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Achtung, Sonderregel!

Selbst für manch erfahrenen Schiedsrichter ist der Einsatz in der E-Jugend mitunter eine größere Herausforderung als ein Spiel in der A-Jugend. Denn nicht nur dass durch die offene Manndeckung ein buntes Gewusel auf dem Feld herrscht, die Spielform zweimal 3 gegen 3 eventuell vorgeschrieben ist, oder das Tor durch die Abhängung nur 1,60 Meter hoch ist: Die Landesverbände haben zudem die verschiedensten Sonderregeln für den Spielbetrieb in der jüngsten Altersklasse erlassen. Hier folgt eine (nicht vollständige) Auswahl, um vor möglichen Fallstricken im jüngsten Bereich zu warnen.

1. Penalty statt Siebenmeter

Wird ein Siebenmeter in der E-Jugend gepfiffen, weil eine klare Torchance verhindert wurde, wird dieser nicht aus dem Stand von der Siebenmeterlinie ausgeführt, sondern als Penalty aus der Bewegung. Der Hintergrund: Ein „normaler" Siebenmeter ist für viele der jüngsten Handballer – darunter oft Anfänger – nur schwer zu verwandeln, da beispielsweise die Wurfkraft aus dem Stand noch nicht so weit entwickelt ist.

Der Penalty wird aus der Bewegung ausgeführt, die genaue Ausführung ist deutschlandweit allerdings unterschiedlich und hängt von den geltenden Durchführungsbestimmungen des Landes oder Kreisverbandes ab. Zusammengefasst wird irgendwo zwischen 9-Meter-Linie und Mittellinie gestartet. Mal darf geprellt werden, mal nicht (je nach Startpunkt). Mal ist nur ein Schlagwurf erlaubt, mal ist die Wurfform frei wählbar. Mal wird nach einer Parade mit Abwurf weitergespielt (Nachwurf verboten), mal wird einfach weitergespielt (Nachwurf wäre erlaubt).

2. Auffüllen bei der Zeitstrafe

Eine Zeitstrafe ist in der E-Jugend in der Regel eine individuelle Bestrafung. Der hinausgestellte Spieler muss wie gewohnt für zwei Minuten auf der Bank Platz nehmen, allerdings darf die Mannschaft mit einem anderen Spieler auffüllen. Hintergrund ist die vorgeschriebene offensive Manndeckung, die in einer Unterzahlsituation nicht mehr sinnvoll umsetzbar ist. „Es wird immer in Gleichzahl gespielt", hält beispielsweise der Hamburger Handball-Verband fest. „Die Mannschaft darf vollzählig weiterspielen", betont man auch in Berlin.

3. Die Anzahl der „Preller" kann begrenzt sein

Achtung beim Prellen: Einige Landesverbände haben das Prellen begrenzt. In Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt dürfen die Kinder nur dreimal nacheinander prellen. „Beim vierten Dribbelschlag ist auf Freiwurf für die gegnerische Mannschaft zu entscheiden", heißt es in den Durchführungsbestimmungen. Im bayerischen Bezirk Schwaben gibt es hingegen eine „Beschränkung auf zweimal Tippen".

Hintergrund der Sonderregel: Alleingänge von einzelnen Spielern sollen verhindert und stattdessen ein kooperatives Spiel gefördert werden, um alle Kinder einzubinden. In Hamburg ist das Prellen hingegen nicht eingeschränkt. Daher gilt: Vor dem Einsatz unbedingt mit den Durchführungsbestimmungen vertraut machen!

4. Wie steht es eigentlich?

Während die Spielstandsanzeige – ob elektronisch oder Klapptafel – in den älteren Jugenden und bei den Erwachsenen selbstverständlich verpflichtend ist, sieht das in der E-Jugend mitunter anders aus. Das hängt von den Durchführungsbestimmungen und der Wertungsform ab. Während man in Hamburg wie gewohnt den Spielstand in der Halle anzeigt, ist es in anderen Regionen untersagt. Es gibt auch Regionen, in denen in bestimmten Spielklassen in der E-Jugend keine Tabelle erstellt wird.

In allen Regionen, die auf den sogenannten Multiplikator zur Ermittlung des Ergebnisses setzen, ist zudem nicht nur die Anzahl der geworfenen Tore, sondern auch die Anzahl der Torschützen entscheidend. Der Punktestand (das Endergebnis) ergibt sich dabei aus der Anzahl der geworfenen Tore, die mit der Anzahl der Torschützen multipliziert wird. Das bedeutet: Werfen Mannschaft A und Mannschaft B jeweils zehn Tore, aber bei Mannschaft A treffen sechs verschiedene Spieler und bei Mannschaft B gibt es nur drei Torschützen, endet das Spiel mit 60:30. So soll der Mannschaftsgedanke gestärkt werden, weil ein überragender Spieler alleine nicht zum Sieg reicht.

5. Wie viele Spieler und Auszeiten?

Während es im Bezirk Schwaben ein Team-Time-out pro Mannschaft pro Spiel gibt, sind es beispielsweise in Hamburg zwei Team-Time-outs pro Spiel – und im HV Sachsen-Anhalt (wie bei den Profis) sogar drei. Und während in der Regel pro Partie 14 Spieler erlaubt sind, dürfen im Bezirk Frankfurt-Wiesbaden bis zu 16 Spieler eingesetzt werden. Der bayerische Bezirk Schwaben vermerkt unter „Anzahl der teilnehmenden Spieler" im Bereich der E-Jugend hingegen lapidar „nicht begrenzt". Auch hier gilt: Vor dem Einsatz unbedingt mit den Durchführungsbestimmungen vertraut machen!

6. Anwurf und Abwurf

Je nach Spielform und Region unterscheidet sich die Spielfortsetzung nach einem Abwurf. Im zweimal 3 gegen 3 gibt es nach einem Torerfolg grundsätzlich keinen Mittelanwurf aus der Anwurfzone, sondern das Spiel wird mit einem Abwurf fortgesetzt. In Sachsen-Anhalt bringt der Torwart den Ball generell durch einen Torabwurf, jedoch mit Anpfiff wieder ins Spiel. Dabei darf sich kein Spieler innerhalb der gestrichelten Freiwurflinie befinden. In anderen Verbänden erfolgt der Anwurf wie gewohnt aus der Anwurfzone.

Auch beim Abwurf gibt es Einschränkungen – so darf dieser häufig nicht über die Mittellinie geworfen werden, sonst gibt es einen Freiwurf für die andere Mannschaft. Während das in Hamburg nicht geregelt ist, gilt dort, dass der erste Pass vom Torwart innerhalb der eigenen Hälfte ohne Eingriff eines Gegenspielers erfolgen muss. Andere Verbände verbieten (siehe oben) das Abfangen des Balls durch den Gegner im 9-Meter-Raum.

7. Pädagogisches Pfeifen

„Schiedsrichter/Spielleiter sollen pädagogisch pfeifen, d. h. sie sollen erklären und erziehen, ggf. auch ermahnen, aber nur im Extremfall sanktionieren oder bestrafen", formulierte es der Deutsche Handballbund vor rund zehn Jahren in den „Durchführungsbestimmungen für eine einheitliche Wettkampfstruktur im Kinder- und Jugendhandball".

Die Interpretation, was pädagogisches Pfeifen auf dem Feld konkret bedeutet, ist den Schiedsrichtern weitestgehend selbst überlassen. Es geht kurz gesagt darum, die Balance zu finden, welche Verstöße gegen das Regelwerk man – im pädagogischen Sinne – nicht ahndet und wann man auch im Kinderhandball durchgreifen muss.

Die Handballregion gibt dafür die Maxime „Regeleinhaltung fordern, aber Spielfluss sichern" vor und führt aus: „Das Spiel wird unterbrochen, wenn ein wirklich relevanter Regelverstoß gemacht wird. Über Kleinigkeiten ohne Benachteiligung des Gegners kann hinweg gesehen werden … Insbesondere in Torwurfsituationen ist auf regelgerechte Spielweise zu achten."