Quelle: DHB

Ball in den eigenen Torraum gespielt: Worauf kommt es jetzt an?

In dem heutigen Videobeispiel geht es um folgende Frage: Wo ist eigentlich der Unterschied zwischen "den Ball in den eigenen Torraum spielen" und "den Ball im Rahmen einer Abwehraktion in den eigenen Torraum lenken"?

In derartigen Situationen kommt es gelegentlich zu Diskussionen, da die Regel nicht immer als bekannt vorausgesetzt werden kann. Manchmal ist es nur ein kleiner, aber feiner Unterschied, der über die richtige Spielfortsetzung entscheidet.

Was im Video geschieht

Mannschaft SCHWARZ ist im Angriff 7 gegen 6. Rückraum-Links SCHWARZ 24 spielt den Pass zu Rechts-Außen SCHWARZ (RA). Außen-Links ROT erkennt das versuchte Anspiel und stoppt den Pass mit dem rechten Arm, sodass der Ball RA SCHWARZ nicht erreicht, sondern in den Torraum von Mannschaft ROT gelangt und anschließend vom Torwart ROT aufgenommen wird.

DIE REGELTECHNISCHE EINORDNUNG VON DHB-SCHIEDSRICHTERLEHRWART KAY HOLM

Dass ein Abwehrspieler den Ball bei voller Ballkontrolle zum eigenen Torwart in den Torraum spielt, kommt sicher eher selten vor. Häufiger ist dagegen, dass Abwehrspieler z. B. beim Abfangen eines Passes oder beim Blocken eines Torwurfs den Ball als letzter Feldspieler berühren, bevor er die Torraumlinie überquert.

Die Schiedsrichter müssen nun beurteilen: Spielte der Abwehrspieler den Ball kontrolliert zurück in den eigenen Torraum oder handelte es sich um die unbeabsichtigte Folge einer Ballberührung während einer Abwehraktion?

Berührt gemäß Regel 6:6 ein Spieler der abwehrenden Mannschaft bei einem Abwehrversuch den Ball, der dann vom Torwart gehalten wird oder im Torraum liegen bleibt, geht das Spiel mit Abwurf weiter (6:4-5).

Wenn der Ball aber gemäß Regel 6:7 in den eigenen Torraum gespielt wird, ist wie folgt zu entscheiden: 

  1. Tor, wenn der Ball in das Tor gelangt. 
  2. Freiwurf, wenn der Ball im Torraum liegen bleibt oder wenn der Torwart den Ball berührt und dieser nicht in das Tor gelangt (13:1b). 
  3. Einwurf, wenn der Ball die Torauslinie überquert (11:1).
  4. Weiterspielen, wenn der Ball den Torraum durchquert und ins Spielfeld zurückgelangt, ohne dass ihn der Torwart berührt.

Die Unterscheidung zwischen Regel 6:6 und 6:7 konzentriert sich also auf die Frage, ob der Mannschaftskollege des Torwarts die Ballkontrolle hatte oder nicht bzw. ob er den Ball bewusst/gezielt in den eigenen Torraum gelenkt hat oder dieses unbeabsichtigt erfolgt ist.

Über die Spielfortsetzung entscheidet daher nur ein kleiner Unterschied.

Unkontrolliertes, sprich unbeabsichtigtes Ablenken des Balls in den Torraum 

Kommt es zu Ballberührungen des Abwehrspielers z. B. beim Blocken von Torwürfen oder im Kampf um den Ball, hat es keine Konsequenzen, wenn er keine Ballkontrolle (Ball gefasst) hatte bzw. er den Ball ohne Absicht in den Torraum lenkte. Die Spielfortsetzung ist dann abhängig von der Situation:

  1. Geht der Ball ins Tor: Tor;
  2. berührt der Torwart ihn oder nimmt er ihn auf: Abwurf;
  3. überquert der Ball die Torauslinie: Einwurf.

Kontrolliertes, sprich beabsichtigtes Zurückspielen des Balls in den Torraum 

Spielt ein Spieler den Ball kontrolliert oder lenkt er ihn bewusst/gezielt in den eigenen Torraum und der Torwart berührt ihn, muss auf Freiwurf für die gegnerische Mannschaft entschieden werden, sofern nicht eine der folgenden Situationen vorliegt:

  1. Geht der Ball ins Tor: Tor;
  2. überquert der Ball die Torauslinie: Einwurf.

Fazit

In dieser Situation lenkt der Abwehrspieler AL von Mannschaft ROT den Ball bewusst in den eigenen Torraum. Daher ist die Entscheidung auf Freiwurf für Mannschaft SCHWARZ korrekt, zumal auch der Abwehrspieler bei der Aktion auf der Torraumlinie steht.

Manchmal ist es ein schmaler Grat und nicht immer einfach, eine regelgerechte Entscheidung zu treffen. Macht man sich aber in den betreffenden Situationen den kleinen, aber feinen Unterschied klar, dann ist es wieder erheblich einfacher, eine richtige Entscheidung zu treffen.