Quelle: DHB

Antäuschen in einer Freiwurfsituation

Regelmäßig kommt es zu Diskussionen bei diesem Thema. Dass es aus den verschiedenen Blickwinkeln (Abwehr bzw. Angriff) unterschiedliche Auffassungen hierzu gibt, liegt in der Natur der Sache oder – anders ausgedrückt – an der eigenen Betroffenheit.

Im heutigen Pfiff geht es genau um eine solche Situation, die die unterschiedlichen Auffassungen sehr deutlich macht.

Was im Video geschieht

Mannschaft BLAU wurde ein Freiwurf zugesprochen, den BLAU ausführen möchte. Die Feldschiedsrichterin weist noch die abwehrende Mannschaft GRÜN vor der Ausführung auf das Einhalten des Abstands hin. Hinzu kommt, dass das Vorwarnzeichen "Passives Spiel" bereits vor dem Freiwurf angezeigt war, was für die Situation neben der gespielten Zeit und dem Spielstand unterschwellig schon eine Rolle spielt. 

Nach dem alle Spieler eine (fast) regelgerechte Aufstellung eingenommen haben, täuscht BLAU 24 eine Ausführung des Freiwurfes an und dreht – noch während der Armbewegung nach vorne – seinen Kopf in Richtung Abwehr. GRÜN 93 löst sich dadurch aus dem Abwehrverbund und macht einen Schritt nach vorne und verringert so den erforderlichen 3-Meter-Abstand. BLAU 24, der aufgrund seiner Kopfdrehung das Zucken und die Vorwärtsbewegung der Abwehr erkennt, bricht das Antäuschen bzw. Spielen des Balles ab und weist die Schiedsrichterin deutlich und bewusst auf das Abstandsvergehen hin. Nachdem BLAU 24 den Ball dann doch spielt, unterbricht die Schiedsrichterin das Spiel und gibt Time-out. Nach einer kleinen Diskussion wird das Spiel nach 40-sekündiger Unterbrechung ohne eine Bestrafung mit dem Freiwurf ohne weitere Probleme fortgesetzt.

Regeltechnische Einordnung von Kay Holm, Leiter Bereich Lehre im DHB-Schiedsrichterwesen 

Bei der Ausführung eines 7-Meter-Wurfs ist das Antäuschen eine oft genutzte Variante und führt überhaupt nicht zu irgendwelchen Diskussionen. Die unterschiedlichen Meinungen kommen ausschließlich bei der Ausführung von Freiwürfen auf, wie dieses Beispiel mal wieder belegt. Denn hier wird die Aktion und die Reaktion am deutlichsten, gleichwohl das Thema bei allen formellen Würfen vorkommt bzw. vorkommen kann.

Die offizielle Regelauslegung ist hier seit Jahren unverändert, aber trotzdem bleiben die Diskussionen. 

Das Wichtigste zuerst: Grundsätzlich ist das Antäuschen der Ausführung eines formellen Wurfs wie Anwurf, Abwurf, Einwurf, 7-Meter-Wurf und auch beim Freiwurf regeltechnisch erlaubt, sofern hierbei nach Anpfiff die 3-Sekunden-Regel eingehalten wird.

Das Antäuschen der Ausführung eines formellen Wurfs kann manchmal mit einer bewussten Provokation einer Abstandsverletzung durch den ausführenden Spieler verbunden sein. 

Und bei genauer Betrachtung der Situation sieht man die beabsichtige Provokation schon im Ansatz.

Denn nicht erlaubt ist das Antäuschen eines Wurfs mit sofortigem Hinweis an die Schiedsrichter bzw. dem sofortigen Blick nach hinten, um deutlich zu machen, dass die abwehrende Mannschaft den Abstand nicht eingehalten hat. 

Dies stellt ein unsportliches Verhalten seitens der ausführenden Mannschaft/des ausführenden Spielers dar und ist durch die Schiedsrichter entsprechend zu sanktionieren:

Beim ersten Mal muss eine deutliche Aufforderung an die ausführende Mannschaft erfolgen, dies zu unterlassen. Hierbei sollte auch der Hinweis auf eine mögliche Bestrafung im Wiederholungsfall erfolgen.

Die Spielfortsetzung ist in jedem Fall: Wiederholung des Wurfs nach Anpfiff (in diesem Beispiel natürlich auch unter Beibehaltung des Vorwarnzeichens für passives Spiel).

Eine Bestrafung des Abwehrspielers erfolgt nicht. Dennoch sollte ihm ein Hinweis auf den erforderlichen Abstand gegeben werden.

Ab dem zweiten Mal ist das unsportliche Verhalten des wurfausführenden Spielers progressiv entsprechend der Progressionsreihe zu ahnden, beginnend mit einer Verwarnung, sofern das entsprechende „Kontingent“ noch nicht erschöpft ist (siehe Kommentar zu Regel 16:1). Auch in diesem Fall bleibt die Spielfortsetzung die Wiederholung des Wurfs mit Anpfiff.

Fazit

Die Schiedsrichterinnen haben hier in der Situation besonnen und richtig reagiert.