Jann-Tillmann Skroblien griff früh zur Pfeife, stieg bis in die Jugendbundesliga auf und kümmert sich heute als Nachwuchsschiedsrichter-Koordinator im Bezirk Mecklenburg-West um die nächste Generation. Der 23-Jährige erinnert sich im Interview an seinen Start als Unparteiischer und schildert seine Arbeit, um neue Kinder und Jugendliche für den Job an der Pfeife zu begeistern ...
Redaktion: Jann, wie bist du Schiedsrichter geworden?
Jann-Tillmann Skroblien: Ich wollte als Kind eigentlich Fußball-Schiedsrichter werden, da ich mit Fußball aufgewachsen bin. Schon in der Grundschule habe ich in den Pausen weniger mitgespielt, sondern war immer lieber Schiedsrichter. Am Ende der Grundschulzeit habe ich dann mit Handball bei den Mecklenburger Stieren angefangen. 2013 hat unser Trainer gefragt, wer an einem Schiedsrichter-Lehrgang teilnehmen will, der speziell für den Nachwuchs organisiert worden ist. Mein bester Freund in der Mannschaft und ich hatten darauf Lust und haben mit zwölf oder dreizehn Jahren den Schein gemacht - und seitdem bin ich Schiedsrichter.
An was erinnerst du dich noch von deinem ersten Spiel nach der Ausbildung?
Ich erinnere mich, wie ich gemeinsam mit meinem Gespannpartner und unserem Trainer ganz glücklich in die Kamera geschaut habe – beide in unseren Spielertrikots, weil wir noch keine Schiedsrichtertrikots hatten. Das Bild habe ich noch zu Hause. Wir haben auch direkt ein Coaching bekommen, von einem erfahrenen Schiedsrichter aus unserem Landesverband. Und natürlich erinnere ich mich auch noch an die Aufregung vor dem ersten Spiel (lacht).
Viele Jugendliche machen die Ausbildung, aber hören dann schnell wieder auf. Warum bist du dabei geblieben?
Ich musste nicht alleine pfeifen oder war zufällig mit jemandem zusammengewürfelt worden, sondern das Pfeifen war das gemeinsame Hobby mit einem richtig guten Freund. Es war auch ein glücklicher Umstand, dass wir in einer Zeit angefangen haben, in der im Bezirk bzw. im Landesverband sehr aktiv für den Nachwuchs gearbeitet wurde.
Engagierte Schiedsrichter:innen haben nicht nur diesen Nachwuchslehrgang organisiert, sondern uns auch danach an die Hand genommen – sie haben uns intensiv betreut, zu den Spielen gefahren und Tipps gegeben. Außerdem war zu dem Zeitpunkt gerade eine Kampagne für Fairplay gestartet: „Siebenmeter verballert. Angriff vergeigt. Aber über den Schiedsrichter meckern“, hieß der Slogan. Daher war die Zuschauerbasis etwas sensibilisiert.
Was war das erste Spiel, wo du bzw. ihr vom Feld gegangen seid und gedacht habt: „Das war jetzt gerade ein richtig gute Leistung“?
Ich kann mich an ein Spiel in Crivitz erinnern. Es war eins unserer ersten Erwachsenenspiele. Wir waren immer noch ziemlich jung und wurden vor dem Spiel nicht für voll genommen, aber danach kamen Spielerinnen und Trainer zu uns uns haben gesagt: „Das war eine richtig gute Leistung, das hätten wir gar nicht erwartet, macht weiter so!“ So etwas bleibt natürlich im Kopf.
Was pfeifst du inzwischen?
Mein erster Partner und ich pfeifen leider nicht mehr zusammen; vor drei Jahren haben sich unsere Wege getrennt, weil er leider dem American Football verfallen ist (lacht). Damals haben wir Jugendbundesliga gepfiffen. Ich habe das mit einem neuen Gespannpartner aus Schleswig-Holstein weitergemacht, aber von dem habe ich mich dann aus Zeitgründen getrennt.
Mein Studium nimmt viel Zeit in Anspruch, ebenso die Nachwuchsarbeit bei uns im Bezirk. In der Jugendbundesliga aktiv zu sein, ist sehr großer Aufwand und es hat sich für mich einfach nicht mehr richtig angefühlt. Jetzt pfeife ich immer wieder mit Nachwuchsschiedsrichtern aus unserem Bezirk, die den nächsten Schritt in ihrer Entwicklung gehen wollen, und bin zusätzlich mit einem anderen Schiedsrichter als loses Gespann ein, zweimal im Monat im Einsatz.
Was genau machst du im Rahmen der Nachwuchsarbeit?
Ich bin der Nachwuchsschiedsrichter-Koordinator bei uns im Bezirk. Ich führe gemeinsam mit einem Team das fort, was mich damals zum Pfeifen gebracht hat. Wir organisieren die Nachwuchsschiedsrichter-Lehrgänge, denn aus unserer Sicht ist wichtig, so etwas gezielt für den Nachwuchs anzubieten. Hinzu kommen Coachings und Betreuungsarbeit.
Wie laufen diese Nachwuchsschiedsrichter-Lehrgänge ab?
Das Angebot ist für alle Nachwuchsschiedsrichter:innen von 13 bis 18 Jahre. In einer Sportschule finden an einem Wochenende sowohl die Neuausbildung als auch Fortbildungen für die bestehenden Nachwuchsschiedsrichter:innen statt. Zuletzt waren in den Bezirken West und Nord – auf zwei Lehrgänge verteilt – über 100 Kinder und Jugendliche dabei.
Es freut mich sehr, dass es so gut angenommen wird und es bestätigt die Arbeit, die wir uns machen. Die Nachwuchsschiedsrichter:innen pfeifen nach der Ausbildung zunächst F- und E-Jugend, nach drei, vier, fünf Spielen dann auch in der D-Jugend. Wenn es noch eine oder zwei Altersklassen höher gehen soll, wird ein Coaching organisiert und dann die nächsten Schritte besprochen.
Wie sind deine Erfahrung, was die Abbrecher-Quote angeht?
Die Abbrecher-Quote ist nicht gering. Im zweiten Jahr kommen noch rund die Hälfte der ausgebildeten Nachwuchsschiedsrichter:innen zu einer Fortbildung. Daher haben wir inzwischen die Altersgrenze schon auf 13 Jahre gesetzt, obwohl immer wieder für Zwölfjährige angefragt wird. Wir wollen aber nicht, dass die Kinder zu früh verbrannt werden und sagen den Vereinen daher: Schickt sie lieber ein Jahr später zu uns. Das Gute ist: Wenn das erste Jahr überstanden ist, wird die Abbrecher-Quote deutlich geringer.
Wie würdest du die Schiedsrichter-Situation generell bei euch im Landesverband einschätzen?
Die Not ist groß. Es gibt viele Spiele, die schon von Schiedsrichter:innen alleine geleitet werden müssen und es kommen dennoch immer mehr kurzfristige Anfragen rein, ob nicht bei diesem oder jenen Spiel doch jemand einspringen kann. Die Belastung der bestehenden Schiedsrichter:innen ist dadurch natürlich sehr groß, was zu weiteren Verlusten führen kann. Da die Lage so prekär ist, wird jetzt verstärkt auf Neugewinnung geachtet und Kampagnen gestartet.
Zum Abschluss: Was hättest du am Anfang deiner Schiedsrichter-Karriere gerne gewusst, was du erst hast lernen müssen?
Natürlich wünscht man sich oft, regeltechnisch direkt die richtigen Strafen zu geben, aber das Zwischenmenschliche ist beim Pfeifen ganz wichtig. Ich hätte daher gerne direkt gewusst, wie ich auf dem Spielfeld mit den verschiedenen Parteien persönlich umgehen muss. Das kann man aber leider nur schwer beigebracht bekommen. Es ist ein langer Prozess, aber es fühlt sich gut an, wenn man dann endlich den Dreh raushat.