Quelle: DHB

Zusammenprall beim Gegenstoß: Der Torwart trägt die Verantwortung

Verlässt der Torwart den Torraum, um einen langen Pass abzufangen, besteht die Gefahr eines Zusammenpralls der beiden (meist) mit hohem Tempo aufeinander zulaufenden Spieler. Anhand des heutigen Beispiels soll verdeutlicht werden, dass nicht jeder Zusammenprall außerhalb des Torraums automatisch mit einer Disqualifikation für den Torwart verbunden ist.

Was im Video geschieht

Mannschaft GELB ist im Angriff. Die Schiedsrichter entscheiden auf Freiwurf Mannschaft BLAU, der Freiwurf wird schnell ausgeführt. Spieler BLAU spielt einen langen, hohen (Bogen-)Pass in die gegnerische Hälfte, der für seinem gegenstoßlaufenden Mitspieler gedacht ist. Der gegenstoßlaufende Spieler BLAU läuft bis zur Mittellinie mit Blick zum Passgeber. Bereits ab der Mittellinie orientiert er sich in Richtung Ball und damit auch Richtung Torwart. Der Ball berührt bei ca. elf Meter den Boden und fliegt dann weiter Richtung Tor. Der Torwart Mannschaft GELB hat die Situation erkannt und läuft (auch) dem Ball entgegen. Der Torwart GELB kann den Ball bei acht Meter aufnehmen und es kommt anschließend zum Zusammenprall. Die Schiedsrichter entscheiden auf Freiwurf Mannschaft GELB.

Regeltechnische Einordnung von Kay Holm, Leiter Bereich Lehre im DHB-Schiedsrichterwesen

Die Regel 8:5 (Kommentar) nimmt den Torwart grundsätzlich in die Pflicht. Fakt ist, der Torwart hat beim Herauslaufen generell die besten Wahrnehmungsmöglichkeiten einen Zusammenprall zu vermeiden. Deshalb haben die Regelgeber ihm auch die alleinige Verantwortung dafür übertragen, dass es in solchen Situationen nicht zu einem gesundheitsgefährdenden Zusammenprall kommt.

Sie gilt aber nicht, wenn

a) der Torwart in dieselbe Richtung läuft wie ein Gegenspieler; bspw. nachdem er die Spielfläche wieder aus der Auswechselzone betritt.

b) der Angreifer dem Ball hinterherrennt und der Ball sich zwischen Angreifer und Torwart befindet.

In solchen Situationen treffen die Schiedsrichter eine Entscheidung aufgrund ihrer Tatsachenfeststellung.

Fazit

In dem Beispiel sind die Kriterien der Regel 8:5 Kommentar nicht erfüllt. Der Angreifer rennt hier dem Ball, der sich klar zwischen Angreifer und Torwart befindet, hinterher. Hier sind die Kriterien der vorgenannten Guidelines Buchstabe b) erfüllt. Hier müssen die Schiedsrichter eine Entscheidung anhand der konkreten Situation treffen (Tatsachenentscheidung). Die Entscheidung der Schiedsrichter, Freiwurf für Mannschaft GELB, ist korrekt, da der Torwart Mannschaft GELB deutlich als erster den Ball aufnehmen kann und der Spieler BLAU dann in den Torwart hineinrennt (Stürmerfoul).

Merke

Der Torwart trägt grundsätzlich die alleinige Verantwortung dafür, dass es beim Abfangen von Gegenstoß-Pässen zu keiner Gesundheitsgefährdung des Gegenspielers kommt!  Die Kriterien für eine Disqualifikation sind klar benannt. Das Regelwerk, die Guidelines zeigen aber auch Situationen auf, in denen der Kommentar Regel 8:5 nicht gilt und die Schiedsrichter eine (andere) Entscheidung aufgrund der Tatsachen treffen müssen. 

Die Unterscheidung wird deutlich, wenn man sich u. a. auch den Bericht vom 19.12.2022 (Zusammenprall beim Gegenstoß) hier im Portal anschaut.