Foto: IMAGO/Eibner

7-Meter-Wurf durch einen nicht teilnahmeberechtigten Spieler

Immer mal wieder passiert es, dass ein Spieler, der nicht im Spielprotokoll eingetragen ist oder für den noch eine Hinausstellung (vorübergehend nicht teilnahmeberechtigt) läuft, einen 7-m-Wurf ausführt.

Wie zu entscheiden ist, wenn dieser Spieler den 7-m-Wurf verwandelt und der Fehler noch vor dem ansonsten fälligen Anwurf der gegnerischen Mannschaft bemerkt wird, hat schon auf so manchem Fortbildungsabend für reichlich Diskussionsbedarf gesorgt – erst recht, wenn auch die diversen Abwandlungen dieses Falls geklärt werden sollen. Hier einige Beispiele:

  • Der Spieler verwirft den 7-m-Wurf.
  • Der Ball prallt vom Tor ab oder wird vom Torwart abgewehrt.
  • Der Ball gelangt nach dem abgeprallten/abgewehrten Wurf zum Werfer oder einem Mitspieler oder einem gegnerischen Spieler zurück.

Klar sollte sein, dass der Einsatz eines nicht teilnahmeberechtigten Spielers gemäß Regel 4:3 letzter Absatz eine progressive Bestrafung des Mannschaftsverantwortlichen nach sich zieht. Betritt ein bereits hinausgestellter Spieler während seiner Hinausstellungszeit die Spielfläche, erhält der Spieler gemäß Regel 4:6 Abs. 2 eine weitere Hinausstellung.

Weitergehende Betrachtungen zu den Auswirkungen der Teamstärke der fehlbaren Mannschaft auf der Spielfläche sollen hier nicht besprochen werden. Vielmehr wollen wir uns der Frage eines Schiedsrichters widmen, der eine interessante Variante vorstellt und gerne wissen möchte, wie in "seinem" Fall die richtige Spielfortsetzung ist.

Der Fall

Bei Spielzeit 31:15 entscheiden die Schiedsrichter auf 7-m-Wurf für Team A. Der eingewechselte Spieler A16 führt den Wurf aus. Der gegnerische Torwart kann den Wurf Richtung Spielfeld abwehren, wo er von A5, der sich an der Freiwurflinie von Team B aufhält, abgefangen wird. A5 kommt unbedrängt zum Sprungwurf und erzielt ein Tor. Erst jetzt bemerken Zeitnehmer und Sekretär, dass A16 nicht im Spielprotokoll steht. Noch vor dem Anwurf unterbrechen sie das Spiel und informieren die Schiedsrichter. Wie ist das Spiel fortzusetzen?

Die Lösung

Hier handelt es sich um eine Spielsituation, die bei regeltechnischer Betrachtung ihre Tücken hat. Jedenfalls ist die Lösung nicht unmittelbar aus dem Regelwerk abzulesen.

Zunächst muss geklärt werden, ob die Ausführung eines 7-m-Wurfs durch einen nicht teilnahmeberechtigten Spieler und der anschließende Torwurf eines Mitspielers, nachdem der Ball den Torwart oder das Tor berührt hat, als regeltechnisch zusammenhängende Aktion zu bewerten ist. Nur dann wäre eine analoge Annullierung des Treffers denkbar (siehe hier „Der 7-m-Wurf / Erst nach der Wurfausführung erkannte Fehler").

Es ist keinesfalls als sicher anzunehmen, dass ein von einem nicht teilnahmeberechtigten Spieler verworfener 7-m-Wurf von einem Mitspieler aufgenommen werden kann und so zum Torerfolg führt – andere Spielfortsetzungen wären ebenso denkbar. Dies deutet darauf hin, dass mit der Spielfortsetzung nach dem verworfenen 7-m-Wurf eine neue Aktion begonnen hat.

Zudem würde sich die Frage stellen, wie weit man auf zurückliegende Aktionen zurückgreifen darf. Was wäre, wenn der in der Frage genannte Mitspieler A5 ungünstig steht und deshalb den Ball zu einem weiteren Mitspieler passt, der dann den Treffer erzielen kann? Soll dies dann auch noch als eine zusammenhänge Einheit gesehen und beurteilt werden?

In unserem Beispiel war der Ball bei der Unterbrechung des Zeitnehmers nicht im Spiel. Die Schiedsrichter hatten auf Torerfolg erkannt. Gemäß Regel 10:2 war das Spiel mit Anwurf fortzusetzen. Die obigen Hinweise verdeutlichen, dass ein Rückgriff auf die bereits „überholte“ regelwidrige Aktion des nicht teilnahmeberechtigen Spielers regeltechnisch nicht möglich ist – es kann daher weder eine Wiederholung des 7-m-Wurfs, noch einen Abwurf oder einen Freiwurf für die gegnerische Mannschaft geben.

Was vor dem Anwurf sonst noch hinsichtlich des nicht teilnahmeberechtigten Spielers zu tun ist, ergibt sich aus Regel 4:3.

  1. Spieler, sofern möglich, im Spielprotokoll nachtragen. (Dies setzt voraus, dass die zulässige Höchstzahl an Spielern noch nicht ausgeschöpft wurde und dass die entsprechenden Durchführungsbestimmungen es erlauben.)
  2. Progressive Bestrafung des Mannschaftsverantwortlichen

Helfer mit hoher Verantwortung

Zeitnehmer und Sekretär werden gemeinhin als "Gehilfen der Schiedsrichter" gesehen. Das ist zwar richtig, wird aber der hohen Verantwortung, die das Team am Kampfrichtertisch für einen ordnungsgemäßen Spielablauf trägt, nicht gerecht. Wie das Beispiel zeigt, kommt es sehr darauf an, wie präsent und aufmerksam die beiden bei ihrer jeweiligen Aufgabe sind.

Wäre der Pfiff des Zeitnehmers vor der Ausführung des 7-m-Wurfs erfolgt, müsste entsprechend den regeltechnischen Maßnahmen zur Teilnahme des Spielers A16 der 7-m-Wurf als Spielfortsetzung ausgeführt werden, da der Ball nicht im Spiel war (siehe auch Regel 13:3).

Wäre der Pfiff des Zeitnehmers nach der Ausführung des 7-m-Wurfs erfolgt und der Ball noch im Spiel gewesen, hätte es als Spielfortsetzung einen Freiwurf für die nicht fehlbare Mannschaft geben müssen. Dies gilt, bis der Ball beim Torwurf des Mitspielers die Torlinie vollständig überschritten hätte. Von der Ausführung des 7-m-Wurfs bis zum letztgenannten Zeitpunkt war der Ball im Spiel, sodass gemäß Regel 13:1a zu entscheiden gewesen wäre.

Erfolgt der Pfiff des Zeitnehmers jedoch erst, wenn der Torwurf des Mitspielers erfolgreich war, ist der Ball erneut aus dem Spiel, und die Spielfortsetzung richtet sich wieder nach Regel 13:3. Das Spiel ist dann mit Anwurf fortzusetzen.

Vorbeugen ist besser

Fehler passieren – und sind besonders ärgerlich, wenn sie sich hätten vermeiden lassen. Deshalb bedarf es immer dann einer verstärkten Aufmerksamkeit von Schiedsrichtern und von Zeitnehmer und Sekretär, wenn zu erkennen ist, dass Mannschaften Spieler nachmelden möchten oder diese verspätet eintreffen werden. Eine klare Absprache, auf was in diesen Fällen geachtet werden soll, sorgt meist schon für die notwendige Sensibilisierung des Mannschaftsverantwortlichen sowie von Zeitnehmer und Sekretär. Es ist deshalb auch wichtig, unmittelbar vor Spielbeginn sicherzustellen, dass die Besetzung des Auswechselraums mit den Angaben auf dem Spielbericht übereinstimmt. Es macht für alle Beteiligten deutlich mehr Spaß, wenn die oben beschriebene Situation erst gar nicht auftreten kann.