7-m-Ausführung – Einschränkung für den Torwart
Regeltechnisch korrekt wird sie als Torwartgrenzlinie bezeichnet und befindet sich im Abstand von 4 m parallel zur Torlinie. Näheres ist bei Bedarf den Richtlinien für Spielfeld und Tore zu entnehmen. Zu welchen Konsequenzen es führen kann, wenn der Torwart die dazu einschlägigen Bestimmungen nicht beachtet, zeigt unser Videobeispiel.
Hier die regeltechnische Einordnung von DHB-Schiedsrichterwart Wolfgang Jamelle:
Gemäß Regel 5:11 ist es dem Torwart nicht erlaubt, bei der Ausführung eines 7-m-Wurfs die Torwartgrenzlinie oder deren (gedachte) Verlängerungen auf beiden Seiten zu überschreiten, bis der Ball die Hand des Werfers verlassen hat. Zudem wird noch auf Regel 14:9 verwiesen.
Wenn wir die Merkmale und Kriterien der Regelbestimmung differenziert betrachten, kommen wir zu folgenden Feststellungen:
- Die Regelbestimmung ist während der Ausführung des 7-m-Wurfs gültig. Dies heißt im Klartext vom Anpfiff bis zu dem Zeitpunkt, zu dem der Ball die Hand des Werfers verlassen hat. Eine fehlerhafte Position des Torwarts vor dem Anpfiff ist zu korrigieren.
- Regeltechnisch ist der Begriff „überschreiten“ wie folgt ausgelegt: Solange der Ball die Hand des Werfers nicht verlassen hat, darf der Torwart die Torwartgrenzlinie nicht überschreiten, überlaufen oder überspringen. Er darf sie aber betreten.
- Nachdem der Ball die Hand des 7-m-Werfers verlassen hat, gibt es im Hinblick auf die 4-m-Markierung für den Torwart keine Beschränkung mehr.
- Im Kommentar zu Regel 5:11 ist zudem vermerkt: Solange der Torwart einen Fuß hinter oder auf der Torwartgrenzlinie am Boden hat, ist es ihm erlaubt, den anderen Fuß oder irgendeinen anderen Körperteil in der Luft über diese Linie hinauszubewegen (Dies schließt ein Überspringen [s.o.] jedoch aus).
- Theoretisch ist die Regelbestimmung räumlich im gesamten Torraum anzuwenden, da die 4-m-Markierung eine gedachte Verlängerung zu beiden Seiten einschließt.
- Bei entsprechend regelwidrigem Verhalten des Torwarts ist vom Schiedsrichter gemäß Regel 14:9 zunächst zwingend der Vorteil für den Werfer abzuwarten. Nur wenn der Werfer kein Tor erzielt, ist der 7-m-Wurf zu wiederholen.
- Eine persönliche Bestrafung des fehlbaren Torwarts ist nicht vorgesehen.
Im Videobeispiel ist klar zu erkennen, dass der Torwart nach dem Anpfiff, aber bevor der Ball die Hand des Werfers verlassen hat, die Torwartgrenzlinie überschritten hat. Es ist regeltechnisch unerheblich, dass er sich bei der anschließenden Abwehr des Wurfs ins Toraus wieder hinter der Torwartgrenzlinie befindet. Anstatt auf Abwurf zu entscheiden, hätte der 7-m-Wurf gemäß Regel 14:9 wiederholt werden müssen.
Pfiff der Woche
Unter der Rubrik "Pfiff der Woche" präsentieren wir jeweils eine beachtenswerte Szene aus dem aktuellen Spielbetrieb der Bundesligen von Männern und Frauen – und gegebenenfalls auch aus den Ligen darunter. Warum die ausgewählten Situationen besondere Beachtung verdienen? Nun, weil sie einen bestimmten Regelaspekt verdeutlichen, der uns Schiedsrichtern nicht in jedem Spiel „vor die Pfeife“ kommt.