Screenshot: Sportdeutschland.TV
Anwurf ist nicht gleich Anwurf
Der letzte Pfiff eines Schiedsrichters bei der 26. Handball-Weltmeisterschaft der Männer im Jahr 2019 war dem kroatischen Schiedsrichter Matija Gubica vorbehalten. Es war der Anpfiff des Anwurfs für das norwegische Team nach dem letzten Torerfolg des dänischen Weltmeisterteams zum 31:22 Endstand. Nur wenige Sekunden später endete am 27. 01. 2019 kurz vor 19:00 Uhr dieses letzte WM-Spiel.
Der nächste Pfiff eines Schiedsrichters bei einer Handball-Weltmeisterschaft der Männer wird wiederum ein Anpfiff sein. Er wird übermorgen beim Eröffnungsspiel der 27. Auflage dieses Events in Ägypten zu hören sein und lässt um 19:00 Uhr das Spiel zwischen Ägypten und Chile beginnen. Welcher Schiedsrichter diesen Pfiff ausführen darf, steht heute noch nicht fest. Es wird zwar ebenfalls ein Pfiff zum Anwurf sein, der jedoch regeltechnisch nicht ganz mit dem erwähnten Anwurf vor zwei Jahren vergleichbar ist.
Hier die regeltechnische Einordnung von DHB-Schiedsrichterwart Wolfgang Jamelle:
Gemäß Regel 10:1 beginnt jede Halbzeit des Spiels mit einem Anwurf. Welches Team den Anwurf zur ersten bzw. zweiten Halbzeit ausführt, ist in Absatz 1 Satz 1 und 3 für den Spielbeginn und in Absatz 2 Satz 2 für den Beginn der 2. Halbzeit geregelt. In den Bestimmungen der Regel 10:2 ist zudem ausgeführt, dass nach einem Torgewinn das Spiel mit einem Anwurf der Mannschaft wieder aufgenommen wird, gegen die das Tor erzielt worden ist.
Der dort ebenfalls enthaltene Hinweis auf die Ausnahmebestimmungen der Regel 9:2 Abs. 2 trifft Vorsorge für den Fall, dass nach einem Torerfolg vor Ausführung des Anwurfs das Schlusssignal für die erste oder zweite Halbzeit erfolgt. Der Anwurf ist in diesen Fällen nicht mehr auszuführen. Die Schiedsrichter müssen aber deutlich anzeigen, dass sie auf Tor entschieden haben.
Der kleine Unterschied
Die Bestimmungen der Regel 10:4 Abs. 1 und 2 beschreiben den kleinen Unterschied der beiden Varianten des Anwurfs. Während sich zu Beginn beider Halbzeiten alle Spieler in der eigenen Spielfeldhälfte befinden müssen (siehe 10:4 Abs. 2), können sich nach einem Torerfolg die Gegenspieler des Werfers in beiden Hälften der Spielfläche aufhalten.
Letztere Bestimmung wurde übrigens 1996 in das Regelwerk aufgenommen und war Bestandteil der damals neuen Regel zur schnellen Mitte. Unterstützt bzw. ausgeweitet wurde diese Entwicklung 2001 durch eine Bestimmung der Regel 10:3 Abs. 2, wonach die Mitspieler des Werfers die Mittellinie bereits nach dem Anpfiff überqueren dürfen und nicht warten müssen, bis der Ball die Hand des Werfers verlassen hat (siehe auch Regel 15:3 Abs. 1).
Pfiff der Woche
Unter der Rubrik "Pfiff der Woche" präsentieren wir jeweils eine beachtenswerte Szene aus dem aktuellen Spielbetrieb der Bundesligen von Männern und Frauen – und gegebenenfalls auch aus den Ligen darunter. Warum die ausgewählten Situationen besondere Beachtung verdienen? Nun, weil sie einen bestimmten Regelaspekt verdeutlichen, der uns Schiedsrichtern nicht in jedem Spiel „vor die Pfeife“ kommt.