Torwartwechsel beim 7‑Meter‑Wurf
Gleichzeitig ist der Torwartwechsel als situative Maßnahme zu betrachten, deren Wirksamkeit von verschiedenen Faktoren wie Spielkontext, Kenntnis über die Wurfpräferenzen des Schützen sowie der individuellen Leistungsfähigkeit des eingewechselten Torwarts abhängt.
Was bedeutet das für die Spielleitung?
Für Schiedsrichter ist es unerlässlich, bei einem bevorstehenden Wechsel des Torwarts stets die aktuelle Spielsituation, einschließlich Spielstand und verbleibender Spielzeit, sorgfältig zu beobachten. Nur so kann gewährleistet werden, dass der 7‑Meter‑Wurf regelkonform, ohne Verzögerungen oder unzulässige Beeinflussungen bzw. Benachteiligungen durchgeführt wird.
Regeltechnik
1. Time-out bei einem Wechsel – ja oder nein?
Gemäß Regel 2:8 entscheiden die Schiedsrichter, wann und wie lange die Spielzeit unterbrochen wird. Bei Hinausstellungen, Disqualifikationen, Team-Time-outs, einem Pfiff vom Zeitnehmer oder Delegierten sowie bei notwendigen Rücksprachen zwischen den Schiedsrichtern entsprechend den Regeln 17:6–7 ist ein Time-out verbindlich.
In bestimmten anderen Situationen können die Schiedsrichter ebenfalls ein Time-out gewähren. Die Ausführungsbestimmungen dazu finden sich in Erläuterung 2.
Abgesehen von den in Regel 2:8 festgelegten obligatorischen Time-outs obliegt es den Schiedsrichtern, auch in anderen Fällen nach eigenem Ermessen über die Notwendigkeit eines Time-outs zu entscheiden. Typische Konstellationen, in denen ein Time-out nicht zwingend vorgeschrieben, jedoch unter normalen Bedingungen üblich ist, sind unter anderem:
- Äußere Einflüsse, z. B. das Spielfeld muss gewischt werden.
- Ein Spieler scheint verletzt.
- Eine Mannschaft verzögert offensichtlich das Spiel, etwa durch Hinauszögern eines formellen Wurfs oder Nichtfreigabe des Balls.
- Der Ball berührt die Decke oder eine Vorrichtung über der Spielfläche und landet weit entfernt von der Stelle des fälligen Einwurfs, was zu Verzögerung führt.
- Wechsel eines Feldspielers mit einem Torwart zur Ausführung des Abwurfs.
Bei der Beurteilung sollten die Schiedsrichter prüfen, ob eine Unterbrechung ohne Time-out eine Mannschaft unangemessen benachteiligen würde.
Ein weiteres wichtiges Kriterium ist die zu erwartende Dauer der Unterbrechung.
Was bedeutet dies nun für einen Torwartwechsel beim 7‑m‑Wurf?
Es hat sich bewährt, bei einem Torwartwechsel grundsätzlich – unter Beachtung der genannten Kriterien – ein Time-out zu geben.
Video 1
Die Schiedsrichter entscheiden bei 56:22 Minuten und dem Spielstand 23:39 auf 7‑Meter‑Wurf für GRÜN. BLAU möchte einen Torwartwechsel durchführen. Die Torhüterin teilt dies dem Schiedsrichter mit, der sofort Time-out gibt.
In dieser Situation (Spielstand, Spielzeit) wäre ein Time-out entbehrlich gewesen.
Video 2
Bei 53:36 Minuten und einem Spielstand von 28:22 gibt es 7‑Meter für BLAU. Noch bevor der Schütze die Linie erreicht, führt GRÜN den Torwartwechsel durch. Das Time-out wird erst nach Anforderung durch Spieler BLAU 4 gegeben.
Hier wäre ein sofortiges Time-out angebracht gewesen – nicht erst auf Hinweis des Spielers.
Video 3
Bei 57:37 Minuten und einem Spielstand von 30:33 entscheiden die Schiedsrichter auf 7‑Meter‑Wurf für WEISS. SCHWARZ möchte wechseln; die Schiedsrichter erkennen dies sofort und geben Time-out.
In dieser Situation ist ein Time-out klar angebracht.
2. Was ist beim Torwartwechsel nicht erlaubt?
Gemäß Regel 14:10 ist ein Torwartwechsel nicht mehr zulässig, sobald sich der Werfer mit dem Ball in der Hand in korrekter Wurfposition befindet und erkennbar bereit ist, den 7‑Meter‑Wurf auszuführen. Jeder Versuch, in dieser Situation einen Wechsel vorzunehmen, ist als unsportliches Verhalten zu werten und entsprechend zu bestrafen (8:7c; 16:1b; 16:3d).
Beabsichtigt der Torwart dennoch einen Wechsel, nachdem alle Spieler ihre korrekte Ausgangsstellung eingenommen haben, müssen die Schiedsrichter dies zunächst klar unterbinden. Erfolgt keine Reaktion, ist der Torwart gemäß Regel 14:10 in Verbindung mit 8:7c bereits beim ersten Vergehen progressiv zu bestrafen – wechseln darf er trotzdem nicht.
Missachtet er den Hinweis weiterhin und geht zur Auswechselbank, ist er hinauszustellen.
Fazit
Der Torwartwechsel beim 7‑Meter‑Wurf ist eine zulässige, aber nicht regelmäßig angewandte taktische Maßnahme. Für die Schiedsrichter ist es entscheidend, einen möglichen Wechsel frühzeitig zu erkennen und den regelgerechten Ablauf des 7‑Meter‑Wurfs ohne Verzögerungen oder unzulässige Beeinflussungen sicherzustellen.
Regelfragen
14.7
7‑Meter‑Werfer WEISS 6 steht bereit, als Offizieller A von SCHWARZ seinen Torwart zum Wechsel auffordert. Der Torwart setzt dies in Bewegung. Wie ist zu entscheiden?
- Keine Maßnahme erforderlich
- Verwarnung des Offiziellen A
- Verwarnung des Offiziellen A und des Torwarts
- Verwarnung des Torwarts
Richtige Antwort: 4
8.31
Wann ist eine Verwarnung erforderlich?
- Bei einer Regelwidrigkeit gegen den Körper des Gegenspielers
- Bei einer Regelwidrigkeit während der Ausführung eines formellen Wurfs
- Wenn der Ball nach einer Entscheidung gegen die eigene Mannschaft nicht auf den Boden gelegt wird
- Beim Versuch eines Torwarts, einen Wechsel vorzunehmen, wenn der Werfer bereit ist
Richtige Antwort: 1, 2, 4
Pfiff der Woche
Unter der Rubrik "Pfiff der Woche" präsentieren wir jeweils eine beachtenswerte Szene aus dem aktuellen Spielbetrieb der Bundesligen von Männern und Frauen – und gegebenenfalls auch aus den Ligen darunter. Warum die ausgewählten Situationen besondere Beachtung verdienen? Nun, weil sie einen bestimmten Regelaspekt verdeutlichen, der uns Schiedsrichtern nicht in jedem Spiel „vor die Pfeife“ kommt.