Anwurf aus der Anwurfzone
Situation und Frage
10.9 Mannschaft WEISS hat ein Tor erzielt. Mannschaft SCHWARZ will einen schnellen Anwurf ausführen. SCHWARZ 9 erhält den Ball. Er steht mit dem Ball und einem Fuß vollständig innerhalb der Anwurfzone. Der andere Fuß befindet sich außerhalb der Anwurfzone. Die Schiedsrichter pfeifen zur Ausführung des Anwurfs an. Bevor SCHWARZ 9 den anderen Fuß in die Anwurfzone bewegt, wirft er den Ball in das leere Tor von Mannschaft WEISS.
Was ist die richtige Entscheidung?
a) Tor für Mannschaft SCHWARZ
b) Freiwurf für Mannschaft WEISS
c) Korrektur, erneut Anwurf für Mannschaft SCHWARZ nach Anpfiff des Schiedsrichters
d) Der Wurf wurde korrekt ausgeführt, da die Schiedsrichter die Position des Werfers mit dem Anpfiff zur Ausführung freigegeben haben
Die richtige Antwort ist: b)
Regeltechnische Einordnung von Kay Holm, Leiter Bereich Lehre im DHB-Schiedsrichterwesen
Wichtig für die Beurteilung eines korrekt ausgeführten Anwurfs sind die zwei Phasen. Phase 1 beschreibt die Voraussetzungen, wann der Schiedsrichter den Anwurf anpfeifen darf, und Phase 2 beinhaltet die weiteren Bedingungen, wann der Anwurf regelgerecht ausgeführt ist.
Phase 1
An dieser Stelle wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass der Anpfiff durch die Schiedsrichter erst erfolgen kann, wenn sich der Ball innerhalb der Anwurfzone befindet und der Werfer mindestens einen Fuß (komplett) innerhalb der Anwurfzone hat.
Eine weitere Bedingung zum Anpfiff ist allerdings auch zu erfüllen und durch die Schiedsrichter zu kontrollieren. Denn bevor der Anpfiff erfolgen kann muss nicht nur der Werfer eine korrekte Anfangsposition eingenommen haben, sondern auch alle seine Mitspieler, die in der eigenen Hälfte (auch die Außenspieler) sein müssen, außer sie befinden sich auch in der Anwurfzone.
Wenn die vorgenannten Bedingungen bzw. Voraussetzungen erfüllt sind, kann der Schiedsrichter den Anwurf anpfeifen.
Phase 2
Die Mitspieler des Werfers dürfen die Mittellinie jetzt überqueren bzw. die Anwurfzone in Richtung gegnerische Hälfte verlassen.
Der Anwurf ist innerhalb von drei Sekunden nach Anpfiff von der Anwurfzone aus in beliebiger Richtung auszuführen. Das bedeutet, dass sich neben dem Ball (der ja schon als Voraussetzung für Anpfiff) auch der ganze Körper (komplett) inkl. Füße/ Hände bei der Ausführung in der Anwurfzone befinden muss.
Des Weiteren darf der Werfer die Anwurfzonenlinie auch mit keinem Körperteil überschreiten, bevor der Wurf als ausgeführt gilt. Er darf sich innerhalb der Anwurfzone bewegen, den Ball jedoch nach dem Anpfiff nicht mehr prellen. Er kann den Anwurf auch im Laufen ausführen, darf aber dabei nicht springen.
Der Anwurf gilt als ausgeführt, wenn
- der Ball zunächst die Hand des Werfers verlassen und anschließend die Anwurfzonenlinie vollständig überquert hat oder
- der Ball gepasst und von einem Mitspieler berührt oder kontrolliert wurde, obwohl dies innerhalb der Anwurfzone erfolgt ist.
Zurück zur Regelfrage
In Phase 1 waren die Bedingungen für den Anpfiff durch den Schiedsrichter korrekt erfüllt. SCHWARZ 9 erhält den Ball und steht mit Ball und einem Fuß vollständig innerhalb der Anwurfzone. Der andere Fuß befindet sich außerhalb der Anwurfzone.
In Phase 2 passiert aber dann der Regelfehler. Die Bedingung, dass sich der ganze Körper in der Anwurfzone befinden muss, wird nicht erfüllt. Denn, bevor SCHWARZ 9 den anderen Fuß in die Anwurfzone bewegt, wirft er den Ball in das leere Tor von Mannschaft WEISS.
Damit wurde der Anwurf nicht korrekt ausgeführt und die richtige Entscheidung ist daher Freiwurf für die nicht fehlbare Mannschaft, hier Freiwurf für Mannschaft WEISS.
Fazit
Die einzelnen Phasen müssen bekannt sein. Auch wenn für Phase 1 alle Bedingungen erfüllt worden sind und der Schiedsrichter den Anwurf angepfiffen hat, muss er weiter konzentriert die Ausführung beobachten und Regelfehler entsprechend ahnden.
Pfiff der Woche
Unter der Rubrik "Pfiff der Woche" präsentieren wir jeweils eine beachtenswerte Szene aus dem aktuellen Spielbetrieb der Bundesligen von Männern und Frauen – und gegebenenfalls auch aus den Ligen darunter. Warum die ausgewählten Situationen besondere Beachtung verdienen? Nun, weil sie einen bestimmten Regelaspekt verdeutlichen, der uns Schiedsrichtern nicht in jedem Spiel „vor die Pfeife“ kommt.