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Teil 10: Frank Schneider (HV Südbaden)

Quelle: Privat

 

 

Frank Schneider begann im Alter von 22 Jahren mit dem Pfeifen, hörte zwischendurch auf und stieg dann über einen Auffrischungskurs wieder ein. Er pfeift bis zur Südbadenliga – und hat seine Passion weitergegeben: Sowohl sein Sohn als auch seine Tochter haben einen Schiedsrichterschein.

 

Redaktion: Frank, wie bist du zum Pfeifen gekommen?

Frank Schneider: Ich habe damals in unserer Männermannschaft gespielt und es wurde gefragt, ob jemand Lust hat, zu pfeifen. Ich habe nicht lange überlegt und habe gesagt: „Ich mache das!“ Ich hatte schon immer Interesse und ohne Schiedsrichter geht es nicht, das ist ja klar.

 

Was war in den ersten ein, zwei Spielen die größte Herausforderung?

Dass ich es allen recht machen wollte. Ich habe gehadert, ob ein Pfiff richtig ist oder nicht; das war schwierig für mich. Du weißt, dass du als Spieler selbst manchmal den Schiedsrichter kritisiert hast und fragst dich: Mache ich es denn jetzt den Spielern recht?

 

Wie lange hat es gedauert, bis du dieses Denken abgelegt hast? Denn eigentlich ist das ja genau die falsche Herangehensweise, oder?

Das stimmt (lacht). Es ging vier oder fünf Spiele so, dann war es für mich okay, es kam der Spaß dazu – und dann war es ganz schnell Routine. Das hört sich vielleicht blöd an, wenn man gerade selbst am Anfang seiner Karriere steht, aber irgendwann macht man sich darüber keine Gedanken mehr, weil man sicher geworden ist. Ich kann jedem jungen Schiedsrichter daher nur empfehlen, so viel zu pfeifen, wie es geht – und wegzuhören, was von draußen kommt. Wirklich: Hört einfach nicht hin, das bringt nichts.

 

Was bringt einen als Schiedsrichter denn stattdessen weiter?

Es kann einem enorm weiterhelfen, das Gespräch mit den Trainern zu suchen. Wir machen das bis heute in der Südbadenliga, dass wir nach dem Spiel mit dem Trainer in der Kabine das Spiel kurz besprechen und erörtern, was wir richtig oder falsch gemacht haben. Das bringt mich weiter, man lernt ja nie aus. Ich empfehle allerdings, nicht direkt nach Abpfiff zum Trainer zu gehen, sondern das Spiel zehn Minuten sacken lassen. Dann haben sich die Emotionen in der Regel beruhigt.

 

Wenn du noch einmal zurückblickst in deine Anfangszeit: Hast du dir ein Ziel gesetzt, wo es hingehen soll oder einfach abgewartet, was sich ergibt?

Ich hatte am Anfang keine großen Ziele, ich wollte einfach pfeifen – und mittlerweile bin ich leider zu alt, um höher zu pfeifen (lacht). Ich habe aber auch, das sei dazu gesagt, nicht durchgehend gepfiffen, sondern zwischenzeitlich familienbedingt pausiert.

 

Wie kam es dazu, dass du wieder angefangen hast?

Es gab ein Projekt bei uns im Schwarzwald, wo verdienten Spieler oder ehemaligen Schiedsrichtern eine verkürzte Ausbildung angeboten wurde, um pfeifen zu können. So wollte man diejenigen gewinnen, die vielleicht nicht mehr spielen können oder irgendwann - wie ich - aufgehört hatten zu pfeifen. Wir waren damals in dem Lehrgang zu acht und ich glaube, es pfeifen alle noch. Umso älter man ist, umso ruhiger und routinierter ist man auf dem Feld. Und da es meiner Meinung nach immer schwieriger wird, Jüngere zu motivieren, ist das eigentlich eine sehr gute Herangehensweise.

 

Wie erlebst du denn – unabhängig von diesem Projekt – die Lage der Schiedsrichter bei euch im Landesverband?

Ich sehe sie sehr kritisch und seit Corona ist die Lage noch schlimmer geworden. Wir haben zu wenig jüngere Schiedsrichter und das Problem, dass viele kurz nach dem Anfangen bereits schnell die Lust verlieren. Es ist halt leider vom Publikum nicht immer leicht. Junge Schiedsrichter dürften nicht beleidigt und ausgebuht werden. Jeder Mensch macht Fehler, das ist doch normal. Ich glaube, wenn sie in der Halle auch mal gelobt werden würden, gewinnen sie Selbstbewusstsein und hören nicht so schnell wieder auf.

Ansonsten haben wir viele ältere Schiedsrichter, ab 40 Jahren aufwärts. Zwischen den älteren Gespannen und den talentierten Nachwuchsleuten fehlt die Masse. Und wenn die Jungen gut sind, werden sie schnell in die Oberliga hochgezogen und fehlen in Südbaden. Wenn ich ein paar Jahre in die Zukunft blicke, wird mir ein bisschen Angst und Bange, wie es weitergehen soll.

 

Zum Abschluss: Was hättest du gerne am Anfang deiner Schiedsrichterkarriere schon gewusst bzw. gesagt bekommen, was du aber erst im Laufe der Zeit lernen musstest?

Wie wichtig das Selbstbewusstsein auf dem Spielfeld als Schiedsrichter ist. Am Anfang ist man oft unsicher und vermeidet die Kommunikation mit Spielern und Trainern. Das ist verständlich, aber es schadet einem. Daher sollte man versuchen, selbstbewusst rüberzukommen; auch, wenn man das vielleicht noch nicht fühlt. Je mehr man lernt, umso routinierter wird man – und dann ist das Selbstbewusst irgendwann zu recht da.