Quelle: DHB

Behalten Sie den Überblick!

Eine Verwarnung ist die angemessene Strafe bei Regelwidrigkeiten oder unsportlichem Verhalten, das progressiv zu bestrafen ist.

Bei der Anwendung von Strafen ist aber eine Reihe regeltechnischer Bestimmungen zu beachten. Dass dies den Schiedsrichtern nicht immer so bewusst ist bzw. man nicht immer den Überblick behält, zeigt der heutige Pfiff der Woche.

Was muss bei Verwarnungen von Spielern beachtet werden?

Grundsätzlich sollte ein Spieler nur einmal verwarnt werden (= Anzeigen der Gelben Karte), eine Mannschaft nicht mehr als 3 Verwarnungen erhalten, ein bereits hinausgestellter Spieler nicht mehr verwarnt werden.

Was im Video geschieht

GELB 11 wird nach Vorteil mit Torerfolg für WEISS vom Schiedsrichter noch vor der Ausführung des Anwurfs verwarnt. Der Schiedsrichter schaut kurz zum Sekretär, der auch – ohne Bestätigung – die Verwarnung im Spielbericht notiert. Ohne jeden weiteren Kontakt zum Zeitnehmer/Sekretär pfeift der Schiedsrichter den Anwurf an, der auch ausgeführt wird. Erst anschließend, als der Schiedsrichter nunmehr die Verwarnung auf seiner Notizkarte notieren will, meldet sich der Sekretär und macht deutlich, dass der Spieler bereits verwarnt ist. Dann unterbricht der Zeitnehmer das Spiel und der Schiedsrichter verhängt gegen GELB 11 eine Hinausstellung. Bevor der Schiedsrichter das Spiel wieder anpfeifen will, muss er noch Mannschaft WEISS von der Spielfläche bitten, die dachten, es wäre Team Time-out. Erst danach pfeift der Schiedsrichter das Spiel mit Ballbesitz GELB wieder an.

Die regeltechnische Einordnung von Kay Holm, Leiter Bereich Lehre im Schiedsrichterwesen des DHB

GELB 11 wurde versehentlich zum zweiten Mal verwarnt. Zeitnehmer/Sekretär machen erst nach dem Wiederanpfiff (ausgeführter Anwurf) den Schiedsrichter darauf aufmerksam.

Eine Korrektur ist nun aber nicht mehr möglich, da der Wiederanpfiff bereits erfolgte. Eine Abänderung auf Hinausstellung ist nur vor dem Wiederanpfiff möglich und zwingend erforderlich, wenn man auf das Versehen aufmerksam gemacht wurde oder es selbst bemerkt hat.

Daher ist die Hinausstellung gegen GELB 11 regeltechnisch nicht korrekt.

Fazit

Die regeltechnischen Bestimmungen sollte man kennen, um derartige Fehler zu vermeiden. Besser ist natürlich, denselben Spieler erst gar nicht erneut zu verwarnen. Sollte dies versehentlich doch passieren, ist eine gute, klare Kommunikation mit Zeitnehmer/Sekretär vor dem Wiederanpfiff sehr hilfreich. Aber auch der Teampartner ist in der Pflicht, einen eventuellen Regelverstoß zu vermeiden. Eine schnelle Spielfortsetzung ist zwar grundsätzlich richtig, aber nicht in jeder Situation.

Nach Wiederanpfiff ist eine Korrektur nicht mehr erlaubt! Es bleibt dann bei den zwei Verwarnungen für denselben Spieler, die selbstverständlich auf das Gesamtkontingent angerechnet werden.

Wie kann man diesen Fehler einfach vermeiden? Hierzu haben die beiden IHF-Schiedsrichter Robert Schulze und Tobias Tönnies in dem Artikel „10 Tipps, um Entscheidungen als Schiedsrichter (besser) zu verkaufen“ vom 11.11.2021 wertvolle Tipps gegeben. In Tipp 7 heißt es:

„Wäre es die erste oder zweite gelbe Karte für den Spieler? Die zweite oder dritte Zeitstrafe? Und kann ich überhaupt noch eine gelbe Karte geben oder habe ich schon alle ‚weg‘? Gerade bei intensiven Spielen ist es zu Beginn der Karriere manchmal schwierig, den Überblick zu behalten. Musst du allerdings jedes Mal erst deine Spielnotizkarte aus der Hemdtasche ziehen oder wirst vom Kampfgericht darauf hingewiesen, dass du eine Zeitstrafe statt der zweiten gelben Karte hättest geben müssen, schadet das deiner Außenwirkung. Notiere dir die Strafen daher zusätzlich auf dem Handrücken oder der Handinnenseite – so kannst du mit einem diskreten Blick sofort sehen, welche Strafen du schon verteilt hast.“

Also, es lohnt sich, Tipps von erfahrenen Schiedsrichtern zu lesen und zu übernehmen. Dann funktioniert es auch mit der Karriere.