Ein guter Rat fällt immer nur dann auf fruchtbaren Boden, wenn er erwünscht ist. (Foto: imago images/Zink)
Um Rat gefragt – und dann?
Eine kleine Anekdote
Neulich habe ich als Zuschauer das Spiel eines Schiedsrichterkollegen besucht. Es ist nichts Aufregendes in dessen Verlauf passiert. Selbstverständlich möchte ich den Schiedsrichtern nach Spielende noch schnell „Hallo“ sagen. Als ich in ihre Nähe komme, werde ich unfreiwilliger Zeuge, wie einer der Schiedsrichter den Trainer der Gastmannschaft beim obligatorischen Handschlag nach Spielschluss fragt, wie er die 7-m-Entscheidung in der letzten Spielsituation gesehen hat. Ich halte mich raus und gehe schon mal Richtung Schiedsrichterkabine.
Dort höre ich einige Augenblicke später einen der Schiedsrichter sagen: „Der Trainer hat doch keine Ahnung! Bei welchem Spiel war der denn?“. Mir fällt sofort folgendes ein:
„Frage nur dann um Rat, wenn Du auch bereit bist, ihn anzunehmen!“
Viele von uns fragen in den unterschiedlichsten Situationen ihr Umfeld um Rat. Zu oft suchen wir auf diesem Weg lediglich nach der Bestätigung, richtig gehandelt zu haben. Einen wirklichen Rat können – oder schlimmer noch wollen – wir gar nicht annehmen, weil wir der Überzeugung sind, es besser zu wissen.
Wenn wir also einen Mitmenschen um Rat fragen, sollten wir ehrlich daran interessiert und auch bereit sein, diesen anzunehmen. Das kann gegebenenfalls eine Veränderung unseres eigenen Verhaltens erfordern. Um hierfür aufnahmefähig zu sein, muss man sich vielfach von vorgefertigten Meinungen verabschieden.
Ganz schön viele Voraussetzungen, um einen erbetenen Rat auch ernsthaft annehmen zu können. Aus meiner Sicht jedenfalls zu viele, um mal eben im Vorbeigehen danach zu fragen.
Und was lernen wir aus diesem Merksatz?
„Gib nur dann Rat, wenn Du gefragt hast, ob er willkommen ist.“
Dagegen habe ich ja gerade schon mal gründlich verstoßen. Eingangs gefragt, ob mein Rat willkommen ist, habe ich jedenfalls nicht. Möchten Sie meinen Rat? Wenn nicht – einfach ausblenden ...