Abwerfen eines Gegenspielers beim Anwurf

Die Ausführung des Anwurfs aus der Anwurfzone hat sich insgesamt positiv auf eine schnelle Spielfortsetzung ausgewirkt und macht es für die Schiedsrichter in einigen Punkten prinzipiell einfacher. Nach einem Torerfolg ist ein schnelles Umschalten vom Tor- zum Feldschiedsrichter erforderlich. Zu langes Verharren als Torschiedsrichter nach dem Torerfolg führt zu einem räumlichen Nachteil und schlechtem Stellungsspiel.

Welche Situationen dabei entstehen können und wie mit einem unsportlichen Verhalten des Anwurfausführenden umzugehen ist, zeigen wir in dem heutigen Pfiff der Woche.

Was im Video 1 geschieht

ROT 93 erzielt das Tor zum 28:28 knapp vier Minuten vor Spielende. Torwart BLAU 12 spielt anschließend den Ball zur Ausführung des Anwurfs zu seinem Mitspieler BLAU 4. Gleichzeitig läuft ROT 93 in Richtung Mitte zur eigenen Spielfeldhälfte zurück. BLAU 4, der sich bereits in der Mitte der Anwurfzone befindet, kann den Pass von BLAU 12 aufnehmen. Die Schiedsrichterin pfeift den Anwurf an. BLAU 4 wirft daraufhin ROT 93 in der Anwurfzone an. Die Schiedsrichterin gibt dann Time-out.

Wie ist diese Situation nunmehr zu bewerten?

Regeltechnische Einordnung von Kay Holm, Leiter Bereich Lehre im DHB-Schiedsrichterwesen

Gegenüber dem Anwurf zu Beginn einer Halbzeit bestehen zum Anwurf nach einem Torerfolg wichtige Unterschiede. Während sich im ersten Fall alle Spieler in der eigenen Hälfte befinden müssen, dürfen sich die Abwehrspieler beim Anwurf nach einem Torerfolg in beiden Hälften der Spielfläche aufhalten. Sie müssen sich dabei jedoch – wie auch im ersten Fall – außerhalb der Anwurfzone befinden und dürfen Ball oder Gegenspieler innerhalb der Anwurfzone nicht berühren, bis der Wurf als ausgeführt gilt.

Auch wenn die Position eines Abwehrspielers innerhalb der Anwurfzone nicht korrekt ist, es allerdings keine Auswirkung auf die (schnelle) Ausführung des Anwurfes hat, sprich der zurücklaufende Spieler nimmt keinen Einfluss auf die Ausführung, ist immer die richtige Lösung: Vorteil laufen lassen, im Nachgang Hinweis an den Spieler (siehe hierzu den Pfiff der Woche vom 17.04.2023  Der Anwurf).

Hier in diesem Beispiel läuft der Abwehrspieler verbotenerweise durch die Anwurfzone, ohne aktive Handlung. Der Werfer nutzt die Gelegenheit und wirft den Abwehrspieler an, der sich in der Anwurfzone befindet, was auch die Schiedsrichterin klar andeutet. Der Werfer bringt den Abwehrspieler dazu, den Wurf absichtlich zu „zerstören“, indem er indem er den Ball in seine Richtung wirft. In der Richtung, in die sich der Abwehrspieler befindet/bewegt, gibt es keine Mitspieler, denen der Werfer den Ball zuspielen könnte. Daher hat sich hier der Werfer eines unsportlichen Verhaltens schuldig gemacht.

Eine fast ähnliche Situation zeigt das Video 2.

Videobeispiel 2

Quelle: DHB

Auch hier nutzt der Werfer die Position des Abwehrspielers in unsportlicher Weise aus. Der Abwehrspieler läuft innerhalb der Anwurfzone als der Werfer ihn dazu bringt, den Wurf absichtlich zu "zerstören", indem er den Arm mit dem Ball in seine Richtung streckt.

In der Richtung, in die sich der Verteidiger bewegt, gibt es keine Mitspieler, denen der Werfer den Ball zuspielen könnte. Daher hat sich der Werfer eines unsportlichen Verhaltens schuldig gemacht.

Wie ist dieses Verhalten des Werfers zu bewerten bzw. zu ahnden, wie die Spielfortsetzung?

Wenn die Schiedsrichter den Anwurf angepfiffen haben: Freiwurf für die gegnerische Mannschaft und direkte Hinausstellung für den Werfer.

Wenn die Schiedsrichter den Anwurf nicht angepfiffen haben: Anwurf und direkte Hinausstellung für den Werfer.