Quelle: DHB
Würfe von der Außenposition
Betracht man diese Situation losgelöst vom vorherigen Verlauf, scheint die Entscheidung auf Stürmerfoul durch den Torschiedsrichter gerechtfertigt zu sein.
Schauen wir uns aber die gesamte Situation an:
Hier sieht man nunmehr auch das vorherige Verhalten bzw. den Laufweg von BLAU 98 sowie die Entwicklung dieser Situation, wenn am Ende WEISS 8 gegen BLAU 98 springt.
Unter Berücksichtigung der gesamten Situation und Entstehung (unmittelbar zuvor erfolgter Lauf durch den Torraum in seine Abwehrposition) kann hier nur die Entscheidung auf 7-Meter-Wurf für Mannschaft WEISS lauten.
Begründung
Bei der Regelbestimmung 6:2c ist zu beachten, auf welchem Weg der Abwehrspieler diese Position erreicht hat. Vereitelt er dadurch gar eine klare Torgelegenheit, muss auf 7-Meter-Wurf entschieden werden.
Eine nicht unerhebliche regeltechnische Ergänzung hat 6:2c erfahren, indem klargestellt wurde, dass unter „Betreten“ im Sinne dieser Regel nicht das bloße Berühren der Torraumlinie zu verstehen ist, sondern ein deutliches „Eintreten“ in den Torraum (Vorteilsgedanke!). Dies ist hier deutlich gegeben.
FAZIT
Häufiger Grund für eine nicht situationsgerechte Entscheidung ist eine unzureichende bzw. nicht vollständig erfasste Beobachtung der gesamten Situation.
Hinzu kommt noch, dass die meisten Torschiedsrichter wie „angewurzelt“ in ihrer Grundposition hinter der Torauslinie verharren.
Oft fehlt beim Torschiedsrichter auch der erforderliche Blicksprung von unten nach oben. Für ein sicheres Erfassen dieser sehr schnell ablaufenden Aktionen müsste der Torschiedsrichter aber seine Position verändern.
Ein Zurücksinken mit 1 bis 2 Schritten sollte je nach Situation diagonal in Richtung Tor oder nach außen erfolgen, um so Distanz und Perspektive zum Geschehen optimal zu vergrößern!
Wichtig für den Torschiedsrichter
- Nicht wie ein Denkmal starr in der Grundposition (ungefähr 3-5m Meter vom Tor entfernt) an der Torauslinie verharren!
- Je nach Situation ist die Grundposition zwecks besserer Beobachtungsperspektive nach vorn (in den Torraum) oder nach hinten bzw. zur Seite zu verändern! Dazu muss auch die frontale Position verlassen werden.
- Immer frontal zum Spielfeld stehen. Keine Drehungen, da sonst zeitweise kein Kontakt zum gesamten Spielgeschehen besteht!
- Nicht das Ende einer Aktion sehen und bewerten, sondern auch die Entwicklung und Laufwege vorher beachten.