Zusätzlicher Spieler während eines Time-outs – wenn Regel 4:4 übersehen wird

Die Auswechselbestimmungen gelten gemäß Regel 4:4 auch während eines Time-outs, ausgenommen während eines Team-Time-outs. Welche Folgen es haben kann, wenn dies nicht beachtet wird, zeigt die folgende interessante Spielsituation.

Was im Video geschieht

Mannschaft GRÜN erhält im Angriff einen 7-Meter-Wurf zugesprochen. Der Torwart von Mannschaft ROT (Nr. 16) zeigt seinen Unmut über die Entscheidung deutlich durch Gestik, Mimik und verbale Äußerungen. Die Schiedsrichter unterbrechen das Spiel mit Time-out und verhängen gegen den Torwart eine 2-Minuten-Hinausstellung wegen unsportlichen Verhaltens.

Torwart ROT 16 verlässt daraufhin die Spielfläche. An der Auswechsellinie wartet bereits Torwart ROT 32. Nach kurzem Zögern betritt dieser die Spielfläche, ohne dass ein Feldspieler von ROT das Spielfeld verlassen hat. Der Delegierte erkennt die Situation und weist die Schiedsrichter darauf hin, dass ROT 32 als zusätzlicher Spieler die Spielfläche betreten hat. Die Folge: Auch gegen Torwart ROT 32 wird eine 2-Minuten-Hinausstellung ausgesprochen.

Erst nachdem ein weiterer Torwart (ROT 61) sowie vier Feldspieler auf der Spielfläche sind, kann der 7-Meter-Wurf ausgeführt werden

Regeltechnische Bewertung

Nach den Guidelines und Interpretationen zu den Regeln 4:4 bis 4:6 gilt ein Spieler als zusätzlicher Spieler, wenn er mit beiden Füßen auf der Spielfläche steht, ohne dass ein Mitspieler diese verlässt.

Entscheidend ist dabei: Das Verlassen von ROT 16 erfolgte nicht im Rahmen eines Torwartwechsels, sondern aufgrund einer Hinausstellung. Die Mannschaft war dadurch bereits um einen Spieler reduziert.

Nachdem ROT 16 die Spielfläche verlassen hatte, befanden sich weiterhin sechs Feldspieler von ROT auf dem Spielfeld. Bevor Torwart ROT 32 die Spielfläche betreten durfte, hätte deshalb zunächst ein Feldspieler das Spielfeld verlassen müssen. Da dies nicht geschah, befanden sich mit dem Betreten von ROT 32 sieben Spieler von ROT auf der Spielfläche – trotz der Hinausstellung.


Gemäß Regel 4:6 in Verbindung mit den Guidelines und Interpretation liegt damit das Betreten der Spielfläche durch einen zusätzlichen Spieler vor. Nach Regel 16:3 a ist hierfür eine Hinausstellung die vorgesehene persönliche Strafe.

Die Konsequenz

Durch die beiden Hinausstellungen gegen ROT 16 und ROT 32 musste Mannschaft ROT mit zwei Spielern weniger weiterspielen. Die korrekte Spielfortsetzung erfolgte daher mit einem Torwart und vier Feldspielern.

Besonders bemerkenswert: Hätte Mannschaft ROT keinen dritten Torwart zur Verfügung gehabt, hätte ein Feldspieler das Torwartleibchen anziehen und die Torwartposition übernehmen müssen.

Fazit für Schiedsrichter, Zeitnehmer und Sekretäre

Diese Szene verdeutlicht, dass die Auswechselregeln auch während eines Time-outs uneingeschränkt gelten. Eine Hinausstellung ist keine Auswechselung. Wird ein hinausgestellter Spieler durch einen Mitspieler ersetzt, ohne dass die zulässige Spielerzahl auf der Spielfläche beachtet wird, entsteht schnell ein zusätzlicher Spieler mit den entsprechenden Konsequenzen.

Gerade für Zeitnehmer, Sekretäre und Delegierte lohnt sich in solchen Situationen ein besonders genauer Blick auf die Anzahl der Spieler auf der Spielfläche. Das rechtzeitige Erkennen eines zusätzlichen Spielers verhindert eine regelwidrige Spielfortsetzung und sorgt für eine korrekte Anwendung der Regel.