Hendrik Prahst pfeift im Handballbezirk Enz-Murr im HV Württemberg. In der zwölften Folge der Serie #Basisnah blickt der 23-Jährige auf seine Anfänge im Schiedsrichtertrikot zurück und berichtet von den Auswirkungen des allgegenwärtigen Schiedsrichtermangels im Amateurhandball: „In der letzten Saison sind an manchen Wochenenden Spiele abgesetzt worden, weil keine Schiedsrichter vorhanden waren.“
Redaktion: Hendrik, wie bist du zum Pfeifen gekommen?
Florian Selau: Ich war 15 Jahre als, als der Schiedsrichterwart meines Heimatvereins gefragt hat, ob nicht jemand Lust hätte, Schiedsrichter zu werden. Ich habe den Grundkurs dann mit einem guten Kumpel zusammen gemacht und seitdem pfeife ich.
Hendrik, wie bist du zum Pfeifen gekommen?
Ich war 15 Jahre als, als der Schiedsrichterwart meines Heimatvereins gefragt hat, ob nicht jemand Lust hätte, Schiedsrichter zu werden. Ich habe den Grundkurs dann mit einem guten Kumpel zusammen gemacht und seitdem pfeife ich.
Was erinnerst du noch von deinen ersten Einsätzen?
Mein erstes Spiel, was ich damals alleine gepfiffen habe, war ein 1:35 in der weiblichen C-Jugend. Das eine Tor fiel in der zweiten Halbzeit und ich dachte mir nur: Endlich! Und als es mit meinem Gespannpartner losging, haben wir früh schon sehr gute Spiele bekommen. Ich erinnere mich an ein Derby in unserem Nachbarbezirk. Bezirksliga, Erster gegen Zweiter, 800 Leute in der Halle. Das hat richtig Spaß gemacht und ich habe das Gefühl bis heute nicht vergessen. Es war ein spannendes Spiel, wir haben drei rote Karten gegeben und am Ende ging es mit einem Tor Unterschied aus, aber ich finde, wir haben es dennoch gut geleitet.
Wann hattest du das Gefühl, dass du in dieser neuen Rolle „Schiedsrichter“ drin bist?
Dadurch, dass ich in der Jugend immer selbst in der höchsten Liga gespielt habe, war ich im Spiel an sich immer schon gut drin, weil ich das Geschehen auf dem Feld von Anfang an gut wahrnehmen konnte. Das hat mir auch später sehr geholfen und hilft mir bis heute, weil ich gut auf die Belange der Spieler eingehen konnte. Es geht mir allerdings bis heute so, dass ich nach einer längeren Pause - zum Beispiel im Sommer - mich immer wieder gedanklich erst einmal wieder darauf einstellen muss, dass ich der Schiedsrichter bin und 60 Minuten lang aufpassen muss (lacht).
Du hast gesagt, du hast erst alleine gepfiffen und dann im Gespann. Wie ist das bei euch im Landesverband geregelt?
Bei uns musste man damals nach dem Grundkurs erst einmal sechs Monate alleine pfeifen - und wenn man das wollte, konnte man zur Rückrunde im Gespann anfangen und hat nebenbei noch Einzelspiele gepfiffen. Ich muss aber sagen, dass die Förderung bei uns im Bezirk auch wirklich gut war. Wenn junge Schiedsrichter gesagt haben, dass sie höher kommen wollen, gab es noch zusätzliche Fortbildungen mit Drittligaschiedsrichtern, das war echt cool. Ich bin allerdings nach drei Jahren nach Bietigheim gezogen und das ist ein anderer Bezirk.
Du hast aber weiter gepfiffen?
Ich habe damals das eigene Spiele höhergesteckt und das Pfeifen nur noch nebenbei gemacht. Das war manchmal schon etwas viel, wenn ich dann am Spieltag noch davor ein Spiel gepfiffen habe, aber es hat dennoch Spaß gemacht. Außerdem ist die Förderung in meinem neuen Bezirk, in dem Bietigheim liegt, leider nicht so gut. Es gibt keine Förderung und mein Gespannpartner und ich sind an einem Punkt, an dem wir gebremst werden, weil uns gesagt wird: Wenn wir euch höher einsetzen, fehlen uns in unteren Ligen wieder zwei gute Schiedsrichter. Ich spiele nach einer Verletzung inzwischen in der Halle nicht mehr selbst und möchte gerne höher pfeifen, daher finde ich das extrem schade.
Wie geht es weiter?
Vielleicht müssten wir uns einfach noch ein, zwei Jahre gedulden, aber gerade mit guten Bewertungen und auch guten Rückmeldungen der Mannschaften ist es gerade etwas frustrierend. Eigentlich wollen wir gerne weitermachen, aber ohne Förderung schwindet die Lust ein bisschen. Wir hatten auch schon überlegt, ob wir den Bezirks wieder wechseln. Wir müssen mal gucken, wie es weitergeht.
Wie ist die Lage generell bei euch im Landesverband?
Wie es genau auf der HVW-Ebene ist, weiß ich nicht, aber meine Beobachtungen auf Bezirksebene sind schlecht. In der letzten Saison sind an manchen Wochenenden Spiele abgesetzt worden, weil keine Schiedsrichter vorhanden waren. Und ich kenne Schiedsrichterkollegen, die sehr engagiert sind, und neben dem Job eine wirklich verrückte Anzahl an Spielen abreißen, sonst sähe es noch schlimmer aus. Und dass wir nicht hoch gemeldet werden, weil es sonst zu wenig gute Schiedsrichter im Bezirk gibt, spricht auch dafür, dass die Förderung ausbaufähig ist …
Wenn du an deine Zeit als Spieler zurückdenkst: Wie ist das Schiedsrichter-Amt unter Spielern gesehen worden? Wusste man den Einsatz zu schätzen oder war der Schiedsrichter einfach nur der Depp?
Das ist sehr unterschiedlich. Es kommt sicherlich auf den Spielertyp an, ob sie um die Verantwortung wissen, die der Schiedsrichter auf dem Feld trägt. Allerdings ist mir schon aufgefallen, dass in den letzten Jahren die Aussage oft war: Es ist erst einmal schön, dass überhaupt ein Schiedsrichter gekommen ist.
Zum Abschluss: Was hättest du am Anfang deine Schiedsrichter-Karriere gerne gewusst, was du aber erst lernen musstest?
Wenn man als Schiedsrichter auf dem Feld steht, hat man eine große Verantwortung - und es hilft, wenn man sich damit auseinandersetzt, um was es für die Mannschaften geht. Es geht nicht darum, dass man sich davon beeinflussen lassen sollte, aber manchmal sieht man als Schiedsrichter einfach nicht, wie viel für die Mannschaften an diesem einen Spiel hängt oder wie unglaublich wichtig gerade diese Partie ist.
Und ich hätte gerne von Anfang an gewusst, wie viel Akzeptanz man über seine Persönlichkeit gewinnen kann. Es geht nicht darum, das Regelwerk bis ins Detail immer zu hundert Prozent korrekt auszulegen, sondern es muss auch zwischenmenschlich passen. Dann spielt es nach dem Abpfiff im Gesamtpaket oft auch keine Rolle, ob du einmal die Schritte nicht gesehen hast …