2024 so zu ahnden. Die Hinausstellung, wenn der Wurf eines in einer freien Spielsituation ungehindert werfenden Spielers den Kopf des Torwarts trifft, bleibt gemäß Regel 8:8d unverändert.

Lediglich bei den Kriterien für Treffer mit dem Ball gegen den Kopf des Torwarts (Regel 8:8 Hinweis) ändert sich in der vierten Aufzählung: „Versucht der Torwart, die Schiedsrichter zu täuschen, um eine Bestrafung zu provozieren (bspw., wenn der Ball die Brust des Torwarts getroffen hat)“, dann ist das zukünftig, ab dem 01.07.2024, gemäß Regel 8:8g (vorher 8:7d) zu bestrafen.

Was in Video 2 geschieht

Im zweiten Video wirft GRÜN 75 aus einer freien Spielsituation und ungehindert auf das Tor von Mannschaft ROT (ob GRÜN 75 kurz vorher durch den Torraum gelaufen ist, ist im Video nicht erkennbar und für die eigentliche Situation nicht relevant). Der Ball trifft klar die Schulter des Torwarts und der Ball fliegt von dort ins Toraus. Torwart ROT 12 signalisiert den Schiedsrichtern sofort einen Kopftreffer und weist sogar mehrmals darauf hin. 

Nach Sichtung der Aktion mit Hilfe des Videobeweises wird der Torwart ROT 12 hinausgestellt.

Der Ball hat klar die Schulter und nicht den Kopf des Torwarts getroffen. Der Torwart versucht hier die Schiedsrichter gem. Regel 8:8g (neu ab 01.07.2024) durch Simulieren hinsichtlich der Aktionen des Gegenspielers zu täuschen, um eine Spielzeitunterbrechung oder eine unverdiente Strafe eines gegnerischen Spielers zu provozieren (siehe auch 8:7d). Der erste Kontakt des Balls erfolgte nicht am Kopf, sodass eine Strafe gegen den Werfer nicht möglich ist.