3. Halbzeit: Der Austausch nach dem Spiel

Vor zwei Wochen wurden im Beitrag „Best Practice: Von Trainern lernen“ bereits zwei Möglichkeiten des Austauschs zwischen Schiedsrichtern und Coaches vorgestellt – abseits des Spieltags in der Aus- bzw. Fortbildung sowie am Spieltag über das Feedback in der Kabine.

Hier geht es zum Beitrag vom 24.09.2026.

Die Rückmeldung von Trainern einzuholen, ist einer der Ratschläge, die jungen Unparteiischen immer wieder gegeben werden. Auch für erfahrenere Schiedsrichter zahlt sich der Dialog häufig aus – gerade nach dem Aufstieg in eine neue Liga, denn jede neue Spielklasse stellt neue Anforderungen.

Damit die „3. Halbzeit“ jedoch einen Mehrwert hat, gibt es verschiedene Dinge zu beachten. Die folgenden sieben Tipps basieren auf den Erfahrungen von Schiedsrichtern aus den verschiedensten Leistungsklassen.

1. Bittet aktiv um Feedback

Fragt die Trainer aktiv nach Feedback. Viele Trainer haben es vielleicht nicht auf dem Schirm, dass ihr gerne eine Rückmeldung hättet – gerade an der Basis, wo es mitunter nicht Usus ist, in den Dialog zu gehen.

Bereitet das Gespräch nach dem Spiel ggf. schon vor dem Anpfiff vor, indem ihr bei der Begrüßung den Trainer bittet, ob er nach dem Spiel zwei oder drei Minuten für einen Austausch hat. Falls er im Anschluss keine Zeit hat, kann er euch das vorher mitteilen – und ihr grübelt danach nicht, ob es an eurer Spielleitung lag, dass er so schnell weg ist oder das Gespräch ablehnt.

2. Worauf sollen wir achten?

Der Austausch nach dem Spiel soll für euch einen Mehrwert haben. Natürlich wollen Trainer ggf. ihre Punkte im Gespräch unterbringen, aber es bringt euch nicht weiter, wenn ihr in einem Monolog 20 einzelne Spielsituationen vorgehalten bekommt. Ein Feedback sollte zudem immer positive sowie negative Aspekte beinhalten. Gerade positive Hinweise bzw. Lob kommen jedoch oft zu kurz, weil aufgezählt wird, was alles falsch war.

Lenkt das Gespräch daher durch Fragen in eine Richtung, die euch weiterbringt. Fragt zum Beispiel gezielt nach einer Sache, die ihr gut gemacht habt – und nach einer Sache, die nicht so gut war und worauf ihr deshalb im nächsten Spiel aus der Perspektive des Trainers achten solltet. So gewinnt ihr wertvolle Eindrücke, die euch bei der Weiterentwicklung helfen.

3. Lasst die Emotionen abkühlen

Wenn es ein hitziges Spiel war oder es eine intensive bzw. hektische Schlussphase gab, müssen sich die Gemüter mitunter erst einmal abkühlen. Geht erst einmal in eure Kabine bzw. kurz aus der Halle (falls es an der Basis keine Schiedsrichterkabine gibt) und nehmt euch damit aus der direkten Schusslinie. Ein sachliches Feedback wird es aus der unmittelbaren Emotion heraus nicht geben. Sucht das Gespräch also mit zehn bis fünfzehn Minuten Abstand zum Spiel – oder fragt nach, ob ihr in den nächsten Tagen telefonieren wollt oder könnt, falls die Pause noch nicht reicht.

4. Sprecht in einer ruhigen Umgebung

Für einen gelungenen Austausch braucht es eine gewisse Ruhe. Am Tisch des Kampfgerichts, während das nächste Spiel vorbereitet wird oder die Zuschauer zuhören können, ist kein geeigneter Rahmen. Zieht euch daher für das Gespräch in die Schiedsrichterkabine zurück, nutzt einen freien Raum (überzählige Umkleide, Kraftraum, Vereinsheim …) oder sucht euch einen ruhigen Platz am Rand auf der Tribüne, falls es die Örtlichkeiten nicht anders zulassen.

Im Idealfall findet das Gespräch in der Schiedsrichterkabine statt.

Durch das Gespräch in einer ruhigen Umgebung schützt ihr euch auch selbst! Wenn Zuschauer nur Halbsätze mithören oder Mimik/Gestik aus der Entfernung falsch verstanden werden („Guck mal, da steht der gegnerische Trainer mit den Schiedsrichtern zusammen und sie lachen alle … dann war ja klar, warum wir verloren haben“), kann euch das negativ ausgelegt werden. Außerdem werden Dinge offener angesprochen, wenn beide Seiten wissen, dass niemand sonst zuhört.

5. Ausgewogenheit im Austausch

Als Schiedsrichter ist es wichtig, seine Neutralität auch im Umfeld des Spiels zu zeigen. Das bedeutet natürlich nicht, dass ihr nach einem Spiel immer mit beiden Trainern sprechen müsst. Es ist aber auch nicht optimal für die Außenwirkung, wenn ihr einen Trainer um Feedback bittet und der andere das mitbekommt, aber selbst nicht gefragt wird. Das kann ggf. zu einer negativen Einstellung euch gegenüber führen, weil er denkt, dass ihr mit seinem Gegenüber besser klarkommt.

Daher: Geht offen damit um. Bittet Trainer A um Feedback und sagt Trainer B, dass ihr nach dem Spiel mit Trainer A in den Austausch gehen wollt und ihr euch freuen würdet, wenn er euch bei eurer nächsten Begegnung für Feedback zur Verfügung stehen würde. Bietet ihm außerdem an, dass er nach dem Spiel natürlich ebenfalls zu euch kommen kann, wenn er aufgrund des Spielverlaufs Gesprächsbedarf hat.

So entsteht kein falscher Eindruck, dass ihr einen Trainer bevorzugt – und ihr habt gleich den Grundstein für Feedback bei einem späteren Einsatz gelegt.

6. Setzt Grenzen

Der Austausch soll einen Mehrwert bieten, und es ist natürlich grundsätzlich zu schätzen, wenn ein Trainer sich die Zeit dafür nimmt. Das bedeutet aber nicht, dass ihr euch alles von ihm anhören müsst. Ihr müsst nicht jede einzelne Situation oder Entscheidung besprechen (siehe Punkt 2) und euch auf keinen Fall für jeden Pfiff rechtfertigen. Ihr seid auch kein Mülleimer für seinen Frust über die Schiedsrichter-Kollegen vom letzten Wochenende oder die aus seiner Sicht bestehenden Missstände im Schiedsrichterwesen des Landes-, Bezirks- oder Kreisverbandes.

Brecht in diesem Fall das Gespräch (höflich, aber deutlich) ab und verweist ihn ggf. an den zuständigen Schiedsrichterwart. Geht möglichst nicht auf die Kritik ein (es sei denn, ihr seid euch sicher, dass ihr sachliche Argumente habt) und fallt auf keinen Fall euren Schiedsrichter-Kollegen in den Rücken. Das fällt euch im Zweifelsfall auf die Füße, weil sich gewisse Dinge schnell verbreiten können. Wenn ihr schon wisst, dass ein Trainer gerne viel redet, setzt ggf. von Beginn an ein Zeitlimit (Wir haben leider nur 10, 15 oder 20 Minuten Zeit, dann müssen wir weiter.), so fällt euch der Ausstieg leichter.

7. Interne Nachbereitung im Schiedsrichter-Team

Besprecht den Austausch mit dem Trainer anschließend, wenn ihr unter euch seid, im Schiedsrichter-Team. Was hilft euch weiter? Welche Anregungen wollt ihr aufnehmen? Was wollt ihr im Auge behalten? Welche Kritik war berechtigt? Wie wollt ihr solche Situationen in Zukunft lösen? Was wollt ihr ignorieren, weil es zu euch als Team nicht passt?

Der Austausch mit Trainern gibt euch Anregungen, aber ihr müsst nicht alles umsetzen oder mitnehmen, wenn es nicht zu euch passt. Sollte ein Kritikpunkt jedoch immer wieder in unterschiedlichen Gesprächen auftauchen, lohnt sich die Beschäftigung damit – auch, wenn ihr diesen Punkt vielleicht nicht hören wollt oder kein Problem seht.