Nils Blümel ist Sprecher des Elitekaders (Foto: Julia Nikoleit).

Best Practice: Die Kaderaussprache als Instrument für die Weiterentwicklung

Es ist Tradition bei den halbjährlichen Lehrgängen des Elite- und Bundesligakaders: Am Freitagabend versammeln sich die Schiedsrichter alleine im Seminarraum; ohne Schiedsrichter-Chefin Jutta Ehrmann, ohne die anderen Mitglieder aus Leitungsgremium und Lehrstab, ohne andere beim Lehrgang anwesende Gäste. Die Kaderaussprache gehört nur den Unparteiischen.

Während der langen Saisonmonate sind die Schiedsrichter verteilt an den Spielorten unterwegs, entsprechend begrenzt sind die Möglichkeiten, sich persönlich auszutauschen. Umso wichtiger ist die wiederkehrende Sitzung auf jedem Lehrgang.

„Es ist unser geschützter Raum", erklärt Nils Blümel, seit 2020 Sprecher des Elitekaders. „Wir leiten die Spiele, wir stehen in den Hallen, wir bringen die Praxis-Erfahrung mit. Die Kaderaussprache dient dazu, Erfahrungen auszutauschen, Impulse einzubringen und Vorschläge für Änderungen und Optimierungen zu sammeln."

Das Ziel der Kaderaussprache: eine gemeinsame Liste an Themen erarbeiten, die Blümel als Kadersprecher anschließend an die Leitung um Schiedsrichter-Chefin Jutta Ehrmann heranträgt. Das können beispielsweise organisatorische Punkte sein oder Wünsche an die Kommunikation zwischen Schiedsrichtern und Lehrstab.

„Wir haben auf diesem Weg die Möglichkeit, die Perspektiven der Schiedsrichter sachlich in den Dialog mit der Leitung einzubringen", so Blümel. Keine Rolle in der Aussprache spielen hingegen Regelauslegungen oder Durchführungsbestimmungen; derlei fachliche Anweisungen werden auf dem Lehrgang ohnehin besprochen.

Das wichtigste Credo für die Aussprache und zugleich Voraussetzung für einen offenen Austausch ist, dass persönliche Wortbeiträge und konkrete interne Diskussionen vertraulich behandelt werden. Dabei geht es nicht um Einzelanliegen, sondern um für die Allgemeinheit des Kaders relevante Themen.

„Es ist kein Meckerformat, in dem lediglich aufgearbeitet wird, was einem einzelnen Schiedsrichter-Team in der letzten Saison passiert ist, oder ob hinter dem Kampfgerichtstisch in einer bestimmten Halle zu wenig Platz war", erklärt Blümel. „Wir wollen gemeinsame Themen identifizieren, Dinge aus verschiedenen Perspektiven beleuchten und uns lösungsorientiert mit Verbesserungsmöglichkeiten beschäftigen."

Die Vorbereitung der Kaderaussprache beginnt im Elitekader daher bereits vor dem Lehrgang: Kadersprecher Blümel bittet seine Kollegen um Themenvorschläge. „Wenn eine Sache mehrfach eingereicht wird, sehe ich schon, dass das Thema den Kader beschäftigt", sagt Blümel.

Wer sein Thema nicht vorab eingereicht hat, kann es während der Sitzung noch einbringen. In der Aussprache darf jeder Schiedsrichter sich beteiligen und seine Meinung äußern – unabhängig von Alter und Dauer der Kaderzugehörigkeit. „Ich versuche als Kadersprecher, in erster Linie zuzuhören und zu moderieren", sagt Blümel. „Über die Diskussion bekomme ich dann schon ein gutes Stimmungsbild."

Eine Zeitvorgabe für die Aussprache gibt es seitens der Leitung nicht. Sie findet freitags nach dem Abendessen statt, danach endet das Tagesprogramm. „Dieses Jahr haben wir eine gute halbe Stunde zusammengesessen, in anderen Jahren auch mal ein bisschen länger", erinnert sich Blümel. „Aus der Erfahrung heraus kann ich nur empfehlen: Mehr als 60 Minuten sollte es nicht dauern."

Am Ende entscheiden die Schiedsrichter gemeinsam, welche Themen über den Kadersprecher an die Leitung herangetragen werden. „Ich lege das nicht alleine fest", betont Blümel. „Wenn das Stimmungsbild nicht ohnehin schon eindeutig ist, stelle ich zwei Vorschläge für den weiteren Umgang mit dem Thema zur Verfügung."

Anschließend an die Aussprache sucht Blümel das Gespräch mit der Leitung; am Sonntag, dem letzten Lehrgangstag, berichtet er als Sprecher gemeinsam mit der Leiterin des Schiedsrichterwesens zum Lehrgangsabschluss von den Ergebnissen. Dass dies ein zeitlicher Luxus ist, weiß Blümel. „Wir haben durch den dreitägigen Lehrgang natürlich mehr Spielraum als die Kollegen an der Basis, deren Lehrgänge mitunter nur einen oder einen halben Tag dauern", sagt er.

Dennoch kann eine Kaderaussprache sinnvoll sein. „Es ist nur wichtig, sich nicht in Kleinigkeiten und Einzelfällen zu verlieren", rät Blümel. „Es sollte zuerst immer die Frage gestellt werden: Ist das ein Thema, das für uns als Kader relevant ist und das wir in den Austausch mit unserer Leitung einbringen wollen?"


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