Betreten des Torraums ohne Ball

Gemäß Regel 6:3 bleibt das Betreten des Torraums ungeahndet, wenn ein Spieler, nachdem er den Ball gespielt hat, den Torraum betritt, sofern dieses für die Gegenspieler keinen Nachteil bedeutet oder wenn ein Spieler ohne Ball den Torraum betritt und sich dadurch keinen Vorteil verschafft.

Regel 6:3 beschreibt also zwei Situationen, in denen der Schiedsrichter entscheiden muss, ob sich der Angreifer beim Betreten des Torraums einen Vorteil verschafft hat oder nicht. Die Entscheidung des Schiedsrichters hängt also von folgender Bewertung ab:

  • Vorteil für den Angreifer (= Nachteil für den Gegenspieler) oder
  • kein Vorteil für den Angreifer (= kein Nachteil für den Gegenspieler).

Sollte ein Spieler der angreifenden Mannschaft mit Ball den Torraum der gegnerischen Mannschaft berühren/betreten oder ohne Ballbesitz durch das Betreten des Torraums einen Vorteil erlangen, ist die Spielfortsetzung Abwurf (Regel 6:2).

In dem heutigen Videobeispiel geht es um das Betreten des Torraums ohne Ball.

Was im Video geschieht?

Mannschaft SCHWARZ ist im Angriff. SCHWARZ 20 wirft aufs Tor. Der Torwart Mannschaft GELB hält den Ball, der daraufhin vom Fuß in Richtung Spielfeld zurückprallt. SCHWARZ 22 steht ohne Ball deutlich im Torraum. Als der Ball zurückspringt, macht SCHWARZ 22 noch einen weiteren kleinen Schritt im Torraum, zieht sich dann aber – als er merkt, dass der Ball in seine Richtung fliegt – aus dem Torraum hinter die Torraumlinie zurück, um den Ball aufzunehmen. SCHWARZ 22 kann den Ball ungehindert – trotz zweier Abwehrspieler von GELB – aufnehmen und anschl. ein Tor erzielen.

Die Torschiedsrichterin entscheidet auf Tor, nachdem der Ball die Torlinie überschritten hat.

Regeltechnische Einordnung von Kay Holm, Leiter Bereich Lehre im DHB-Schiedsrichterwesen

Der Angreifer hat sich durch das Betreten des Torraums ohne Ball schon eine vorteilhafte Position gegenüber den beiden Abwehrspielern GELB verschafft. Durch die Aktion des Kreisläufers SCHWARZ, der – aus dem Kreis kommend - damit eine geschützte Position (breitbeinig) zur Ballaufnahme gegen die beiden Abwehrspieler GELB einnehmen kann. Dadurch haben die beiden Abwehrspieler es schwer (Nachteil), noch regelgerecht an den Ball zu kommen. Hier ist die beste Entscheidung für die Spielfortsetzung: ABWURF!

Fazit

In ähnlichen Situationen muss der Schiedsrichter beurteilen, ob das Betreten des Torraums für den Angreifer ein Vorteil war oder nicht bzw. ob dadurch ein Nachteil für die abwehrende Mannschaft entstand. So muss z. B. ein Verlassen des Torraums auf dem direkten bzw. kürzesten Weg erfolgen. Läuft der Angreifer dem Ball im Torraum hinterher – auch wenn kein Abwehrspieler in der Nähe ist –, muss die Entscheidung, die Spielfortsetzung ABWURF sein.

Selbst wenn der Angreifer nach dem Wurf oder wie hier ohne vorherigen Wurf den Torraum auf dem kürzesten Weg verlässt, dies aber ein Nachteil für den Abwehrspieler ist, muss auf Abwurf entscheiden werden. Nur wenn das Verlassen des Torraums auf dem kürzesten Weg kein Nachteil für den Abwehrspieler bedeutet, muss der Schiedsrichter dies laufen lassen.

Dieses Betreten des Torraums bleibt nur dann folgenlos, wenn der Angriffsspieler die Gegenspieler – und hier vor allem den Torwart! – nicht behindert oder irritiert und den Torraum auf dem kürzesten Weg sofort wieder verlässt.

Ähnliche Beispiele finden sich im Pfiff der Woche vom 20.06.2022 (Der Torraum gehört zum Torwart).