Körpergröße alleine entscheidet nicht über die Wirkung des Auftretens, wie hier eindrucksvoll zu sehen ist. (Foto: IMAGO/wolf-sportfoto)
Man kann nicht nicht kommunizieren
Für einen Schiedsrichter ist die größte Anerkennung seiner Leistung meist, wenn nach einem Spiel nicht über ihn gesprochen wird. Dieses übereinstimmende Schweigen bedeutet erfahrungsgemäß: Der Schiedsrichter hat aus Sicht der beteiligten Spieler, Offiziellen, Zuschauer und Presse alles richtig gemacht (oder man hat die Fehler nicht bemerkt). Die Schwächen des eigenen Teams bei diesem Spiel können dieses Mal ausnahmsweise nicht dem Schiedsrichter zur Last gelegt werden. Das lautlose Lob der Öffentlichkeit ist somit oft das beste, das für einen Schiedsrichter zu holen ist. Sich ein Lob zu erhaschen ist aber nicht der Grund, weshalb Schiedsrichter Woche für Woche auf dem Spielfeld sind. Ihre Aufgabe ist eine andere: ein faires und regelgerechtes Beurteilen und Leiten des Spielgeschehens.
Wesentliche Kriterien für die (gute) Spielleitung sind das Auftreten, das Verhalten und die Präsenz als Schiedsrichter in der Halle und auf dem Spielfeld. Somit ist die richtige Körpersprache im richtigen Moment für jeden Schiedsrichter ein zentrales und wichtiges Mittel der Spielleitung.
Sechs Tipps für die richtige Körpersprache in der Praxis
1. Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Gelegenheit
Schon der erste Händedruck in der Halle (wenn Corona dies wieder zulässt), die erste Begrüßung ist entscheidend. Als Schiedsrichter sollte man bei Ankunft in der Halle selbstbewusst, aber nicht arrogant wirken. Ein freundliches, verbindliches Auftreten, ein angenehmer Händedruck oder eine andere Begrüßung, guter Augenkontakt und deutliche Sprache sind hier der Schlüssel zu einem guten Start.
2. Reflexion des eigenen Auftretens
Viele Schiedsrichter wissen gar nicht, wie eine Gestik oder Körperhaltung auf das Gegenüber wirkt. Wenn sie bei einer Spielleitung gefilmt werden, sind sie selbst bei anschließender Betrachtung oft überrascht, wie ihre Gesten von außen wirken. Das eigene Auftreten gespiegelt zu bekommen ist daher äußerst wichtig. Man sollte jede Möglichkeit nutzen, entweder sein eigenes Spiel filmen zu lassen oder vorhandene Videos zu nutzen, um an der eigenen Körpersprache zu arbeiten.
80 bis 85 Prozent unseres Auftretens sind Körpersprache! Gerade als Schiedsrichter kann man unbewusst eine Menge richtig, aber auch jede Menge falsch machen.
3. Aktiv und dynamisch in Situationen gehen
Wie gehe ich in eine brenzlige Szene hinein, mit welcher Körpersprache und welchem Auftreten löse ich beispielsweise eine schwierige Situation? Nicht die Körpergröße eines Schiedsrichters, sondern seine Entschlossenheit, Situationen zu lösen, ist entscheidend für seine Durchsetzungsstärke! Sicherlich ist eine gewisse Größe hilfreich, aber die Dynamik einer Aktion ist deutlich entscheidender.
Aber Vorsicht! Nicht jeder Schiedsrichter kann mit seinem körperlichen Einsatz eine „Rudel-Bildung“ auflösen. Manchmal ist es besser, außen vor zu bleiben und zu beobachten, bevor man selbst zum Teil des „Rudels“ wird.
4. Kritische Situationen schnell beenden
Eine knappe, klare Geste ist manchmal vielsagender als lange Diskussionen. Der Schiedsrichter macht somit deutlich: bis hierhin und nicht weiter. Je länger ein Konflikt dauert, desto schwerer wird es, diese kritische Situation zu lösen.
5. Status wahren
Spieler und/oder Offizielle versuchen oft, den Schiedsrichter in eine passive Rolle zu drängen. Dies gilt es zu verhindern. Auch hierbei hilft die richtige Körpersprache. Eine gerade Haltung ist hier wichtig.
6. Situatives Verständnis
Nicht stereotyp, mechanisch oder gedankenlos handeln. Es gibt kein Allheilmittel, kein Schema F. Jeder Spieler oder Offizielle ist anders und benötigt auch eine andere Ansprache.
Fazit
Nach der Spielleitung ist vor der Spielleitung und die Selbstreflexion und Weiterentwicklung der eigenen Körpersprache ist dabei ein zentrales Thema. Man kann am eigenen Auftreten arbeiten und sollte dieses auch tun.