Manfred Bülow und Wilfried Lübker leiteten bei der WM 1999 in Ägypten das Finale Russland gegen Schweden. (Foto privat: Manfred Bülow)
Ägypten – zum zweiten Mal
Im Endspiel am 16. Juni 1999 (damals fand die Weltmeisterschaft letztmalig im Sommer des Austragungsjahres statt) standen sich Russland und Schweden gegenüber. Nach einem Zwei-Tore-Rückstand in der Halbzeit (12:14) konnte Schweden das Spiel drehen, gewann am Ende mit 25:24 und wurde zum vierten Mal Weltmeister. Mit einem Sieg über Frankreich (26:21) konnte sich das deutsche Team seinerzeit den fünften Platz sichern.
Erinnerungen eines Weltmeisters
Insgesamt stand die erste Auflage der Männer-Weltmeisterschaft in Ägypten unter einem anderen Stern als die aktuelle. Stefan Lövgren war damals Kapitän der schwedischen Mannschaft und erinnert sich in einem Interview mit Handball Inside (Ausgabe 36 [6/2020], S. 133) an einige besondere Erlebnisse in diesen Tagen.
So kann der zum Turnierende als bester Spieler geehrte Schwede von einer Pressekonferenz berichten, bei der auffallend viele ägyptische Medienvertreter anwesend waren. Sie fand im Anschluss an das erste Gruppenspiel der Schweden gegen das Team aus Südkorea in Port Said statt. Das Spiel wurde von einem Schiedsrichterteam aus Ägypten geleitet und endete 25:20 für das skandinavische Team. Als Kapitän war auch Lövgren auf dem Podium zugegen und wunderte sich über das ausschließliche Interesse der Medienvertreter an der Einschätzung der Leistung des heimischen Schiedsrichterteams. Das eigentliche Spiel und dessen Einordnung durch die Trainer blieben Nebensache.
Schöne Erinnerungen an Ausflüge an den Nil, den Suezkanal und die Pyramiden, wie sie Lövgren seinerzeit noch sammeln durfte, werden für die heutigen Protagonisten der Weltmeisterschaft tabu bleiben. In der „Blase“, die die Beteiligten als Teil des umfangreichen Hygienekonzepts vor dem Virus schützen soll, fällt der Begriff „Ausflug“ nicht.
Erinnerungen eines Schiedsrichterteams
Neben der sicherlich vorhandenen Aufregung beim ägyptischen Schiedsrichterteam, das mit der erwähnten Begegnung zwischen Schweden und Südkorea sein erstes Spiel bei einer Männer-WM leitete, gab es ohne Zweifel auch eine Anspannung beim deutschen Schiedsrichtergespann Manfred Bülow und Wilfried Lübker. Ihnen wurde die große Ehre zuteil, das Endspiel zu pfeifen. Dabei wird ganz sicher eine Spielszene kurz nach Beginn der 2. Halbzeit im Gedächtnis bleiben: Gerade mal 24 Sekunden waren gespielt, als es für Magnus Wislander mit der dritten Hinausstellung auch die rote Karte gab (siehe den historischen Spielbericht).
Eine unbeherrschte Abwehraktion von Wislander – er traf den in Höhe der schwedischen Freiwurflinie vorbeilaufenden ballführenden russischen Gegenspieler mit der rechten Hand im Gesicht – ließ den deutschen Unparteiischen keine Wahl. Der untenstehende kurze Videoclip belegt, dass Magnus Wislander sich selbst am meisten über die unnötige Aktion ärgerte. Aber es half nichts: Für ihn war das von 23.000 Zuschauern in der Main Hall von Kairo besuchte Endspiel bereits beim Zwischenstand von 14:12 für das russische Team zu Ende.
Übrigens könnten sich Weltmeisterschaften der Männer auf afrikanischem Boden für deutsche Schiedsrichterteams als „gutes Pflaster“ erweisen. 2005 durfte Tunesien als zweite afrikanische Nation eine Weltmeisterschaft der Männer ausrichten. Kaum zu glauben, aber das damalige Endspiel zwischen Spanien und Kroatien (40:34) leitete mit Frank Lemme und Bernd Ullrich ebenfalls ein deutsches Schiedsrichter-Duo. Mal sehen, was 2021 …