Quelle: DHB

Team-Time-out

Mit Beginn der aktuellen Saison (in der 2. Bundesliga ab dem 01.02.2023) wurde die Buzzertechnik für die Beantragung eines Team-Time-outs zugelassen und eingesetzt. In allen anderen Bereichen bleibt es bei der Nutzung der Grünen Karte. Heute haben wir erneut ein Beispiel zum Thema TTO mit den Schwerpunkten Beantragung und Gewährung.

 

Was im Video geschieht

Es sind die letzten Sekunden des Spiels – Spielstand 33:33. Mannschaft BLAU ist im Angriff und erhält einen 7-Meter-Wurf. Der Feldschiedsrichter gibt Time-out und es sind nur wenige Sekunden zu spielen. Während BLAU 14 zur Ausführung des 7-Meter-Wurfs geht, zeigt der Trainer Mannschaft ROT an, dass er ein TTO nach der Ausführung beantragen werde. Der Feldschiedsrichter pfeift den 7-Meter-Wurf an, BLAU 14 führt diesen aus und der Torwart hält den Ball, der aber Richtung Spielfeld zurückspringt. BLAU 14 kann den Abpraller aufnehmen und erzielt ein Tor. Nachdem der Ball die Torlinie überschritten hat, zeigt der Torschiedsrichter deutlich und hörbar den Torerfolg an. Während der Ball vom Torwart Richtung Spielfeld zurückspringt, legt der Trainer der Mannschaft ROT die Grüne Karte, beantragt ein Team-Time-out und der Sekretär hält deutlich die Grüne Karte nach oben (er signalisiert zunächst optisch, dass Mannschaft ROT ein TTO beantragt hat). Erst nachdem der Torschiedsrichter den Treffer anerkannt hat, ist ein Signal (Pfiff) zu hören, das vermutlich vom Zeitnehmer kommt, der sich auch optisch bemerkbar macht. Nach längerer Diskussion mit dem Zeitnehmer und den Schiedsrichtern untereinander, wird erneut auf 7-Meter-Wurf für Mannschaft BLAU entschieden. BLAU 14 tritt an und trifft nunmehr zum Endstand 33:34. Das Spiel ist danach beendet.

Regeltechnische Einordnung von Kay Holm, Leiter des Bereichs Lehre im DHB-Schiedsrichterwesen

Wie muss die Beantragung erfolgen?

Ein Offizieller der Mannschaft, die ein Team-Team-out beantragen will, muss eine „Grüne Karte" vor dem Zeitnehmer auf den Tisch legen. Dass das in der Praxis nicht immer so gehandhabt wird, ist bekannt. Daher wird auch die Übergabe der Karte an den Zeitnehmer/Sekretär toleriert.

Hierbei ist noch der Blick ins Auswechselraum-Reglement wichtig

Dem Offiziellen ist es selbstverständlich erlaubt, die Coachingzone zu verlassen, wenn er ein TTO anmelden will. Dem Offiziellen ist es jedoch nicht erlaubt, zur Anmeldung des TTO in der Coachingzone zu warten. Sollte dies passieren, sollte der Zeitnehmer oder Sekretär den Offiziellen bitten, in die Coachingzone zurückzugehen.

Voraussetzungen

Gemäß Absatz 2 der Erläuterung 3 kann nur die Mannschaft ein TTO beantragen, die sich in Ballbesitz befindet.
Ferner muss der Ballbesitz auch zu dem Zeitpunkt bestehen, wenn der Zeitnehmer pfeift bzw. den entsprechenden Signalknopf betätigen kann. Verliert die beantragende Mannschaft in dieser kurzen Zeitspanne den Ballbesitz oder die beantragende Mannschaft ist noch nicht im Ballbesitz, ist der Mannschaft die Grüne Karte zurückzugeben.

Ballbesitz

Die wesentliche Voraussetzung für die Beantragung und Gewährung ist, dass die Mannschaft sich zum Zeitpunkt des Signals des Zeitnehmers (noch) in Ballbesitz befindet. Dabei kann es sich sowohl um einen physischen Ballbesitz (ein Spieler dieser Mannschaft hat Ballkontrolle) oder um einen faktischen Ballbesitz (entsprechende Regeln weisen dieser Mannschaft den Ballbesitz zu) handeln.

Im Beispiel hier legt der Offizielle (Trainer) von Mannschaft ROT die Grüne Karte, nachdem der Torwart den Ball gehalten/geblockt hat und der Ball sich über den Torraum in der Luft befindet. Das Abblocken des Wurfes ist aber kein Ballbesitz, denn Ballbesitz setzt die Ballkontrolle voraus. Dies ist hier nicht gegeben! Wenn aktuell keine Mannschaft im physischen Ballbesitz ist, ist die Mannschaft im Ballbesitz, die es zuletzt war. Hier gehört also der Ball regeltechnisch immer noch der Mannschaft BLAU, gleichwohl BLAU 14 den Ball noch gar nicht wieder aufgenommen hat (hier kommt es zur analogen Anwendung der Regel 13:4b).

Dies bedeutet zunächst, dass hier der Sekretär gar nicht die Grüne Karte hätte annehmen dürfen, sondern dem Trainer hätte zurückgeben müssen!

Entscheidend für die Spielfortsetzung ist dann, wann (zu welchem Zeitpunkt) der Zeitnehmer nunmehr das Spiel unterbrochen hat. Eindeutig geht das aus dem Video (leider) nicht hervor.

Daher drei Szenarien (Fälle) für den Zeitpunkt der Unterbrechung durch den Zeitnehmer:

  1. Der abprallende Ball befindet sich noch über dem Torraum.
  2. Im Torwurf (bevor der Ball die Torlinie überquert hat), nachdem BLAU 14 den Ball gefangen hat.
  3. Nach Torwurf, der Ball hat bereits die Torlinie vollständig überschritten.

Bevor wir die richtige Spielfortsetzung aufzeigen, sollten und müssen wir noch einen Blick in die Erläuterung 7B Buchstabe A. werfen: Unterbricht der Zeitnehmer das Spiel, wenn der Ball im Spiel ist, wird es mit Freiwurf für diejenige Mannschaft fortgesetzt, die zum Zeitpunkt der Unterbrechung im Ballbesitz war.

Erfolgt die vorzeitige Unterbrechung aufgrund eines Verstoßes der abwehrenden Mannschaft und es wird dadurch eine klare Torgelegenheit für die ballbesitzende Mannschaft vereitelt, ist gemäß Regel 14:1b auf 7-Meter-Wurf zu entscheiden.

Gleiches gilt, wenn der Zeitnehmer das Spiel wegen eines beantragten Team-Time-outs unterbricht und die Schiedsrichter dies aufgrund des falschen Timings ablehnen. Wird zum Zeitpunkt der Unterbrechung eine klare Torgelegenheit vereitelt, muss auf 7-Meter-Wurf entschieden werden.

Lösungen:

Im o. g. Fall 1 erfolgt die Unterbrechung, als Mannschaft BLAU noch keine klare Torgelegenheit hat (Ball noch über dem Torraum). Daher wäre die Spielfortsetzung – nach der Klärung der Situation mit Z/S – Freiwurf für Mannschaft BLAU. Die Grüne Karte wird Mannschaft ROT zurückgegeben.

Im Fall 2 erfolgt die Unterbrechung zum Zeitpunkt, als Mannschaft BLAU eine klare Torgelegenheit hat. Hier wäre die richtige Spielfortsetzung 7-Meter-Wurf für Mannschaft BLAU. Die Grüne Karte wird Mannschaft ROT zurückgegeben.

Im Fall 3 erfolgt die Unterbrechung, nachdem der Ball die Torlinie vollständig überschritten hat. In diesem Fall hat Mannschaft BLAU ein reguläres Tor erzielt und damit ist faktisch Mannschaft ROT im Ballbesitz (Regel 10:2). Damit könnte theoretisch das TTO nunmehr gewährt werden. Faktisch und regeltechnisch – aber nicht korrekt. Die Karte hätte im Vorfeld gar nicht angenommen werden dürfen, der Sekretär hätte diese zurückgeben müssen. Erst nach dem Torerfolg von Mannschaft BLAU, hätte der Trainer Mannschaft ROT dann erneut ein TTO beantragen können.

Wie wäre es eigentlich, wenn der Trainer anstatt des Legens der Grünen Karte, den Buzzer im selben Moment gedrückt hätte?

Fall 1

Ein Mannschaftsoffizieller beantragt ein TTO, während die gegnerische Mannschaft im Ballbesitz ist (keine klare Torgelegenheit). Hier ist folgendes Vorgehen festgelegt:

Der Mannschaftsoffizielle, der das TTO falsch beantragt hat, wird progressiv bestraft und die (gegnerische) Mannschaft, die in Ballbesitz war, erhält zusätzlich einen 7-Meter-Wurf. Außerdem verliert die Mannschaft, die die Unterbrechung durch das fehlerhafte TTO verursacht hat, ein (1) TTO – die Gesamtzahl der Team-Time-outs wird um eins reduziert.

FALL 2

Ein Mannschaftsoffizieller beantragt ein TTO, während sich die gegnerische Mannschaft sich in einer klaren Torgelegenheit befindet. Hier ist folgendes Vorgehen festgelegt:

Der Mannschaftsoffizielle, der das TTO per Druck auf den Buzzer falsch beantragt hat, erhält eine Disqualifikation mit Bericht (Rote und Blaue Karte gemäß 8:10b) und die (gegnerische) Mannschaft, die in Ballbesitz war, erhält zusätzlich einen 7-Meter-Wurf. Die Mannschaft, die die Unterbrechung durch das fehlerhafte TTO verursacht hat, verliert ein (1) Team-Time-out – die Gesamtzahl der Team-Time-outs wird um eins reduziert. Da die hier beschriebene Situation sich innerhalb der letzten 30 Sekunden abspielt, träfe daher Fall 3 zu:

FALL 3

Sollte eine in den Fällen 1 und 2 beschriebene Situation in den letzten 30 Sekunden verursacht werden, hat der Mannschaftsoffizielle A der benachteiligten Mannschaft das Recht, zwischen einem 7-Meter-Wurf oder der Aufrechterhaltung des Ballbesitzes zu wählen.

Wird die Aufrechterhaltung des Ballbesitzes gewählt, wird das Spiel mit einem Freiwurf aus dem Auswechselbereich oder dort, wo sich der Ball im Moment der Unterbrechung befand, fortgesetzt, wenn diese Position für die Mannschaft günstiger ist.
Diesbezüglich verweisen wir auf den Beitrag (Der Auszeit-Buzzer) vom 29.08.2022. 

Fazit:

Bei der Gewährung und Durchführung eines Team-Team-outs gibt es einige Fallstricke für Zeitnehmer/Sekretär und Delegierte. Daher sind die Schiedsrichter auf kompetente Zeitnehmer/Delegierte angewiesen, die die einschlägigen Bestimmungen des Regelwerks kennen und in regelgerechter und sportlich fairer Weise anwenden.

Des Weiteren wird aber auch anhand dieses Beispiels deutlich, dass es schon (erhebliche) Unterschiede bei Bestrafung des Mannschaftsoffiziellen und den Konsequenzen gibt, wenn der Auszeit-Buzzer genutzt wird.

Anmerkung: Die Klärung der Situation durch die Schiedsrichter muss wesentlich schneller erfolgen.