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#Basisnah
Andreas Stapelfeld (54) pfeift mit seinem Gespannpartner auf der einen Seite bis zur Hamburgliga der Männer und Oberliga Hamburg/Schleswig-Holstein der Frauen – und als Schiedsrichterwart des T.H.-Eilbeck auch immer wieder die vereinseigenen E- und D-Jugend-Mannschaften. Er sagt: „Wir haben definitiv zu wenig Schiedsrichter.“
Redaktion: Andreas, warum bist du Schiedsrichter geworden?
Andreas Stapelfeld: Es hat mich als Spieler immer gestört, dass wir teilweise keine Schiedsrichter hatten – oder Schiedsrichter angekommen sind, die eigentlich lustlos waren. Das wollte ich gerne ändern, aber das geht nur, indem man selbst anpackt. Deswegen bin ich Schiedsrichter geworden und versuche seitdem, es besser zu machen. Und der zweite Grund war natürlich, dass ich unserem Verein helfen wollte. Je mehr Schiedsrichter wir haben, desto geringer fallen die Strafen aus.
Wie alt warst du, als du die Ausbildung gemacht hast?
Ich war 42 oder 43 Jahre alt – so genau weiß ich das nicht mehr. Ich war als Jugendlicher schon einmal Schiedsrichter, aber habe es damals früh wieder an den Nagel gehängt, weil ich es beruflich nicht geschafft habe. Als ich dann wieder eingestiegen bin, war ich wirklich begeistert. Die Ausbildung war viel besser als früher; uns sind viel mehr Inhalte zu Theorie und Regelkunde vermittelt worden.
Inwiefern hat es dir für den (Wieder-)Einstieg geholfen, dass du zu dem Zeitpunkt älter warst? Viele Schiedsrichter pfeifen ihre ersten Spiele - so wie du früher auch – ja bereits mit 15, 16 oder 17 Jahren.
Das hat definitv geholfen. Mit 16 oder 17 Jahren hast du nicht die Erfahrung, sowohl vom eigenen Spielen her als auch vom Wissen, was der Schiedsrichter eigentlich macht. Da guckst du als „Späteinsteiger“ von Anfang an mit ganz anderen Augen drauf. Ich kann daher andere Spieler nur ermutigen, diesen Schritt ebenfalls zu gehen.
Viele Schiedsrichter schwärmen vom Mehrwert für ihre persönliche und berufliche Entwicklung. Wie viel nimmt man mit, wenn man erst im Erwachsenenalter – und eventuell schon im Beruf etabliert – einsteigt?
Ich glaube, man wird abgeklärter in seinem eigenen Spiel, weil man den Schiedsrichter viel besser versteht, wenn man selbst Schiedsrichter ist. Ich war vorher wirklich schwierig zu pfeifen (lacht). Das ist viel besser geworden. Ich bin jetzt ruhiger, weil ich aus eigener Erfahrung weiß, dass das Pfeifen kein leichter Job ist.
Wie erlebst du die Situation bei euch im Landesverband: Können noch alle Spiele besetzt werden?
Nein. Die höherklassigen Spiele werden noch alle besetzt, weil sie Priorität haben, aber nach unten hin wird es immer weniger und dünner. Zum Schluss gibt es Spiele, die nicht mehr offiziell besetzt sind, weil alle Schiedsrichter schon woanders im Einsatz sind. Wir sind definitiv zu wenig Schiedsrichter.
Wie sieht das für dich im Alltag aus?
Wir teilen die Ansetzungen, die unser Verein bekommt, unter uns auf und ich pfeife daher auch mal eine E- oder D-Jugend. Das pfeife ich auch gerne, das bringt viel Spaß. Aber wenn eine Ansetzung aus der Oberliga oder Hamburg-Liga kommt, muss ich andere Ansetzungen, die parallel liegen, wieder abgeben. Es ist viel Organisation notwendig.
Du bist parallel noch Schiedsrichterwart in deinem Verein: Wie erlebst du die Lage, was den Nachwuchs angeht?
Es gibt durchaus Interesse. Ich habe immer wieder Anfragen, aus unseren Erwachsenenmannschaften und auch aus dem Jugendbereich. Der Hamburger Handball-Verband bietet zur Zeit aber keine Lehrgänge an, ich kann daher keine Ausbildung vornehmen lassen.
Warum nicht?
Ich weiß es nicht. Es findet kein Lehrgang statt, obwohl ich immer wieder gebettelt habe. Ich habe aktuell sieben oder acht Leute, die wirklich gerne Schiedsrichter werden wollen, aber es gibt keine Möglichkeit zur Ausbildung. Für die Schiedsrichter wird generell aus meiner Sicht in unserem Landesverband viel zu wenig gemacht. Wir sprechen natürlich miteinander und helfen uns gegenseitig, aber wir sind zu viel auf uns alleine gestellt.
Was hättest du damals gerne, am Anfang deiner Schiedsrichterkarriere, schon gewusst bzw. gesagt bekommen, was du aber erst im Laufe der Zeit lernen musstest?
Da fällt mir nichts ein. Ich weiß nur, was ich unseren jungen Schiedsrichtern vor ihren ersten Spielen sage: Lass dich nicht aus der Ruhe bringen! Hör nicht auf die Buhrufe oder Pfiffe der Zuschauer, sondern zieh dein Ding durch und versuche, deine Linie zu halten.