Schiedsrichter Sebastian Grobe und Adrian Kinzel (Foto: IMAGO/Fotostand)

"Ein unsichtbares Zertifikat"

Von A wie Ausdauer bis Z wie Zuverlässigkeit: Durch die Schiedsrichterei erwerben Schiedsrichter*innen viele Kompetenzen, die sich auch abseits des Spielfeldes auszahlen können - auch und gerade im Beruf. Die Bundesligareferees betonen immer wieder, welche Vorteile das Pfeifen für ihre berufliche Entwicklung gebracht hat, doch auch jeder Amateurschiedsrichter kann profitieren.

Geschäftsführer, Abteilungsleiter und Unternehmer, Lehrer und Polizisten, Ingenieure und IT-Spezialisten: Die Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter in der LIQUI MOLY HBL sind beruflich in guten Positionen angekommen. Der Erfolg im Beruf und der Erfolg an der Pfeife bedingen sich dabei gegenseitig; es ist wie die Frage nach Henne und Ei.

"Es ist nicht überraschend, dass die Spitzenschiedsrichter auch im Job erfolgreich sind, denn du zeigst, dass du dein Leben im Griff hast", erklärt Dr. Adrian Kinzel den Zusammenhang. Der promovierte Neurochirurg ist heute Generaldirektor eines weltweit tätigen Unternehmens. "Du hast ein gesundes Selbstbewusstsein, du bist organisiert, du bist immer bereit, weiter an dir zu arbeiten. Und, das ist ganz wichtig: Du zeigst Woche für Woche, dass du für deine Leidenschaft brennst."

Die Schiedsrichterei nutzte ihm daher genauso im Beruf wie die Erfahrungen aus dem Job auf dem Spielfeld. „Du lernst in der Medizin sehr viel über Kommunikation, über den Umgang mit Stress und Emotionen. Dieses Handwerkszeug hat mir auch als Schiedsrichter geholfen“, zeigt sich Kinzel überzeugt. „Und als Schiedsrichter lernst du, Entscheidungen unter Druck zu treffen, zu deinen Entscheidungen zu stehen und mit Fehlern umzugehen. Das wird im Berufsleben sehr geschätzt.“

Auch Mirko Krag, der ebenso wie Kinzel im Elitekader des Deutschen Handballbundes pfeift, sieht das Zusammenspiel zwischen Beruf und Pfeifen. „Als Polizist habe ich gelernt, mich durchzusetzen, was mir auf dem Handballfeld hilft und beim Handball habe ich durch den Umgang mit Spielern und Trainern meine Kommunikationsfähigkeiten verbessert, was ich in den Job mitnehmen konnte“, resümierte er in der aktuellen Ausgabe des Magazins Bock auf Handball.

Die „Querpässe“ zwischen den beiden Spielfeldern Beruf und Hobby beschreibt jedoch nicht nur jeder Bundesligaschiedsrichter, sondern auch viele Unparteiische von der Basis sehen den Mehrwert, den das Pfeifen bringt. Disziplin, Empathie und Entscheidungsfreude, Flexibilität, Gerechtigkeit und Lernbereitschaft, Neutralität, Selbstvertrauen und Verlässlichkeit sind nur einige der Werte, welche man durch die Schiedsrichterei erlernen und Woche für Woche unter Beweis stellen kann. 

Entsprechend sinnvoll ist es, die Tätigkeit an der Pfeife in Bewerbungsgesprächen zu thematisieren – und sich damit auch von eventuellen Mitbewerbern abzuheben. „Die Menschen verbinden viele positive Attribute mit dem Amt des Schiedsrichters“, hält Kinzels Gespannpartner Sebastian Grobe fest. Ob der Umgang mit Kritik, das Treffen und Vertreten von Entscheidungen oder ein selbstbewusstes Auftreten: Die Schiedsrichterei ist ein Booster für die Persönlichkeitsentwicklung

Für Grobe, der als Führungskraft in der Immobilienwirtschaft arbeitet, ist der Mehrwert unbestritten: "Wer die Entscheidung trifft, Schiedsrichter zu werden, ist bereit, Verantwortung zu übernehmen. Es ist wie ein unsichtbares Zertifikat." Und auch Nico Bärmann, der mit seinem Bruder Leon inzwischen im Bundesligakader pfeift, hielt am „Tag des Schiedsrichters“ 2022 fest: „Ich glaube, wer sich dazu entscheidet, Schiedsrichter zu werden, profitiert auf jeden Fall sowohl beruflich als auch privat, weil er sich weiterentwickelt – und sei es "nur" unterbewusst.

50 Schlagworte: Was bringt ein Schiedsrichter mit?

„Ein unsichtbares Zertifikat“ nennt Sebastian Grobe die Tätigkeit als Schiedsrichter. Für die Persönlichkeitsentwicklung, die ein Schiedsrichter auf dem Spielfeld über Monate und Jahre nimmt, werden in der Berufswelt teilweise teure Coachings bezahlt. 

Entsprechend wertvoll kann es für den beruflichen Werdegang sein, die persönlichen Werte und Softskills, die das Pfeifen mit sich bringt, als Vorteile für den Arbeitgeber herauszuarbeiten – oder als Stärken im Bewerbungsgespräch in die Waagschale zu werfen. Als Anregung hat das Schiedsrichterportal 50 Schlagworte zusammengestellt:

Ausdauer - Authentizität - Begeisterung - Belastbarkeit - Bescheidenheit - Disziplin - Durchsetzungskraft - Ehrlichkeit - Empathie - Engagement - Entscheidungsfreude - Entschlusskraft - Fairness - Fleiß - Flexibilität - Gelassenheit - Gerechtigkeit - Idealismus - Integrität - Kommunikationsfähigkeit - Kontaktfreudigkeit - Kompetenz - Konsequenz - Kritikfähigkeit - Leidenschaft - Lernbereitschaft - Motivation - Neutralität - Offenheit - Organisationstalent - Pflichtbewusststein - Präzision - Professionalität - Pünktlichkeit - Resilienz - Respekt - Sachlichkeit - Selbstbewusstsein - Selbstvertrauen - Selbstständigkeit - Sorgfalt - Teamfähigkeit - Toleranz - Urteilsvermögen - Verantwortung - Verlässlichkeit - Vertrauen - Willenskraft - Zielstrebigkeit - Zuverlässigkeit