Quelle: DHB
Zu viele Wechsel können in (doppelter) Unterzahl enden
Wechselfehler auch bei Time-out möglich!
Die Wechselbestimmungen müssen sowohl bei Spiel- als auch bei Spielzeitunterbrechungen beachtet werden. Das Spielfeld darf grundsätzlich nur während eines Team-Time-outs von mehr als den erlaubten sechs Feldspielern und maximal einem Torwart (insgesamt 7 Spielern) je Mannschaft betreten werden (4:4). Eine weitere Ausnahme stellen die Bestimmungen zur Betreuung verletzter Spieler auf der Spielfläche dar (4:11), wenn im Falle einer Verletzung und Time-out nach Erlaubnis der Schiedsrichter eine dritte Person (Spieler) die Spielfläche betritt (4:11).
Was im Video geschieht
Mannschaft ROT ist im Angriff und Spieler GRÜN 44 der abwehrenden Mannschaft erhält eine Hinausstellung. Während GRÜN 44 die Spielfläche verlässt, kommen GRÜN 74 und GRÜN 18 zur Bank und verlassen mit dem hinausgestellten Spieler die Spielfläche im eigenen Auswechselbereich. Dafür werden GRÜN 56 und GRÜN 14 eingewechselt. Dann verlässt auch noch GRÜN 26 die Spielfläche, für den zunächst kein Spieler eingewechselt wird, und GRÜN 3 kommt ebenfalls zur Bank. Danach betreten GRÜN 24 und anschließend GRÜN 74 das Spielfeld. Damit ist die korrekte Anzahl an Spielern von Mannschaft GRÜN – nach der Hinausstellung – erreicht (5 Feldspieler). Der Trainer gibt dann GRÜN 26 ein Zeichen, sich auf die Bank zu setzen. Der Co-Trainer macht ebenfalls eine zweideutige Handbewegung und GRÜN 26 betritt die Spielfläche. GRÜN 4 bemerkt den Fehler und winkt GRÜN 26 zurück, der daraufhin die Spielfläche wieder verlässt. Bevor der Feldschiedsrichter das Spiel anpfeift, kommt ein Pfiff vom Delegierten, der den Schiedsrichter auf den zusätzlichen Spieler hinweist, der darauf wiederum eine Hinausstellung erhält. Anschließend erfolgt die Spielfortsetzung mit Freiwurf ROT, und Mannschaft GRÜN setzt das Spiel mit nur noch vier Feldspielern fort.
Regeltechnische Einordnung von Kay Holm, Leiter Bereich Lehre im DHB-Schiedsrichterwesen
Beim Wechselvorgang ist darauf zu achten, dass zunächst der auszuwechselnde Spieler das Spielfeld regelgerecht, d. h. über die eigene Auswechsellinie, verlässt und dann der einwechselnde Spieler es ebenfalls nur über die eigene Auswechsellinie betritt (4:4). Dies ist in der gezeigten Situation nicht zu beanstanden.
Betritt aber ein zusätzlicher Spieler die Spielfläche ohne Auswechslung, erhält dieser Spieler eine Hinausstellung.
Die Wechselbestimmungen müssen auch bei einer Spielzeitunterbrechung beachtet werden (hier Time-out wegen einer Hinausstellung). Der hinausgestellte Spieler GRÜN 44 hat bereits das Spielfeld verlassen. Das Spielfeld darf auch nach einer Hinausstellung und vor der Spielfortsetzung von nicht mehr als den dann erlaubten (hier 5) Feldspielern und maximal einem Torwart (insgesamt 6 Spielern) betreten werden. GRÜN 26 ist in diesem Moment – auch wenn das Spiel noch nicht wieder angepfiffen ist – ein zusätzlicher Spieler.
Die Hinausstellung gegen GRÜN 26 ist somit korrekt.
Fazit
Bei dem munteren Wechselspiel und nicht eindeutigen Gesten von Trainer und Co-Trainer hat dennoch der Delegierte die Übersicht behalten und die Regelwidrigkeit von Mannschaft GRÜN erkannt und richtig gehandelt.
Pfiff der Woche
Unter der Rubrik "Pfiff der Woche" präsentieren wir jeweils eine beachtenswerte Szene aus dem aktuellen Spielbetrieb der Bundesligen von Männern und Frauen – und gegebenenfalls auch aus den Ligen darunter. Warum die ausgewählten Situationen besondere Beachtung verdienen? Nun, weil sie einen bestimmten Regelaspekt verdeutlichen, der uns Schiedsrichtern nicht in jedem Spiel „vor die Pfeife“ kommt.